MBFWB Winter 2015

Hiphop-Party in der Unterwelt mit Sadak

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
19.01.2015 / 13:46 Uhr

Eines kann man getrost über Sasa Kovacevic sagen: Der junge, serbischstämmige Designer zieht sein Ding voll durch: Mit aktuellen Trends oder saisonalen Moden hält sich Kovacevic nicht lange auf. In seiner aktuellen Herbst/Winterkollektion vermengt er Einflüsse der traditionellen Balkan-Bekleidung, Chintz – also indische Stoffdrucke aus dem 18. Jahrhundert – Sportswear und Hiphop. Das Ergebnis ist so wild und unerwartet gemischt wie das Straßenbild in einem Einwandererviertel.

Sasa Kovacevic hat Modedesign an der Kunsthochschule Weißensee studiert und sein Label Sadak im Jahr 2006 in Berlin gegründet. Die Linien seiner neue Herrenmode-Kollektion hat er in wagemutigen, ausdrucksstarken Pinselstrichen gemalt: In den voluminösen, weiten Schnitten seiner Sweatshirts, Mäntel und Hosen fließen rotzige New Yorker Street Culture und orientalische Anklänge zusammen. Das Ergebnis sieht ein bisschen so aus wie eine Hiphop-Party in der Unterwelt – die Kollektion ist ganz in den Farben Schwarz, Rot und Orange gehalten; sie umfasst oberschenkellange Kimonos, schmale Chinos, Kapuzenpullis, lange, halb transparente Gewänder, die an arabische Galabiyas erinnern, geraffte Blousons, Jodhpur-Hosen mit niedrigem Schritt und klassische Sweatshirts.

Die Models marschierten zu hämmernden, schleifenden Hiphoprhythmen herein, mit ernsten Gesichtern, fluffigen Bärten und langen Haaren, die in Wasserwellen gepresst sind. Für seinen extravaganten Multikulti-Stilmix verwendet Sasa Kovacevic feste, griffige Materialien, die er mit zarten, luftigen Stoffen kombiniert: Popeline mit Garbadine, Jersey mit transparenter Seide. Die filigranen Drucke, die wie eine Synthese aus fernöstlicher Malerei wirken, Kriegsbemalung und Tribal-Tattoos gaben der toughen, asphaltgrauen Ästhetik von Sadak eine fast martialische Note.

Sadak's Kollektion gleicht einem stimmigen Zusammenspiel von Kulturen   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Alles in allem gelingt dem jungen Modemacher sein Spiel mit den unterschiedlichen Einflüssen – keine Spur vom Kampf der Kulturen: Die Elemente aus Folklore, Sport und Ghetto funktionieren ganz famos. Sicher gibt es auch Entwürfe, in denen sich Kovacevic übel verzettelt hat: Ein langer orangeroter Mantel mit überbetonter Schulterpartie erinnert eher an Live-Rollenspiel als an die rohe Coolness der Bronx. Alles in allem aber eine stimmige, temperamentvolle Kollektion, deren eigenwillige Formensprache vielleicht noch etwas verfeinert werden muss, aber durchaus Lust auf mehr macht.

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