Interview

Franziska Knuppe: "Ich respektiere Blogger und Instagrammer, die für ihren Erfolg hart arbeiten"

Von Corinna Bednorz
20.09.2019 / 10:46 Uhr

Model, Schauspielerin, Moderatorin und Mama - Franziska Knuppe führt das Leben einer Powerfrau. Mit 22 Jahren wird sie von Designer Wolfgang Joop entdeckt und startet in der hart umkämpften Modelwelt. Sie erlebt den Wandel der Branche selbst mit und kann auf zahlreiche Erfahrung zurückgreifen. Bis heute zählt sie zu den bekanntesten deutschen Models und arbeitet mit Brands wie Louis Vuitton, BMW, Dior oder Schwarzkopf. Fotografen wie Karl Lagerfeld, Peter Lindbergh und Arthur Elgorth lichteten das Model regelmäßig ab.

Wir treffen das Allround-Talent auf einem Event von Nespresso und Vélosophy in Hamburg zum Interview und sprechen über ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit, inwiefern Social Media wichtig für ihren Beruf ist und warum Franziska sich ungern als Influencerin bezeichnen lässt.

Franziska und ihr Moderationskollege Thore Schölermann sprechen über Social Media und Umweltschutz.   Copyright: 2019 Franziska Krug

styleranking: Du bist schon seit vielen Jahren mehr als ausschließlich ein Foto- und Laufsteg-Model. Wie hast du dich zur Allround-Persönlichkeit entwickelt?

Franziska Knuppe: Vor 22 Jahren begann meine Karriere und seitdem habe ich mich kontinuierlich weiterentwickelt. Ich habe geschauspielert, moderiert oder agiere als Markenbotschafterin für große Brands. Ich achte darauf, mit Marken zu kooperieren, hinter denen ich zu hundert Prozent stehe. Daraus ergibt sich oft eine langfristige Zusammenarbeit. Heutzutage bin ich mehr als das Gesicht für eine Marke, denn ich repräsentiert sie. Ich freue mich mitzudenken sowie eigenen Input beizusteuern.

styleranking: Wenn du bei Instagram deine Bilder teilst - woran erkennst du, dass eine Kooperation erfolgreich war?

Franziska Knuppe: Ich sehe mich nicht als Influencer und habe auch weniger als 200 Tausend Follower [aktuell sind es rd. 61.000, Anm. d. Red.]. Mir folgen Menschen, weil sie sich für meinen Beruf und den Modelalltag interessieren. Hauptberuflich arbeite ich in Werbeproduktionen, die noch klassisch im TV laufen oder in Medienprints gedruckt werden. Kunden, die mich anfragen, wollen mich auch in diesen Formaten sehen. Teilweise werbe ich für Marken auf meinen Social Media Profilen. Ich erhalte Rückmeldungen von den Firmen bezüglich der Verkäufe und darum geht es im Endeffekt: Wie erfolgreich ist das Produkt?

styleranking: Verfolgst du eine Strategie auf Instagram?

Franziska Knuppe: Wenn ich mich mit einem klassischen Influencer vergleiche, der überall den gleichen Filter nutzt, die gleichen Posen zeigt oder darauf achtet, wie welches Bild auszusehen hat, dann verfolge ich keine Strategie. Ich poste meinen beruflichen Alltag. Hin und wieder zeige ich ein Selfie, auf dem man erkennt, wo ich mich gerade befinde. Meinen Kanal bespiele ich selbst und verzichte weitgehend auf Hilfe oder Beratung. Seit Anfang des Jahres bin ich Testimonial von Avène und repräsentiere die Beauty-Brand auf Instagram. Ich poste keine gestellten Fotos, sondern veröffentliche lieber ein schönes Selfie im Urlaub und sage: “Ich schmiere mich gerade mit dem Sonnenprodukt ein.” Das passt zu mir und zu den Produkten.

"Wenn ich zusätzlich Instagram wie ein Influencer bedienen müsste, dann würde ich nicht mehr schlafen."

styleranking: Also lebst du Authentizität auf Instagram?

Franziska Knuppe: Ich versuche es zumindest. Natürlich verwende ich ab und zu Filter. Auf der anderen Seite zeige ich mich gern ungeschminkt, wie ich im Urlaub bei meinem Lieblingsitaliener um die Ecke Pizza kaufe. Ich versuche die Waage zu finden. Instagram nutze ich, um Fans und Kunden Bilder zu präsentieren. Aber das ist nicht mein Hauptberuf. Ich poste Bilder zeitnah zu den Momenten, in denen sie entstanden sind und produziere nicht vor.

styleranking: Achtest du dennoch auf Engagement und Likes?

