Platform Fashion Januar 2016

Fashion-Talk mit Sue M. Lee - Entdeckungstour durch wandelbare Räume

Von styleranking
29.01.2016 / 18:08 Uhr

Von Platform Fashion

Fast ist es so, als könne man darin blättern – denn Stylealbum hat viele Seiten und überall gibt es etwas zu entdecken. Mode für Fans des Besonderen, Living-Objekte, Design-Kuriositäten. All das sucht Gründerin und Inhaberin Sue M. Lee aus. In ihrem brandneuen Concept-Store Stylealbum beweist die Designerin und Wahl-Düsseldorferin ihr ausgeprägtes Gespür für schöne Dinge und eine anziehende Präsentation. Längst ist das Schmuckkästchen in der Düsseldorfer Carlstadt, das viel mehr ist als ein Shop für Mode und Interior, kein Geheimtipp mehr. PLATFORM FASHION war bei Sue M. Lee zu Besuch.

PLATFORM FASHION: Sue, du hast Stylealbum erst als Online-Concept-Store gegründet und dann den Shop eröffnet. Raumwahrnehmung spielt da eine wichtige Rolle. Was ist das Highlight?

Sue M. Lee: Der Tresen aus meiner alten Küche, den wir auch das Mutterschiff nennen. Wo ich früher privat Kartoffeln geschält habe, wandern jetzt stylische Sachen über die Ladentheke. Gleichzeitig ist das imposante Stück auch die einzige Konstante des Interieurs. Der Tisch, die Hängesysteme an der Wand, die Kleiderstangen, die Auslegebretter – all das ist modular und gibt mir die Möglichkeit immer wieder umzustellen, den Raum zu verändern und anders zu gestalten. Zum Beispiel, wenn ich mal Kunst ausstellen möchte. Veränderbarkeit ist das eigentliche Highlight.

PLATFORM FASHION: Im Sortiment trifft außergewöhnliche Mode auf ausgewählte Interior- und Design-Items. Schon das Angebot bestimmt also das Shopdesign mit. Bestimmt ein guter Spiel- und Experimentierraum – woher kommen deine Ideen und Inspirationen?

Sue M. Lee: Klar, ich stöbere in Blogs oder auf Trendplattformen. Aber besonders sammele ich Inspirationen auf Reisen. Da werfe ich auch schon mal die eine oder andere Touristenattraktion über Bord. Mit offenen Augen durch Straßen gehen, in Wohnungen spinksen, entdecken, wie Menschen leben – das sind die richtigen Sehenswürdigkeiten. Toll sind auch Cafés. Bei mir im Store probiere ich alles aus. So wird ein Kubus aus unbearbeitetem Massivholz zum Präsentierteller für Shirts, auf die riesige Platte von der Baustelle lege ich ganze Outfits. Der Epoxidharzboden zum Beispiel ist noch von der Galerie, die hier vorher drin war. Ich finde ihn ganz charmant. Meine Devise: Wenn es mich nicht stört, wird es schon passen.

Shoppe im Sylealbum.   Copyright: Platform Fashion

PLATFORM FASHION: Der Store trägt deine Designerhandschrift – Stylealbum ist fast schon ein Brand. Welche Aussage steckt hinter deinem Konzept?

Sue M. Lee: Ich nenne es den eklektischen Mix. Und der soll meine Kunden animieren: „Entdeckt was Schönes, entdeckt euch!“ Das ist natürlich auch von der Philosophie der Veränderbarkeit geprägt. So habe ich einfach eine MDF-Platte mit zwei Böcken als Gabentisch aufgebaut, auf dem man allerlei Kleinigkeiten zu gucken hat. Von günstig bis hochpreisig, von Denim bis zum Seidenkleid, möchte ich einen Mix anbieten, bei dem man sich wohlfühlen kann. Und das spiegelt auch die Gestaltung des Verkaufsraums wieder. Alles, auch die Bank am Spiegel oder der Acapulco-Chair vor den Umkleiden, kann gekauft werden.

Ausgewählte Klediungsstücke für den Düsseldorfer Geschmack.   Copyright: Platfrom Fashion

PLATFORM FASHION: Findest du, dass gerade die Themen Mode und Living sich gegenseitig bereichern?

Sue M. Lee: Natürlich. Keiner kauft heutzutage mehr solitär. Ich glaube, die Leute sind ständig auf der Suche nach einem Lebensgefühl, nach einem Komplett-Paket. Dafür gibt es eben Concept-Stores. Wenn man mal genau hinschaut, wie Menschen wohnen und sich kleiden, findet man viele Ähnlichkeiten. Beides sind Spiegel der Persönlichkeit.

PLATFORM FASHION: Bei Stylealbum herrscht eine besondere Atmosphäre: ruhig, aber dennoch spannend. Ist die Vermittlung dieses Gefühls ein Faktor für gute Verkaufszahlen?

Sue M. Lee: Mir geht es um sympathische Produkte und eine Gestaltung, die Spaß macht. Das gibt Raum zum Durchatmen. Dazu biete ich immer etwas zu trinken an. Shoppen bei Stylealbum ist ein kleiner Wellnessurlaub. Natürlich muss ich das Vorhaben auch wirtschaftlich betrachten. Dabei hilft mir auch die „verlängerte Ladentheke“: An einem Monitor lässt sich im Store auch online shoppen. Denn damit dieses entspannteund abgestimmte Ambiente entsteht, kann ich nicht alles zeigen. Multichanneling ist wichtig – verpackt als Instore-Gimmick.

