BFW Sommer 2017

European Fashion Award: Jungdesigner begeistern mit kontroversen Kollektionen

04.07.2017 / 13:52 Uhr

Zum Auftakt der Fashion Week verleiht die Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie den European Fashion Award 2017 in majestätischer Atmosphäre: In der Basilika des Bode-Museums Berlin, Weltkulturerbe der UNESCO. Die vergoldeten Geländer der breiten Treppen, eine riesige Statue im Eingangsbereich und der rote Teppich erstrecken sich über Kollektionen der sechs Nominierten. Sogar Staatsminister Michael Roth ist angereist, um eine Laudatio zu halten, die auf großen Beifall stößt.

Der Award richtet sich an begabte Designstudenten. Studierende aus ganz Europa reichen ihre Abschlussarbeiten, Vordiplome oder Diplome zu einem vorgegebenen Thema ein. Dabei können sie Preise im Gesamtwert von 200.000 Euro gewinnen. Darunter ein Mentorenprogramm und ein Fotoshooting mit dem renommierten Modefotografen Franco P. Tettamanti. Preisgelder gibt es im Wert von insgesamt 10.000 Euro für die Sieger.

Rund 200 geladene Gäste bestaunen die Kollektionen der jungen Modemacher. Das Thema lautet „Get Real“ und orientiert sich am Social Media-Hype. Jeder benutzt die sozialen Netzwerke, aber vielleicht zu viel? Vor allem kritische Betrachtungsweisen, wie eine zunehmende Kommerzialisierung, lassen sich in den eingereichten Kollektionen erkennen. Vielleicht kürt die Jury gerade deswegen Sonja Litichevskaya zur Gewinnerin des ersten Platzes der Kategorie "Abschlussarbeiten". Die Bachelor-Absolventin der Esmod Berlin blickt mit ihren Entwürfen positiv voraus und kreiert bunte, starke Mode. „Reconstructed Contrasts“ heißt ihre Kollektion aus leuchtenden Farben, klaren Formen, geometrischen Mustern. Die Details: Ein weißer Stern, Pfeile und Blitze deuten als Symbol den raschen Wandel der heutigen Zeit an.

„Sonja Litichevskayas herausragende Kollektion für starke Frauen ist ein echter Hingucker und sehr relevant für den aktuellen Trend der sportlichen Mode, kurz Athleisure. Voll von Vitalität und kreativen Ideen verbindet sie sehr gekonnt Sportswear mit der Ästhetik des Russischen Konstruktivismus und der Kunst der Perestroika“, so die Jury aus Mitgliedern wie Claudia Braun von Mercedes-Benz, Otto Drögsler von Odeeh, Thomas Steinbrück von Reebok und dem Modefotograf Franco P. Tettamanto.

Mutig: Mit ihrer farbenfrohen Kollektion begeistert Sonja Litichevskaya die Jury und gewinnt in der Kategorie "Abschlussarbeiten.   Copyright: styleranking

Die beste Arbeit in der Kategorie "Studierende" zeigt Hannah Kliewer von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Passend zu ihrer Heimatstadt Hamburg wählt die Siegerin den Titel „Steife Briese“ und entwarf eine Kollektion, die den Sturm der Social Media-Kanäle standhält. Klare Proportionen, hohe Kragen und eine schlichte Farbgebung mit dunklen Blau- und Grautönen haben die Jury überzeugt: „Die Männerkollektion von Hannah Kliewer passt gut in die Zeit. Sie greift eine tief sitzende Sehnsucht nach Ursprünglichem und Geborgenheit auf, kurz: nach Heimat in der digitalen Globalisierung.“

Dunkles Kontrastprogramm in der Kollektion von Hannah Kliewe. Sie gewinnt in der Kategorie "Studierende".

Unterschiedlicher hätten die beiden Siegerkollektionen nicht sein können, dennoch sind beide sehr aktuell und zeigen verschiedene Blickwinkel auf die rasante Onlinewelt. Zum einen mit starkem Blick nach vorne und zum anderen mit Besinnung auf die Heimat, das Selbst und die Wurzeln.

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