Franziska Knuppe: Mir fehlt die Erkenntnis darüber, was diesbezüglich wichtig ist und was nicht. Andere planen akkurat vor: “Ich muss um diese Uhrzeit dieses bestimmte Bild bringen, um die und die Likes zu bekommen." Ich organisiere mich, wie ich mich gerade fühle. Es gibt auch mal mehrere Tage, an denen mir die Lust zum Posten fehlt, dann lade ich nichts hoch. Bei vielen Jobs bekomme ich auch Posting-Verbot, weil die Kampagne erst ein halbes Jahr später veröffentlicht wird. In meinen Insights sehe ich in diesen Zeiten, dass das Engagement runtergeht und merke, wie der Algorithmus sich negativ auswirkt.

Franziska testet auf dem Event das neue Fahrrad von Vélosophy x Nespresso aus.   Copyright: 2019 Franziska Krug

styleranking: Instagram überlegt, die Likes abzuschaffen. Wie findest du das?

Franziska Knuppe: Das Ringen um viele Likes beweist sich mittlerweile als riesiges Geschäft und wenn man diese abschafft, verschwindet die Spannung auf der Plattform. Ich glaube, es tut sich dann etwas anders auf. Ich verwende wenig Zeit über sowas nachzudenken, ansonsten würden mir wohl mehr Menschen folgen. Ich respektiere Blogger und Instagrammer, die für ihren Erfolg hart arbeiten. Ich finde, das zählt wirklich als Arbeit. Ich kann das nicht leisten, weil mein Beruf und meine Familie viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich arbeite 12 bis 14 Stunden täglich. Wenn ich zusätzlich Instagram in dem Rahmen bedienen müsste, wie ein Influencer das macht, dann würde ich nicht mehr schlafen. Ich hänge zurzeit schon viel zu viel am Handy. Instagram ist wichtig, aber man sollte versuchen, die Waage zu finden.

styleranking: Wie wichtig sind Followerzahlen auf Instagram für deine Modeljobs?

Franziska Knuppe: Ich geh seit zehn Jahren zu keinen Castings mehr, sondern werde für die Person gebucht, die ich bin. Direktoren fragen nicht großartig danach. Bei der Presse habe ich ein Standing - wenn ich auf ein Event gehe, erwarten die Leute, dass ich nächste Woche in der Bunten oder der Gala abgelichtet bin. Ich erscheine eher in der klassischen Presse und die gehört nach wie vor zu den größten Medien in Deutschland.

styleranking: Was rätst du als Moderatorin deinen Newcomer-Models für Austria's Next Topmodel?

Franziska Knuppe: Einerseits müssen sie im Social Media Bereich agieren, anderseits sollen sie abwägen, was sie auf Social Media transportieren wollen. Möchten sie es beruflich oder privat nutzen? Je mehr du preisgibst, desto angreifbarer wirst du. Als Model muss ich kein Star sein, um erfolgreich zu werden. Ich finde, ich kann ohne den Druck der Presse besser arbeiten. Zudem rate ich vor allem den jungen Mädchen, sich manchmal auch zurückzuhalten. Vieles kann schnell nach hinten losgehen und gegen einen verwendet werden. Das Internet verzeiht nie.

Redakteurin Corinna trifft Franziska auf dem Nespresso Event zum Interview.   Copyright: 2019 Franziska Krug

styleranking: Findest du, dass Nachhaltigkeit auf den Social Media-Kanälen zu kurz kommt?

Franziska Knuppe: Ich folge vielen, die gerade das Thema Nachhaltigkeit ansprechen. An meiner Tochter beobachte ich eine interessante Entwicklung. Es gibt Jugendliche, die das Thema gleichgültig finden, aber viele andere haben ein offenes Ohr dafür. Unsere Generation zwingt sich umweltbewusster zu leben, während die jüngeren es ausleben ohne darüber nachzudenken. Die Jugend bekommt das durch die sozialen Medien und Youtube-Channels vorgelebt. Meine 12-jährige Tochter erzieht uns zurück, indem sie uns darauf hinweist, wenn wir Müll falsch trennen. Sie hat diese Aufmerksamkeit durch uns gelernt und es wichtig, dieses Bewusstsein zu vermitteln. Ich glaube, dass wir in Deutschland von einem wirklich gutem Recycling-System profitieren - selbst in Europa sehe ich uns als Vorreiter. Wir meckern alle viel zu viel, obwohl wir stolz auf unsere Leistungen in Sachen Nachhaltigkeit sein können. Ich liebe es nach wie vor, meine gelben Säcke zu benutzen, obwohl sie so dünn sind und jedes mal zerreißen. Außerdem trennen wir daheim zwischen blauer Tonne, gelben Sack, Restmüll und Biotonne.

styleranking: Wie stehst du zu Familienbloggern und Menschen, die ihr Familienleben im Netz präsentieren?

Franziska Knuppe: Als Person des öffentlichen Lebens bin ich angreifbar und habe Neider. Ich muss mein Kind beschützen. Natürlich spreche ich gern über meine Tochter, poste aber keine Bilder, auf denen man sie erkennt. Wenn jemand von Grund auf sagt, ich veröffentliche ein Elternblog, zeige mein Kind und spreche über Elternthemen, möchte ich nicht reinreden.

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