MBFWB Winter 2016

Isabell de Hillerin: Nichts ist wie es scheint

Von Moritz Lindert
20.01.2016 / 00:00 Uhr

Es ist dieses bedrohliche Knistern eines Krimifilms, das in der Luft liegt, als Isabell de Hillerin ihre ersten Looks für Herbst/Winter 2016 über den Laufsteg schickt. Diven im eleganten Kostüm, Gangsterbosse im sharpen Hosenanzug und die Femme fatale im rückenfreien Abendkleid. Erst im Detail offenbart sich, dass diese Mode mehr ist als ein düsterer Streifen, dass nichts ist wie es scheint. Was ist wahr und was ist falsch? Wer ist hier eigentlich der Bösewicht? Eine Liebe auf den zweiten Blick.

Isabell de Hillerin ist in der Berliner Modeszene bereits bekannt für ihre modische Präzision und ihre Liebe zum Detail. Dafür wird sie Saison für Saison von der Fachpresse gelobt, dafür zählt sie auf der Mercedes-Benz Fashion Week zu meinen ganz persönlichen Favoriten. In diesem Winter lässt de Hillerin spürbare Referenzen an die Mode und Silhouetten der 30er und 40er Jahre in ihre Entwürfe einfließen, ohne diese aber zu kopieren. Bei ihr werden Bleistiftröcke, taillierte Mäntel und Bundfaltenhosen zum Instrument ihrer ganz eigenen Stilistik. In gewohnt rauchigem Blau, Grau und Violett zeigt sie knielange Kostüme mit ledernem Taillengürtel, volumige Hosenröcke und bodenlange Kleider mit raffiniertem Rückenausschnitt.

Nichts ist wie es scheint auf den Laufsteg von Isabell de Hillerin.   Copyright: Stefan Kraul für Isabell de Hillerin

Erst der zweite Blick verrät: Hier passiert noch mehr. Geschickt platzierte, vertikale Kellerfalten eines Kleides erwecken den Eindruck eines Overalls, was scheint wie ein Hosenanzug mit Weste, stellt sich als Highwaistpants mit angehefteter Stola heraus. Und wer genau hinsieht, erkennt in dem tiefen Rücken eines Abendkleides die Schnittführung einer Jacke - verkehrt herum getragen.

Volumiger Rock zur Seidenbluse und großkrempigem Hut - ein Look wie von der Leinwand.   Copyright: Stefan Kraul für Isabell de Hillerin

Isabell de Hillerin spielt geschickt mit den Erwartungen und Wahrnehmungen ihres Publikums wie eine Regisseurin. Manchmal fast ironisch, aber immer mit Präzision und konzept, entwickelt sie klassische Kleidungsstücke neu. Inspiriert von der Ära des Film noir, seinem düster-morbiden Charme und seiner offenbarender Kameraführung nutzt auch die junge Designerin den Überraschungsmoment für sich. Nichts ist wie es scheint, Volumen und Faltungen führen uns in die Irre. De Hillerin zommt rein und raus, und schafft damit, was eine gute Kollektion zu einer herausragenden macht: Eine Dramaturgie der Mode.

Follow us