MBFWB Winter 2015

Esther Perbandt: Stoff für Albträume

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
22.01.2015 / 14:57 Uhr

Aus dem Halbdunkel schält sich ein Mann mit weißem Hemd und schwarzer Weste, der kein Gesicht hat, sondern vor dem Kopf eine Schiefertafel, von der ein Schwämmchen baumelt. Im Hintergrund schabt etwas, kratzt etwas. Der Mann geht schleppend voran; in seiner Hand hält er ein Geweih. Ist das ein Albtraum? Ein Horrortrip? Schon, irgendwie, in jedem Fall ist es die Szene, mit der die Berliner Meisterin der Indiemode Esther Perbandt ihre Show auf der Fashion Week einleitete.

Die Fashion Week kam, nach einem etwas lahmen ersten Tag, im Laufe des Dienstags allmählich in Fahrt. Und die düstere, etwas bizarre Präsentation von Esther Perbandt war natürlich kein normales Défilée, sondern eine Art modische Theaterinszenierung: Nach dem beklemmenden Auftakt stolzierten die Models herein, unter denen so einige Schauspieler und Künstler wandelten, zum Beispiel Alexander Scheer und Friedrich Liechtenstein, der barfuß zu donnerndem Applaus herantänzelte, mit Bermudashorts, Sonnenbrille und prall bepackten Reisetaschen in jeder Hand.

Esther Perbandt bewegt sich stilsicher zwischen Avantgarde, Berliner Subkultur und Fetischkeller; bei ihrer Show war vieles anders, als man es sonst aus dem Zelt am Brandenburger Tor kennt; die Modemacherin hatte den Laufsteg mit rauem, schwarzem Material verkleidet und den Models Stöcke mit Kreidespitze in die Hand gegeben – die zogen sie wie achtlos hinter sich her und malten geschlängelte weiße Linien hinter sich auf dem Boden, die sich während der Show nach und nach verdichteten. Keine Frage – Esther Perbandt zählt zu den spannendsten Designern, die es in Berlin zu entdecken gibt. Nicht nur ihre Show, auch ihre Kollektion hinterließen einen starken Eindruck.

All black: Die neue Kollektion von Esther Perbandt gibt sich düster.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Die Modemacherin zeigte, wie üblich, ein dunkles, grüblerisches Kabinettstück, eine Kollektion ganz in Schwarz, die nur da und dort mit moosigen Senf- und Ockertönen aufgehellt wurde. Esther Perbandt schafft so eine sehr spröde, schroffe Ästhetik, in der herkömmliche Grenzen zwischen Mann und Frau aufgelöst sind: Zu sehen waren asymmetrische Blusen und Hemden, rigide gewickelt oder mit Gurten in der Taille gegürtet, lange Mäntel, die an der Seite gerafft sind oder ab sich ab der Taille auffächern wie Maxifaltenröcke. Perbandt dekonstruiert klassische Formen, Blazer, Shiftkleider, Hosenanzüge, und setzt sie zu etwas Neuem zusammen; bei ihr wirken Blazer, in ihre Bestandteile zerlegt und mit Schnallen und Riemen zusammengehalten, wie Harnische, die den Körper fest umschließen.

In den festen, harten Stoffen, die die Designerin verwendet, sehen die Models wie abgeschottet von der Welt; nur da und dort lässt ein Oberteil aus spinnwebzartem transparentem Gewebe Haut durchschimmern und fügen der Kollektion eine Ahnung von Zartheit hinzu. Ansonsten haben die Entwürfe etwas Abwehrbereites an sich; die Krägen sind hochgeschlagen, die Revers laufen spitz zu; die gradlinige Schwärze verströmt viktorianische Strenge – eine Show voll stockfinsterem Glamour, ein dunkel leuchtender Moment.

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