Kindermode-Kolumne

Goldene Sommersandalen: Warum der Metallic-Trend in finanziell unsicheren Zeiten zurückkehrt

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
08.07.2016 / 16:30 Uhr

Auch in Zeiten von Brexit, Unsicherheit auf den Finanzmärkten, Sparpolitik in der Eurozone und weltweiten Krisen darf es manchmal ein bisschen Blingbling sein: Vor allem in der Kinderschuhmode glänzt und schimmert es in diesem Sommer wie schon lange nicht mehr.

Die britische Marke Salt Water Sandal bietet ihren Kunden blassgoldene und silberne Riemchensandalen in ihrem Sortiment, bei dem dänischen Label Angulus steht eine große Auswahl golder oder kupferfarbener, glitzernder Mary-Janes, Schnürstiefel und Sandalen bereit. Bei Kickers kommen Sandalen in unterschiedlichen blauen Metallic-Tönen daher, und auch bei der aktuellen Kollektion des spanischen Labels Manuela de Juan dreht sich alles um offene Riemchen-Schuhe in allen möglichen Edelmetall-Schattierungen, manchmal zusätzlich in Schlangenleder-Optik. Bei Pom d’Api entdeckt man Gold- und Silbersandalen im antiken Gladiatoren-Stil.

Und weil der Metallic-Look auch immer etwas Aus- oder Überirdisches an sich hat, erinnern die schimmernden, glimmernden Sandalen nicht nur an griechische Götter sondern genauso an Prinzessinnen-Prunk oder Raumfahrer - perfekt für die Fantasiewelten von Kindern. Die Kleinen wird man daher nicht lange überreden müssen, sie werden begeistert sein von der glänzenden Pracht. Das Problem zeigt sich eher bei den Eltern: Der Metallic-Look gefällt im Alltag zwischen Kita und Babyschwimmen nicht jedem Erwachsenen. Gerade Leute, die viel Geld für Kindermode ausgeben, erwarten einen Stil, der eher schlicht und reduziert wirkt. Man betrachte nur das Sortiment hochwertiger Öko-Labels. Der Glitz- und Glam-Stil für Kinder leidet an einem Imageproblem und wird allzu schnell mit den Geißens oder Trumps assoziiert.

Die klassischen Modelle von Salt Water Sandals existieren schon seit den 1940ern.   Copyright: salt-watersandals.com

Ein bedauerlicher Zustand, denn die Metallic-Töne können klar und frisch wie ein Julimorgen wirken. Nicht als kompletter Look, denn damit sieht das Kind leicht aus wie ein verlorenes Kardashian-Clan-Mitglied, aber als Detail. Ein paar golden gllitzernder Sommersandalen zu einem coolen Jeans-Outfit setzen freche Akzente wie ein gleißender Sonnenstrahl.

Bei Pom d'Api gfindet ihr zeitlose Modelle, die dennoch modern sind.   Copyright: pomdapi.fr

Metallictöne tauchen seit den 60er Jahren immer wieder in der Mode auf. Designer wie Paco Rabanne und Pierre Cardin schufen damit einen futuristischen Look, der sich optisch von Robotern und Raumschiffen speiste. In den 70ern standen glitzernde, glänzende Materialien vor allem für Glamrock, Disco, wilde Nächte. Heute aber werden Gold und Silber sparsam dosiert. Statt All-Over-Glitter setzen die Metallic-Töne nur leise Leuchtzeichen. Gold ist eine der wenige Farben, die dem von Kurseinbrüchen und Bankenpleiten gebeutelten Menschen noch verlässlich
erscheinen – Edelmetalle sind die Anlageform unsicherer Zeiten. Vielleicht ist es das, was Gold und Silber zu den wahren Symbolfarben
der Eurokrise macht.

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