PLATFORM FASHION: Welche Bedeutung haben für dich Farben und Licht?

Sue M. Lee: Farbe und Licht ergänzen sich. Sie sind es, die einen Raum erst ausmachen. Natürlich spielt auch die Formeine Rolle. Aber die erkennt man erst durch Licht. Und Farbe lässt sie sprechen und erzeugt Stimmungen. Bei mir gibt es eine große Fensterfront, durch die viel Tageslicht ins Innere dringt.

„FARBE UND LICHT ERGÄNZEN SICH. SIE SIND ES, DIE EINEN RAUM ERST AUSMACHEN.“

PLATFORM FASHION: ...und einen großen Anteil an Freifläche. Wie soll damit strukturell die Wahrnehmung beeinflusst werden?

Sue M. Lee: Es entsteht ein großer und luftiger Raum, der zum Wohlfühlen einlädt. Witzigerweise standen neulich zwei Kundinnen an der Fensterfront, lugten, trauten sich aber scheinbar nicht rein. Fläche kann paradoxerweise beengen. Trotzdem habe ich, nicht nur für mich selbst, die Erfahrung gemacht, dass Leute prinzipiell gerne den ganzen Laden überblicken. Das hat schon in meinem Pop-Up-Store in Unterbilk funktioniert, obwohl er das absolute Gegenteil war. Die 27 Quadratmeter waren vollgepackt. Auch dort habe ich mich super wohlgefühlt. Es war bunt und niedlich. Indem ich es jetzt schlicht und reduziert halte, zeige ich: Stylealbum hat sich weiterentwickelt und ist ge- und erwachsen.

PLATFRORM FASHION: Nun aber zu den gefüllten Teilen des Stores: Wie ist das Feedback zur Zusammenstellung der Labels? Bei Stylealbum gibt es ja eine ziemlich breite Auswahl...

Sue M. Lee: Meistens höre ich, dass es eine außergewöhnliche Auswahl ist. Stimmt. Denn die Teile haben immer etwas Besonderes: der schwarze Blazer mit dem Smoking-Revers, die Strickmütze mit dem Neon-Pudel, das Premium-Öko-Waschmittel oder die bronzene Design-Ananas. Das sind alles Dinge, die ich persönlich sehr mag. Oft sind auch eher noch wenig bekannte Designer dabei. Achtland beispielsweise. Wer mich nicht mag, für den ist der Laden auch nix.

Flat-Lays im Stylealbum von Sue M. Lee.   Copyright: Platform Fashion

PLATFORM FASHION: Düsseldorf ist ein Fashion-Hotspot. Wie wirst du hier auf Newcomer aufmerksam?

Sue M. Lee: Das passiert intuitiv. Wenn ich zum Ordern unterwegs bin, kommt meist das eine zum anderen. Dann sehe ich tolle Dinge, die zueinander passen. In Stockholm zum Beispiel trug bei trübem Wetter ein ziemlich cooler Typ einen schwarzen Regenschirm, dessen Unterseite ein blauer Himmel zierte. Kurzum, ich habe den Typen angequatscht und jetzt gibt’s den Gute-Laune-Schirm von Happysweeds auch bei mir zu kaufen.

PLATFORM FASHION: Hast du einen Lieblingsdesigner?

Sue M. Lee: Früher war das Walter van Beirendonck. Für diese extrem crazy, super schrägen, quietschig bunten Strickpullis
mit großen Intarsien habe ich mein komplettes

Die Designerin Sue M. Lee.   Copyright: Platform Fashion

erstes Gehalt hingelegt. Noch mehr geliebt habe ich diesen Designgott, als er mich auf einer Modenschau in Paris für ein Model gehalten hat. Seitdem ist für mich keiner an diese Ikone mehr rangekommen.

PLATFORM FASHION: Das war damals... Und wie sieht dein Stil jetzt aus?

Sue M. Lee: Wie viele hatte ich dann so meine Phasen: Mal war Marc Jacobs, mal die liebe Isabel (Marant, Anm. d. Redaktion) angesagt. Von Kopf bis Fuß ein Label wie Anna dello Russo – das ist nicht mein Ding. Genauso wenig wie chosen coordinates. Mein Kleidungsstil ist individuell, praktisch und wechselhaft. Das ist doch der Zeitgeist: Die weiße Seidenbluse mit der Second-Hand-Jeans. Und natürlich würde ich alles aus meinem Store tragen.

Tolle Interior-Inspiration für Kunden des Stylealbums.   Copyright: Platform Fashion

Das anlässlich der kommenden Collection Première Düsseldorf stattfindende Modenschauen-Konzept PLATFORM FASHION findet vom 29. bis 31. Januar 2016 auf dem Areal Böhler in seiner mittlerweile fünften Saison statt. An drei Tagen werden ausgewählte Labels und Institutionen ihre Kollektionen auf dem Laufsteg präsentieren. styleranking unterstützt das Event regelmäßig mit eigenen Veranstaltungen.

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