MBFWB Winter 2016

Gold, Spitze, Tuschmalerei: Irene Luft entführt mit couturiger Kollektion nach Fernost

Von Katrin Völkner
27.01.2016 / 10:51 Uhr

Wenn man die Kreationen von Irene Luft mit einem Wort benennen müsste, lautete dieses: Avantgarde. Die Mode der Wahl-Münchenerin ist auffällig, konzeptionell und mit gerade so viel Couture-Charakter gesegnet, dass sie Models auf dem Laufsteg zu überirdischen Wesen erhebt, aber an Normalsterblichen nicht übertrieben wirkt. Dank anspruchsvoller Schnittkunst bis ins Detail und einer Leichtigkeit, von der sich so mancher deutscher Designer eine Scheibe abschneiden könnte.

Doch diese Eigenschaften allein reichen nicht, um die Mode von Irene Luft zu beschreiben. Saison für Saison steht eine neue Kollektion mit einem eigenen Thema jeweils ganz für sich. Einmal mehr wird das bei der Präsentation des Designer-Labels am Freitag, dem letzten Tag der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin deutlich. Der rote Faden führt diesmal nach Asien. Die ersten Models, die über den Laufsteg schreiten, erinnern mich unwillkürlich an Geishas. Dazu tragen nicht nur die Hairstyles von L'Oréal Professionnel bei, die streng hochgekämmte, auf dem Kopf gerollte Haarkunstwerke hervorbringen, sondern auch die blass geschminkten Gesichter mit Balken über den Augen. Vor allem aber sind es die Farben, Schnitte, Materialien und Details der Herbst/Winter-Kreationen von Irene Luft, die Assoziationen mit Ländern wie Japan und dem traditionellen China hervorrufen.

Die asiatisch inspirierte Präsentation von Irene Luft überzeugt auf ganzer Linie.   Copyright: © Catwalkpictures.com

Bereits der erste Style ist ein Hingucker: Ein netzartiges, schulterfreies Kleid in Rot, tailliert und zu den Knien hin weit auslaufend. Was dann folgt, sind knallenge Röhren zum flauschigen Mantel, zur Kimonojacke oder scharf geschnittenen Blazer. Kleider wie über den Körper gegossen, das Bustier komplett aus Spitze und der Rock schwingend in A-Linien-Form, später ein bodenlanger Traum aus nudefarbener Spitze. Hosen und Kleider erwecken den Eindruck, als wären sie mit Blattgold beklebt, über silberfarbenen Taft ranken sich Blätter wie bei einer chinesischen Tuschmalerei, der Tüllrock eines Kleides erweckt selbst den Eindruck, als wäre er dahin getuscht.

Kleider, feminin, avantgardistisch und wie hingetuscht: Irene Lufts Herbst/Winter-Kollektion.   Copyright: © Catwalkpictures.com

Einige wenige Kollektionsstücke, die aber völlig ausreichen, um Eindruck zu machen und mich am letzten Tag des Modespektakels in einer anderen Welt zu hinterlassen. In einer Welt, die echtes Design zu neuem Leben erweckt, die Konzeptkunst und Ethno miteinander verbindet, ohne dabei an femininer Eleganz einzubüßen. Wie die Fashion-Show von Irene Luft sollte eigentlich jede Präsentation auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin sein! Sie wirkt wie ein zweiter Auftakt zu den Berliner Schauen – wenn nicht schon Freitagmittag wäre und das Fashion-Zelt wieder dem grauen Asphalt Platz machen würde, ein Stück Straße zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule.

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