MBFWB Sommer 2016

Irene Luft: Über modische Leere

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
09.07.2015 / 09:30 Uhr

Von Moritz Lindert (Text) und Cosima Scholz (Fotos)

Wenn Irene Luft ins Fashion Zelt am Brandenburger Tor lädt, gibt es nicht selten schwere Kost. Die Münchner Modedesignerin ist die Meisterin der extremen Gegensätze. Sie kombiniert die Gasmaske zur Spitzenrobe und das Stoffskelett zum Cocktailkleid. Auch in dieser Saison beweist Irene Luft erneut ihren Wagemut und zeigt mit ihrer Kollektion „Hollow", wie überraschend facettenreich die Leere sein kann.

Eine gespenstische Atmosphäre liegt über dem Laufsteg, als das erste Model in die Scheinwerfer tritt. Die blasse Frau trägt gittergrau gemusterte Kontaktlinsen, hinter denen nur eine bedrohliche Leere zu erahnen ist. Die Haare zu kunstvollen, skeletthaften Flechtfrisuren geformt, schreitet sie voran. Die Mode legt sich wie statische Hüllen um diesen Körper, Schicht für Schicht, Material um Material. Glitzernder Lametta-Strick trifft auf metallisch glänzenden Tüll, glattes Leder auf unruhige Paillettenstickerei. Da finden sie sich wieder, die Gegensätze, die Irene Lufts Mode so viel Tiefe verleihen.

Irene Luft lässt im kommenden Sommer tief blicken.   Copyright: Cosima Scholz/styleranking

Die Kollektion ist von femininen Silhouetten dominiert, ausgestellte Röcke und Kleider in sanften Cremetönen werden durch eine betonte Taille ergänzt. Doch Irene Luft verharrt nicht bei diesem zarten Bild, sondern schnürt die damenhaften Kleidchen in derbe Ledergurte und Harnische ein. Potenzielle Red Carpet Looks bekommen einen düsteren Twist und werfen unvermeidbar die Frage nach dem Darunter auf.

Irene Luft spielt mit dieser Verhüllung und Enthüllung: Meshstoffe lassen den Blick auf die glänzenden Lederschnüre darunter zu. Florale Strukturen heben sich in 3D-Technik vom Saum eines Rockes ab. Und durch das feine Muster einer Lochspitze blitzt die nackte Haut. Die Mode wird zum Gebilde, das sich aus der zweidimensionalen Fläche enthebt. Eine Hülle, in deren Innern – so legt es der Titel der Kollektion nahe – vielleicht doch wieder nur die Leere lauert?

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