MBFWB Winter 2015

Dyn: Musketiere an der Wall Street

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
19.01.2015 / 15:53 Uhr

Der kleine Prinz ist erwachsen geworden: Mit Sakkos, die sich zu Capes und Umhängen ausweiten, Epauletten an den Schultern und knallengen Hosen ist er bestens gekleidet für seine Rundreise zu den Asteroiden in der Umgebung. Frida Homann, die Frau hinter dem Männerlabel dyn, hat im Stage-Raum des Fashion-Week-Zelts ihre neue Herbst-/Winterkollektion vorgestellt, die sich geraden Linien, märchenhaften Improvisationen und androgyner Erotik speist.

Frida Homann hat Strickpullover, Blouson und Sakkos mit schwarzen Kordeln verbrämt und ihnen damit das Flair von Fantasieuniformen verpasst. Sie hat schnurgerade geschnittene Mäntel und Jacken mit großen, flappenden Revers besetzt und Kragen in üppig drapierte Schals ausufern lassen. Ihre Kollektion umfasst knallenge Anzüge, die sich wie Rüstungen um die Körper der Models schmiegen, figurbetonte Strickpullover in satten Rost- und Beerenfarben und scharf in der Taille gegürtete Ponchos. Der Mann, den Frida Homann mit ihrer neuen Kollektion visualisiert, bewegt sich irgendwo zwischen Musketier, Pariser Dandy und Hedgefonds-Manager an der Wall Street.

Dabei hält die Berliner Modemacherin eine prekäre Balance zwischen Hart und Zart, zwischen maskuliner und femininer Ästhetik. Die Männer, die sie präsentiert, sind sexy auf eine verwirrende, androgyne Art: Sie gibt strengen Chinos mit hoch angesetztem Bündchen und betonter Taillen einen tüchtigen Schuss feminine Allure, bindet bedruckte Seidentücher über graue, nüchterne Anzüge und lässt Wollpullover mit kreuz und quer laufendem Zopfmuster wie watteweiche Harnische erscheinen.

Bei DYN treffen mehrere Welten erstaunlich harmonisch aufeinander   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Bemerkenswert auch ein Stoffprint in den Farben Bordeaux und Lila, der an eine Schuppen- oder Dachziegelstruktur erinnert und auf Hemden und Tüchern auftauchte. Dazu trugen die Models Filzhüte mit breiten Krempen, die sie tief in den Nacken geschoben hatten. Eine Puristin ist Frida Homann wahrlich nicht – die Designerin öffnet mit jedem ihrer fantasievollen Entwürfe die Tür zu einem neuen Assoziationsfeld. Richtig gut geschnittene Anzüge und perfekt sitzende Mäntel beherrscht sie ohnehin.

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