BERLIN FASHION WEEK SOMMER 2017

Dimitri: Der Verlust von "Dimitrihaftigkeit"

01.07.2016 / 17:53 Uhr

Fotos von Cosima Scholz

Dimitri ist kein Label, von dem man Komplexitäten und subtile Botschaften erwartet. Was der griechisch-stämmige Designer Dimitrios Panagiatopoulos mit großer Verlässlichkeit liefert, ist pralle Erotik, scharf konturierte weibliche Kurven und einen Glamour, der laut, glitzernd und großspurig daherkommt wie ein Spielmannszug aus lauter Hollywood-Starlets. Diesmal aber wirkt der Glanz des Labels gedimmt. Die neuen Entwürfe sind bei weitem nicht so opulent und reichhaltig wie frühere Kollektionen. Man kann sagen: Dimitri erscheint weniger "dimitrihaft" als sonst.

Trotzdem verzichtet das Label nicht auf die große Geste: Die Show beginnt, kobaltblaues Licht fällt auf den Laufsteg, ein rasanter Rhythmus gibt den Takt vor für das Defilée der Models, unter denen auffällig viele schwarze Frauen vertreten waren. Zu Anfang gab es eine Reihe von Entwürfen in einem hellen Ocker zu sehen. Die Kleider saßen wie immer bei Dimitri knalleng an Taille und Hüfte. Die weibliche Form betont er mit Kawumm durch auffällige Ledergürtel. Als originelles Detail kommen gefältelte Stoffmanschetten um die Taille hinzu, die die Sanduhr-Silhouette noch weiter nachschärfen.

Es folgen eine Reihe von lockeren Blusen und fließenden Hosen mit weiten Beinen. Die funktionalen Schnitte, die lässige Passform, dazu dieser Wüstensand-Farbton, da und dort goldene Ketten oder Schmucksteine. Es sah aus, als habe Roberto Cavalli eine Kollektion für Jack Wolfskin designt. Dann mischten einige Stücke aus einem gold-schimmernden Stoff doch noch etwas mehr Glanz in die Präsentation. Knappe Shift-Dresses und Hosenanzüge folgen.


Außerdem zeigt Dimitri erstmals ein paar Entwürfe für Männer: Schmale Hosen und enge weiße Hemden. Das alles wirkt aber ein Stück zu wenig entspannt und zu stark auf Wirkung bedacht. Man kann sich den Typ gut vorstellen, der so etwas trägt. Diese Mode eignet sich für Männer, die man häufiger auf Ibiza oder am Sylter Strönwai sieht. Männer, deren Vermögen sich schneller entwickelt hat als ihr Geschmack. Man hätte darauf verzichten können.

Wallende Stoffe und weibliche Silhouetten sind Dimitris Markenzeichen, wirken in dieser Kollektion aber eher langweilig.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Und weil niemand sonst auf der Berliner Fashion Week so gut wie Dimitri weiß, dass „Sex Sells“ keine leere Floskel ist, hatte das Label auch seine Bademodenlinie in die Show integriert. Es gab also sehr viel nackte Haut. Ein Model kommt im Badeanzug mit riesigen Cutouts, eher in einem Nichts, das mit ein paar Stoffstreifen am Körper befestigt war. Ein anderes kommt mit klaffendem Dekolleté bis zum Bauchnabel daher. Auch ein paar sehr knappe, blütenweiße Bikinis sind in der Kollektion vertreten.

Da wir nun schon einmal bei dieser Farbe sind, blieben wir gleich dabei. Dimitri zeigt in der zweiten Hälfte der Show eine sehr lange Serie weißer Kleider, die von antik-griechischen Togen und Tuniken inspiriert sind. Gewänder mit wallenden Stoffe und aufwendigen Drapierungen, mal lang, mal kurz, mal hoch geschlitzt und mal mit mehrlagigem transparentem Rock. Hochgeschlossen wechselt sich mit tief ausgeschnitten ab und man hat das Gefühl, das hört gar nicht mehr auf.

Anders als sonst fehlt in dieser Kollektion das große Blingbling. Es gibt keine Marabou-Federn, keinen Pelz, keine leuchtenden Farben, keine Pailletten. Die Entwürfe sind vergleichsweise schlicht und klar geschnitten. Nicht, dass es schlecht gemacht war, aber es fehlte eben doch die Würze. Dimitri ohne verschwenderischen Glamour – das ist wie ein Vergnügungspark ohne Achterbahn: Theoretisch denkbar, aber irgendwie traurig.

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