BERLIN FASHION WEEK SOMMER 2017

Goldkettchen-Romantik bei Irene Luft

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
01.07.2016 / 17:22 Uhr

Fotos von Cosima Scholz

Romantische Spitze trifft harten Rock – das ist das Erfolgsrezept von Irene Luft. Seit 2011 zeigt die Münchner Modedesignerin ihre Prêt-à-porter Kollektionen auf der Berlin Fashion Week, in einem Spannungsfeld aus Couture und Subkultur. Mal asiatisch inspiriert, wie in der letzten Saison, mal morbide und systemkritisch wie in der Kollektion davor. Dieses Mal jedoch braucht ihre Mischung dringend Pfeffer.

In dieser Saison arrangiert Irene Luft florale Spitze auf weiten Abendroben mit betonter Schulter, transparenten Blusen und schmalen Dinner-Pants. Die Silhouette ist gewohnt feminin, mit schmaler Taille und ausgestellten Röcken. Auch farblich bleibt Irene Luft ihrem Schema treu, Schwarz und Weiß, mal changierendes Gold geben den Ton an. Konservative Rosenball-Ästhetik, wären da nicht die goldgepiercten Headpieces.

Goldketten winden sich durch Flechtfrisuren und Zöpfe, stürzen über den Rückenausschnitt eines Tüllkleides oder stehen als goldverkrustete Spikes steil zu Berge. Ein spannender, exotischer Look. Der erhoffte Schockmoment bleibt aber aus. Im Gegenteil, fast scheint es, Irene Luft habe etwas von ihrem modischen Wagemut eingebüßt. 2013 zeigte sie goldene Roben die nahtlos in spitzenverzierte Gasmasken, PVC-Kleider und ultraknappe Couture-Pieces aus weißen Blüten. Eine radikale, stellenweise fast groteske Show, die aber noch heute im Gedächtnis ist.

Transparenz und Tüll stechen bei Irene Luft hervor, doch auf ein schockierendes Highlight warten wir vergeblich.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Ein Hauch dieser einstigen Innovationen zeigt sich dieses Mal, als Irene Luft Tutu-Kleider aus Lasercut-Tüll konstruiert. Hauchdünne geometrische Formen steigen an einem ausgestellten Rock empor, der nächste Look wirkt wie das passende Negativ. Hier erzeugt die Designerin durch geschickte Cuttings Struktur und Plastizität. Das sind Ideen, die weit besser ankommen als Goldkettchen im Haar.

Irene Luft hat ihr Rezept gefunden und fährt damit im Grunde auch sehr erfolgreich. Eine Prise herbe Hardware auf zarter Spitze funktioniert noch immer. Doch auch das Abschmecken mit fernöstlichen oder punkrockigen Zutaten kann nicht verhindern, dass dem Gericht irgendwann die Würze fehlt.

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