Interview

Designer Marcel Ostertag: "Das Leben als Ballett-Tänzer ist sehr hart"

Janice-Claire Scholz
Von Janice-Claire Scholz
27.08.2017 / 10:14 Uhr

Schicke Sneaker mit Plateausohlen, edle Overknees aus Wildleder und Stiefeletten mit Volants. Tamaris präsentiert die neue Schuhkollektion "Revolution", die ihr seit dieser Woche in den Shops finden könnt. styleranking ist mit dabei, denn die Schuhe wurden nicht von irgendwem, sondern von Marcel Ostertag höchstpersönlich designt. Wir treffen den Designer in Düsseldorf und sprechen mit ihm über seine bisherigen Erfahrungen mit der ersten eigenen Schuhkollektion. Für uns erinnert sich der sympathische Wahl-Berliner an seine Kindheit und das Ballett-Tanzen zurück und verrät, welchen Traum er als nächstes verwirklichen möchte.

Redakteurin Janice trifft Designer Marcel Ostertag zum Interview.   Copyright: styleranking

styleranking: Du bist ein erfahrener Designer. Die Schuhkollektion mit Tamaris ist aber deine allererste. Wie war das für dich?

Marcel Ostertag: Das war natürlich Neuland, aber Tamaris und die Wortmann Gruppe haben mich wahnsinnig unterstützt. Und das Beste: Meine Designs sehen auf dem Papier genauso aus wie sie auch im Laden stehen. Ich freue mich darüber, dass mir so sehr vertraut wurde.

styleranking: Was war deine größte Herausforderung beim Schuhdesign?

Marcel Ostertag: Ich bin Designer und stelle mich jedem Projekt mit derselben Passion wie bei meinen Modekollektionen auch. Mir war der Designaspekt sehr wichtig: Sowohl meine Schuh- als auch meine Modekollektion sollen zusammenpassen und sich gegenseitig unterstützen. Dementsprechend ist das Thema meiner ersten Schuhkollektion auch an das Thema der aktuellen "Revolution“-Modekollektion angepasst. Beim Designen von Schuhe sind aber auch die Bequemlichkeit und die Tragbarkeit entscheidend, damit die Schuhe auch wirklich getragen werden.

styleranking: Was ist das Besondere an der Zusammenarbeit mit Tamaris?

Marcel Ostertag: Von Anfang an haben beide Seiten gemerkt, dass es auch persönlich passt. Und das ist bei solchen Kooperationen von erheblicher Wichtigkeit. Sowohl Tamaris als auch ich glauben aufopfernd an denselben Traum: Gemeinsam wollen wir alle Frauen, die nach Schuhen süchtig sind, glücklich machen.

styleranking: Welcher Schuh aus der aktuellen "Revolution"-Kollektion ist dein Favorit?

Marcel Ostertag: Das ist auf jeden Fall der altrosafarbene Ankle Boot aus Wildleder. Auch bei den Kunden ist der Schuh der absolute Renner.

styleranking: Wie kann man den Schuh am besten kombinieren?

Marcel Ostertag: Mädels, die gerne High Heels tragen, können diesen Look auch tagsüber ausführen. Eine Boyfriend-Jeans mit einem coolen Shirt und dazu eine Bomberjacke. Fertig ist das Outfit. Aber den Schuh kann man auch super abends stylen: zu einem kleinen Schwarzen oder einem Cocktailkleid.

styleranking: Was ist ein absolutes No-Go-Outfit? Was würde man auf deinem Laufsteg nie zu sehen bekommen?

Marcel Ostertag: Wenn eine Frau einen kurzen Minirock trägt, sollte es oben bedeckt sein. Wenn eine Frau Dekolleté zeigt, sollte der Rock länger sein. Ich mag es nicht, wenn zu viel Haut gezeigt wird. Im Alltag würde ich zu viele transparente Stoffe nicht tragen. Das ist eher etwas für den Laufsteg.

styleranking: Es war ein großer Traum von dir Schuhe zu designen. Das ist jetzt in Erfüllung gegangen. Welcher Traum wird als nächstes in die Tat umgesetzt?

Marcel Ostertag: In Berlin arbeite ich momentan an einem eigenen Store. Das soll nichts Abgehobenes werden, sondern meine Homebase. In dem Laden werde ich mein Atelier haben und so oft wie möglich auch vor Ort sein. Der Grund hierfür: Vom Feedback der Kunden kann ich am meisten lernen. Der Laden selbst soll schlicht, cool und gleichzeitig heimelig sein. Am liebsten ein Loft-Charakter mit Samtsofa und Perserteppich. Ich mag es, wenn es gemütlich ist.

styleranking: Du präsentierst deine Kollektion in Berlin, aber auch in New York. Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Städten?

Marcel Ostertag: Meine Kollektionen zeige ich in Berlin, weil es in meinem Heimatland liegt. Als weitere Stadt habe ich mich auf New York festgelegt, da die Stadt total modehungrig ist. New York ist ein ganz anderes Pflaster, denn dort ist man als Designer auch international präsent. Hier bist du zwischen Top Designern wie Marc Jacobs und Victoria Beckham. Das hat meinen Marktwert in Deutschland gesteigert.

styleranking: Mit fünf Jahren hast du mit Ballett angefangen und warst auch sehr erfolgreich damit. Du warst Tänzer am Salzburger Landestheater sowie an der Wiener Staatsoper. Aufgrund einer Knieverletzung musstest du als 17-Jähriger damit aufhören. Designer zu werden war nur dein Plan B?

