Berlin Fashion Week Winter 2017

Fashion Week-Revoluzzer Marcel Ostertag lockt in einen 70s-Märchenwald

Von Lara Schwitalla
19.01.2017 / 18:39 Uhr

„Das Wesen der Revolution ist für mich ein Neuanfang, ein Aufbruch.“ Designer Marcel Ostertag prophezeit im Video zum Editorial-Shooting seiner neuen Herbst/Winter-Kollektion Großes. Der eindrückliche Teaser zur Kampagne mit Starfotograf Jim Rakete stellt hohe Erwartungen an die neuesten Kreationen des Designers. Schließlich endet sein modischer Zyklus der vier Elemente, die jeweils seine vier vorherigen Kollektionen betitelten. Hinter voll besetzten Reihen thronen in der Frontrow Stars und Socialites wie Janina Uhse, Riccardo Simonetti, Sarah Nowak, Farina Opoku alias Novalanalove, Caro Daur und Masha Sedgwick. Ob Marcel Ostertag in der Backfabrik zwischen Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg zum Revoluzzer oder Größenwahnsinnigen verurteilt wird?

Die Ostertagsche Moderevolution steht unter dem Motto Entschleunigung. Zur Fashion Week mangelt es bekanntlich jedem an Zeit. Ganz modewochenuntypisch schweben und schleichen die Models wie auf Wolken über den Runway der Backfabrik. Den Szenegästen bleibt somit ausgiebig Zeit zur Begutachtung der neuen Kollektionsstücke des Designers. Farblich scheinen die Kreationen einem mystischen Märchenwald entsprungen zu sein. Tannengrün, Burgunderrot, Steingrau, Olivgrün und Tiefschwarz dominieren. Dazwischen lockern großflächige Creme- und Rosétöne sowie blasse Graunuancen die dunklen Erdtöne auf. Ostertag setzt mit dominanten Seventiesprints und knallroten Eyecatchern farbliche Akzente. Die Schnitte der Herbst/Winter-Kollektion orientieren sich an der Alten Schule. Ostertag inszeniert klassische Etuikleider, weite Taillenhosen und Kimonos. Volants ziehen sich als Roter Faden durch zahlreiche Looks der neuen Kollektion.

Vereinzelt stechen Bomberjacken, Miniröcke und Overkneeboots aus den damenhaften Designs der Kollektionsstücke heraus. Der Modedesigner präsentiert Volanthosen als absolutes Must-have. Die körperbetonten Bottoms zieren wallende Volants an den Außennähten, die bei jedem Schritt der Models taktvoll mitschwingen. Aus transparentem Netzstoff gefertigt, eckt dieses Trendteil gekonnt an.

Der All-Over-Black-Look überzeugt auch Blogger Riccardo Simonetti.   Copyright: Zacharie Scheurer / Getty Images

Die Kombination aus verspielten Seventies-Vibes und modernen Trendelementen krönt einen spannenden Bluse-Taillenhose-Look zu einem der besten Outfits des Abends. Ostertag erfindet die klassische, weiße Bluse durch x-förmig angeordnete Volants am Oberkörper neu. Ohne Angst vor zu vielen Details komplettiert er den Look durch eine weit geschnittene Printtaillenhose in Auberginerot. Große, blumenartige Muster in Weiß nehmen die Farbe der Bluse erneut auf. Ein schlichter Taillengürtel mit Metallschnalle schafft eine weitere Verbindung zwischen Top und Bottom. Im krassen Kontrast dazu reiht sich auch der All-Over-Black-Look in die Liste der Show-Highlights ein. Das knielange Blusenkleid akzentuieren Beinschlitze und Taillenraffung. Großflächige Volants zieren die Knopfleiste vom Kragen bis zum Saum. Ein Statement setzt Ostertag durch provokante Overkneeboots mit aufwendiger Schnürung. Der pechschwarze Look strahlt Spannung und Kreativität aus, ohne überladen zu wirken. Die Runwayshow schließt mit einem ungewöhnlich schlichten Finalkleid. Die bodenlange Bluse schimmert in einem schlichten Steingrau. Der Stehkragen fließt über in ein gleichfarbiges, kurzes Cape, das über der Taille endet. Dort löst ein knallroter Taillengürtel mit cremefarbener Umrandung und Statementschnalle das Layering ab.

Anstelle einer Verbeugung fährt Marcel Ostertag zum großen Finale im neuen Mii by Cosmopolitan seines Partners Seat über den Runway. So integriert er kurzerhand eine Autopremiere in die Runwayshow. Auch seine Schuhkollektion für Tamaris präsentiert der Designer erstmals in der Backfabrik in Berlin. Nach Danksagungen und Premieren schließt die Show mit Ostertags Story zu Revolution: „Ich möchte alles entschleunigen. Man muss sich wieder mehr Zeit nehmen für die Mode, weniger Wegwerfware kaufen. Deshalb liefere ich von jetzt an meine Kollektion dann aus, wenn wir sie brauchen. Im März die Sommerkollektion, im September kommt der Winter. Das schnelle Spiel spiele ich nicht mehr mit.“ Wahnsinnig? Vielleicht. Revolutionär? Definitiv!

Follow us