Kindermode

In the Navy: Das Comeback der Matrosenanzüge für Kinder

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
15.05.2016 / 12:00 Uhr

In Zeiten, in denen Kinder noch brav und folgsam waren, kam er das erste Mal groß in Mode: Der Matrosenanzug. 1846 wurde er von dem damals vierjährigen Albert Edward, Prince of Wales und späterem König von England, getragen. Und nicht erst seit Prince George und Princess Charlotte wissen wir: In was auch immer sich die Kids am britischen Hof zeigen - am nächsten Tag wollen Eltern in aller Welt ihren Nachwuchs genau diese Teile anziehen.

Populär wurde der Matrosenanzug zunächst in Adelskreisen, dann sickerte der Trend ins Bürgertum ein. In Deutschland machten Matrosenanzüge und Matrosenkleider für Mädchen seit dem 19. Jahrhundert Furore. Die blau-weißen Ein- oder Zweiteiler standen nicht nur für einen knackfrischen, sauberen Stil, sondern symbolisierten auch militärische Disziplin - orientierte sich der Look doch an den Uniformen der Kaiserlichen Marine.

Maritimes Flair macht sich in der Babymode breit.   Copyright: Matva/Shutterstock

Heute spielen die preußischen Tugenden in der Erziehung nur noch eine untergeordnete Rolle, derzeit feiert die Kinder-Therapeutin Matina Leibovici-Mühlberger mit einem Buch über Tyrannenkinder Erfolge – es geht darum, dass viele Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder kläglich versagen und damit eine Generation verhaltensgestörter Egomanen heranziehen. Trotzdem sind maritime Looks wieder beliebt wie zu Kaisers Zeiten.

Bei den französischen Edelmarken Petit Bateau und Un Weekend à la Mer gehört der nautische Stil ohnehin zum festen Programm. In der aktuellen Kollektion sind besonders viele klassische Matrosenkleider und -Anzüge dabei, hinzu kommen Spieler mit Matrosenkragen und geringelte Strampler. Maritime Elemente wie blau- oder rot-weiße Querstreifen und Anker- oder Fischmotive kommen in diesem Sommer in allen Preisklassen vor; bei H&M ebenso wie bei Sigikid, Steiff, Il Gufo, Sarabanda und Tommy Hilfiger.

Querstreifen geben auch bei den Kleinsten den Ton an.   Copyright: Alena Ozerova/Shutterstock

Es gibt sogar Hersteller, die sich ganz dem Stil der Seefahrer verschrieben haben. Das Bremer Label Meerstil liefert hübsche T-Shirts, Bodys mit Muschel- oder Kompass-Applikationen und Jerseykleider im Matrosen-Look. Die Hamburger Marke Hansekind bietet ein großes Spektrum von Accessoires und Möbeln im maritimen Design. Das österreichische Label Der fesche Ferdl hat sich vollständig auf klassische Matrosenanzüge und –Kleider spezialisiert - sehr gradlinige Stücke, die wunderbar duftig und frisch daherkommen.

Doch auch, wenn der Matrosen-Look längst bei den Discountern angekommen ist - maritime Kindermode hat nach wie vor etwas vom Stil der vornehmen Gesellschaft an sich, von bon Gout und formeller Sittenstrenge. Deswegen taucht der Matrosenanzug überall dort auf, wo nach wie vor auf Werte wie Ordnung und Tradition ankommt: als Schuluniform in Japan oder als Festanzug für Jungen bei der Erstkommunion in Spanien, als Konzertkleidung der Wiener Sängerknaben. Kein Wunder also, dass nautische Designs gerade jetzt groß zurückkommen, sie passen perfekt zum Aufstieg der neuen Bürgerlichkeit. Die richtige Kindermode zählt nämlich zu den wichtigsten Statussymbolen der städtischen Mittelschicht. Da kann der kleine Ludwig-Wilhelm noch so laut an der Kasse des Biomarktes brüllen und seine Schuhe werfen – er ist dabei zumindest gekleidet wie ein preußischer Thronfolger.

Alle verwendeten Bilder sind aus der Bilderdatenbank von shutterstock.com.

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