Marcel Ostertag: Ich habe schon immer etwas mit Mode zu tun gehabt. Meine Mutter war sehr modisch und daher eine Inspirationsquelle für mich. Schon als Kind war ich kreativ: Ich habe gestrickt, gehäkelt, gezeichnet. Mir war klar, dass wenn es mit dem Ballett nichts wird, ich später den Beruf des Designers ausüben werde. Dazu muss ich sagen: Ich war erleichtert als meine Tänzer-Laufbahn beendet wurde. Das war schon ein hartes Leben. Seit dem Kindesalter bis zum Tag der Verletzung, hatte ich jeden Tag 6 Stunden trainiert. Auch am Wochenende, denn Freizeit gab es für mich nicht. Mit 17 Jahren konnte ich endlich anfangen, meine Teenager-Zeit nachzuholen.

styleranking: Was hast du aus deiner Studienzeit aus London mitgenommen?

Marcel Ostertag: Freies Denken und freies Arbeiten. Ich habe gelernt selbstständig mein Leben zu organisieren, eigene Projekte zu stemmen und Teamführer zu sein. An der Uni bin ich sehr oft zum Teamleiter gewählt worden. Außerdem habe ich bereits in jungen Jahren Erfahrungen mit großen Firmen wie mit Dunhill, Burberry und Paul Smith gesammelt.

Marcel Ostertag im kreativen Prozess: Die Inspiration für seine Designs holt er sich auch aus der Natur.   Copyright: Tamaris

styleranking: Was kannst du uns zu deinen Tattoos erzählen?

Marcel Ostertag: Ich habe verschiedenste Tattoos und die meisten sind noch nicht fertig. Ich habe jeweils eine Biene hinterm Ohr und zum Beispiel jeweils eine Medusa an den Füßen. Ich bin ein Symmetrie-Freak.

styleranking: Derzeit lebst du in deiner Wahlheimat Berlin. Wo findet man dich dort am meisten?

Marcel Ostertag: Ich halte mich viel im Westen Berlins auf, weil ich dort wohne und auch arbeite. Mit meinem Hund, einer französischen Bulldogge, gehe ich fast jeden Tag im Tiergarten spazieren. Die Strecke mag ich sehr gerne, weil ich mir hier viel Inspiration aus der Natur holen kann.

styleranking: Welchen Designer bewunderst du?

Marcel Ostertag: Er ist mittlerweile leider verstorben, aber Alexander McQueen finde ich toll! Er hat alles sehr künstlerisch gesehen, Traumfantasien entwickelt und das auch dementsprechend inszeniert. Jede Show war eine eigene Welt für sich. Das war jedes Mal gigantisch!

styleranking: Was rätst du Jungdesignern, die durchstarten wollen?

Marcel Ostertag: Viel Kraft und viel Elan. Und vor allem darf man die geschäftliche Seite des Business nicht vergessen. Die Mode sollte auch tragbar sein, damit die Kollektion auch den alltäglichen Kunden anspricht. Man sollte also nicht nur für den Laufsteg designen. Es muss ein Gesicht sichtbar sein, das hinter der Marke zu sehen ist.

styleranking: Was ist das Gesicht deiner Marke?

Marcel Ostertag: Meine Mode ist greifbar. Auch ich bin persönlich da und erreichbar. Ich habe sehr gerne Kontakt zum Kunden, die meine Mode kaufen. Das bereitet mir viel Spaß.

styleranking: Wie ist es Designer zu sein? Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?

Marcel Ostertag: Also es ist nicht so wie sich die meisten das vorstellen: Mit Models rumhängen, Champagner schlürfen und mit dem Privatjet herumfliegen. Es ist tatsächlich ein taffer Job. Wir haben immer viel zu tun, dennoch liebe ich meinen Job. Ich mache jeden Tag das, was ich mir ausgesucht habe und das ist mein Leben.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch, Marcel!


Marcel Ostertag ist 1979 in Oberbayern geboren. Bereits im Alter von fünf Jahren entdeckt er seine Leidenschaft fürs Tanzen. Als Balletttänzer ist er sogar am Salzburger Landestheater sowie an der Wiener Staatsoper. Mit 17 Jahren geschieht das Unglück und Ostertag muss verletzungsbedingt mit dem Tanzen aufhören. Glück für die Mode, denn nun gibt er sich seinem Talent fürs Designen hin. 6 Jahre lang studiert er Modedesign in London. Nach erfolgreicher Beendigung seines Master-Studiums gründet er 2006 seine eigene Marke: die Marcel Ostertag GmbH. Noch im selben Jahr läuft seine Mode über den Laufsteg der Londoner Fashion Week. Seit dem geht seine Designer-Karriere steil aufwärts. Seine Mode ist unter anderem in Shanghai, Paris, Wien und New York zu sehen. Der Wahl-Berliner legt großen Wert auf "Made in Germany", seine Textilien werden alle in Deutschland produziert.

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