Designer Interview

Designerin Malaika Raiss: „Ich arbeite daran, das innere Kind zu behalten"

Silky Sohal
Von Silky Sohal
12.06.2018 / 10:39 Uhr

Locker, lässig und mit einer gewaltigen Portion Power. Designerin Malaika Raiss verkörpert all jene Eigenschaften, die man auch ihrer Mode ansieht. Kein Wunder, dass Lovables sie als Speakerin zu einer Runde voller Powerfrauen einlädt. In Berlin treffen sich Edition F Gründerin Susann Hoffmann und Blogger wie Olga Arnold, um über starke Frauen, Lieblingskleider und die perfekte Wäschepflege zu sprechen. Passend dazu verrät uns Malaika im Interview, warum Humor in ihren selbstbewussten Looks eine so große Rolle spielt und womit sie als erfolgreiche weibliche Unternehmerin zu kämpfen hat.

Ein kleines Geheimnis, dass wir über die Designerin erfahren: Sie ist großer Star Wars Fan.   Copyright: Alexandra Kern

styleranking: Du schreibst online, dass zu deinen Designs eine Dosis Humor gehört. Wo finden wir das in deinen Kollektionen?

Malaika: Am offensichtlichsten merkt man es am Schmuck. Ich habe Anhänger mit einem T-Rex, Pizza und Fries entworfen. Aber dann finden sich auch einige humorvolle Elemente in den Kleidungsstücken. Zu meiner Kollektion zählt ein weißes Kleid mit Bändchen-Stickerei. Da ist im Motiv eine Giraffe versteckt. Sowas sehen die Kunden erst auf den zweiten Blick.

styleranking: Wie sollte man mit Humor in der Modeszene umgehen?

Malaika: Wichtig ist, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Außerdem hilft es enorm, humorvoll mit Kritik umzugehen. Besser man versteht, dass andere Menschen einen anderen Blickwinkel auf Mode haben.

„Wir stehen immer mehr unter Leistungsdruck"

styleranking: Welche Bedeutung hat Humor in der Mode?

Malaika: Wir stehen immer mehr unter Leistungsdruck. Gerade als Frau, die eine Firma führt, werde ich nur so mit dem Druck fertig. Humor funktioniert für mich als Gegengewicht. Ich arbeite daran, das innere Kind zu behalten.

styleranking: Welche Labels transportieren Witz in ihren Designs?

Malaika: J.W. Anderson wäre eines. Der Designer baut Kindheitserinnerungen in seine Entwürfe ein. Oder Christopher Kane. Er hat mal neonfarbene Kabelbinder aus dem Baumarkt als Accessoires verwendet.

styleranking: Auf welchen Fashion Trend dürfen wir uns bald freuen?

Malaika: Sich angezogener zu präsentieren, entspricht unserer Zeit. Damit meine ich, dass man den Business Look einen Business Look sein lässt. Ich denke da in Richtung Céline oder Balenciaga. Diese Labels kombinieren eine geschlossene Bluse zu einem Blazer und kreieren Looks, die mehr angezogen als leger sind.

Der Roundtable mit Speakerin Malaika Raiss unterhält sich über das große Thema des Lovables Events: Powerfrauen!   Copyright: Alexandra Kern

styleranking: Inwiefern lässt du dich von Trends beeinflussen?

Malaika: Ich versuche mich nicht davon beeinflussen zu lassen. Heute werde ich überall mit spannenden Ideen konfrontiert. Ich kann mich dem nicht entziehen. Das heißt, dass ich unterbewusst sowieso von Trends beeinflusst werde. Ohnehin entsteht heute eher ein großer Mix, anstelle von Saison abhängigen Trends.

styleranking: Wie definierst du deine modische Handschrift?

Malaika: Meine Looks präsentieren sich dezent und strahlen eine gewisse Lässigkeit aus. Ich lege aber Wert darauf, stets einen Twist einzubauen, bei dem die Leute denken: „Ah! Das ist jetzt aber anders, als ich es erwartet habe.“ Dieser Twist erscheint in Form einer knalligen Farbe oder durch einen tollen Print auf den Designs.

„Ich sauge alles auf wie ein Schwamm"

styleranking: Wieso ist Berlin eine Modestadt?

Malaika: In Berlin vermischen sich so viele Strömungen. Es bewegt sich viel in der Kunst, in der Filmszene und in anderen kulturellen Ausdrucksformen. Außerdem spielen die kulturellen Hintergründe der Einwohner eine große Rolle. Das alles ist meiner Meinung nach Futter für Kollektionen. So entstehen Ideen.

styleranking: Was verbindet dich mit Berlin?

Malaika: Ich sauge alles auf wie ein Schwamm und Berlin gibt mir stets was zum Aufsaugen. Diese Stadt funktioniert wie ein Ideen-Schmelztiegel für mich. Hier kann ich kreativ sein.

styleranking: Wäre es eine Option für dich, die Stadt zu verlassen und woanders kreativ zu sein?

Malaika: Ich mag auch andere Städte, die pulsieren. New York wäre ein Beispiel. Aber momentan fühle ich mich happy in Berlin.

Wir fragen Malaika auch nach ihren neusten Projekten. Die bleiben allerdings noch geheim.   Copyright: Alexandra Kern

styleranking: Auf welche Inspirationsquelle greifst du neben Berlin noch zurück?

Malaika: Das sind ganz unterschiedliche Dinge. Oft sind es Filme oder Ausstellungen von verschiedenen Künstlern. Manchmal kann es auch eine Songzeile sein. Hier auf meinem T-Shirt steht „The world deserves flowers“. Das ist der Name eines Street Art Bildes der dänischen Künstlerin Signe Kejlbo. Ich habe es zufällig in Kopenhagen beim Vorbeigehen gesehen.

styleranking: Dein Label steht für femininen Casual Chic. Wenn du dein Label mit nur einem Outfit beschreiben müsstest, wie würde das aussehen?

Malaika: Seidenkleid mit Trenchcoat drüber. (lacht)

„Früher habe ich mich gefreut, wenn die Kollektion endlich in den Zeitschriften veröffentlicht wurde"

styleranking: Hast du beim Designprozess den Look an einer bestimmten Frau im Kopf oder konzentrierst du dich auf die Stoffe und Schnitte?

Malaika: Von Anfang an existiert ein Gesamtbild. Ich stelle mir während des Design-Prozesses vor, wie die einzelnen Teile am Ende getragen werden. Dabei habe ich pro Kollektion verschiedene Typen Frau vor Augen.

styleranking: Was hältst du von Fast Fashion, begünstigt durch Social Media?

Malaika: Diese Entwicklung birgt Vor- und Nachteile. Klar finde ich es großartig, wenn Mode für jeden überall und zu jeder Zeit zugänglich ist. Andererseits setzt es uns Designer unter Druck. Das Prinzip funktioniert wie bei einem neuen Handy. Du platzierst es im Markt und schon ist es alt. Früher habe ich mich gefreut, wenn die Kollektion endlich in den Zeitschriften veröffentlicht wurde. Dieser Prozess findet nicht mehr statt, weil jeder alles sofort haben kann. Dadurch verspüren wir den Druck schneller zu designen. Wenn darunter die Kreativität leidet, finde ich das sehr schade.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Malaika!

Malaika Raiss wird 1985 geboren. Im Jahr 2010 gründet sie ihr Label Malaikaraiss in Berlin. Den Grundstein dafür legt sie mit ihrem Design-Studium an der Universität von Mannheim. Seit nunmehr acht Jahren zählt ihre Kollektion zum festen Portfolio der Berlin Fashion Week. In einem Mix aus emanzipierten Styles und einer großen Portion Humor avanciert Malaikaraiss zu einer Größe in der deutschen Modebranche. Besonders die humorvollen Schmuckstücke, die die Designerin in ihre Kollektionen einfließen lässt, gelten als absolutes Must-have.

Follow us