Designer Interview

Ivan "Ivanman" Mandžukić und seine Designer-Clique mit Kerner, Hoermanseder & Barre Noire

28.08.2015 / 20:06 Uhr

Das Atelier eines Modedesigners. Bei diesen Worten durchfährt meinen Körper ein aufgeregtes Kribbeln. Denn die heiligen Hallen eines Designers sind stets ein Ort voll kreativer Energie, lehrreichen Büchern, frisch geborenen Kleidungskreationen, geistreichen Köpfen und Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen und leben wie ich: Mode.

Als wir in einem Industriegebiet in Berlin ankommen, eine alte Fabrik betreten und hinauf in das Dachgeschoss fahren, kribbelt es mir in den Fingern. Der Besuch bei Modedesigner Ivan Mandžukić ist eines der großen Highlights der Berlin Fashion Week im Juli 2015. Der serbische Designer spezialisiert sich mit seinem Label Ivanman auf Herrenmode der ganz besonderen Art: Raffinierte Schnitte, mutige Farben, pfiffige Raffungen, edle Materialien und architektonische Klassik verstecken sich in jeder einzelnen Faser, Stoffnaht und Schnittführung seiner Kleidungsstücke. Im Interview lerne ich einen ruhigen, fast schon schüchternen Mann kennen, der genau weiß, was er will. Der sich nicht im geringsten auch nur ansatzweise anschickt, Mode zu entwerfen oder Farben zu benutzen, die man von ihm erwartet - vor allem nicht er selbst Und angesichts der Runwayshow seiner neuen Kollektion für Frühjahr/Sommer 2016 nicht einmal mit der Wimper zuckt.

styleranking: In wenigen Stunden startet die Schau deiner neuen Kollektion. Du wirkst allerdings total entspannt.

Ivan Mandžukić: Bei mir gibt es immer einen bestimmten Punkt, ab dem ich weiß: Du kannst jetzt nichts mehr ändern. Dann ist für mich alles fertig. Zudem bin ich auch recht gut organisiert, fange früh genug an und bin auch kein Nachtarbeiter.

styleranking: Du zeigst auf der Mercedes-Benz Fashion Week deine neue Herrenmode für Frühjahr/Sommer 2016. Welcher Grundgedanke steht hinter dieser Kollektion?

Ivan: Es gibt stets ein Leitthema, das mich beeinflusst. Bei dieser Kollektion war es der Film Barton Fink aus den 90ern. Er handelt von einem Schriftsteller, der nach Hollywood geht, durchdreht und sich in seinem Schreiben und der Realität verliert. Zudem gefällt mir auch die Architektur von Le Corbusier. Mir gefällt die Mischung von Klassik und Sportswear, mit der ich eine Modernität der klassischen Aspekte erreichen kann.

styleranking: Baust du deine Kollektionen aufeinander auf oder startest du in jeder Saison bei null?

Ivan: Ich beginne meist von Neuem. Dabei versuche ich immer etwas Neues zu kreieren und experimentiere oft mit den Proportionen. Dennoch setze ich Elemente in meinen Kollektionen ein, die sich immer wiederholen wie Druckknöpfe auf meinen Hemden.Obwohl sich auch der Farbfokus immer mehr zu einem Wiedererkennungsmerkmal entwickelt.

styleranking: Ivanman kennt wir für farbenfrohe Kollektionen. Wie schwierig ist der Umgang mit Farben?

Ivan: Farben beschäftigen mich sehr. Am Anfang des kreativen Prozesses drehe ich allerdings des Öfteren durch. (lacht) Farben abzulehnen, nur weil sie mir nicht gefallen, halte ich für sehr beschränkt. Deshalb greife ich selbst ungeliebte Farben immer wieder in meiner Mode auf. Pink sagt mir überhaupt nicht zu, dennoch spiele ich oft mit der Farbe in meinen Kollektionen, weil sie auffällige Akzente setzt. Aber genau da liegt bei für meine Kleidung die Herausforderung: Zwei Farben miteinander zu kombinieren, die auf den ersten Blick nicht harmonieren, aber im Gesamtlook irgendwie dann doch zueinanderpassen.

styleranking: Woher rührt dieser Fokus auf Farben?

Ivan: Während meines Studiums gab es einen Dozenten, der irgendwann zur mir und einem Kommilitonen sagte: "Du und du, ihr macht besser nur Schwarz!" Gerade das bewegte mich dazu Farbe auszuprobieren.

styleranking: Dein Label Ivanman spezialisiert sich auf Männermode - ein als sehr schwierig verschrienes Metier. Stimmt dieses Bild, dass Menswear im Vergleich zu Damenmode sehr viel anstrengender ist?

Ivan: Wenn ich erst anfangen würde, mir darüber Gedanken zu machen, würde ich vermutlich direkt mit Männermode aufhören. (lacht) Männermode ist in Deutschland immer ein schwieriges Thema. Ich finde dieses Metier allerdings sehr spannend, obwohl es sehr einschränkt. Man hat als Designer auf jeden Fall eine große Aufgabe, wenn man Männermode designt.

styleranking: Musstest du dich erst selbst davon überzeugen Männermode zu designen oder stand dieser Entschluss von Anfang an für dich fest?

Ivan: Während meines Studiums musste ich Damenmode designen. Im zweiten Jahr stelle ich fest, dass Menswear eher meine Stärke ist. Einige raten mir beides zu machen, weil es sich finanziell mehr lohnt. Vielleicht wage ich diesen Schritt zu einem späteren Zeitpunkt, aber derzeit bin ich noch zu sehr auf meine Männermode konzentriert.

styleranking: Wie bist du zum Designen gekommen?

Ivan: Vor zehn Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich einmal Modedesigner werde. Ich komme aus einer Familie, die mit Mode nichts zu tun hat. Als Kind war ich ein richtiger Hacker. Später studierte ich Architektur in Aachen und in dieser Zeit entwickelte sich bei mir ein Sinn für Ästhetik. Gleichzeitig entdeckte ich meine Vorliebe für Theater und Kostümbild und absolvierte ein Praktikum an einer Staatsoper. Danach entschloss ich mich dazu in der Mode zu bleiben.

styleranking: Würdest du dich als modischen Mann bezeichnen?

Ivan: Eher nicht. Ich bin eher ein ruhiger Designer und nicht so laut wie manch anderer, die sich sehr verkaufen.

styleranking: Ist das nicht hinderlich in deinem Job? Schließlich musst du als Designer auch ein Geschäftsmann sein und vor allem Aufmerksamkeit für dein Label erregen.

Ivan: Meine Stärke ist mein naiver Optimismus. In Verbindung mit meinem Fleiß überzeuge ich die Menschen auch ohne laute Persönlichkeit.

styleranking: Reicht dir dein derzeitiger Erfolg oder möchtest du expandieren?

Ivan: Natürlich möchte ich Erfolg haben und viel verkaufen. Allerdings ist das in Deutschland für mich sehr schwierig. Mein Wunsch ist auf jeden Fall, dass es weiter nach oben geht. Vielleicht nicht unbedingt mit meinem Label, aber vielleicht bei einem anderen Label als Chefdesigner.

styleranking: Du kommst aus Serbien. Spürt man in deinen Kreationen deinen kulturellen Ursprung?

Ivan: In meiner Heimat habe ich mich auch als Kind nie verstanden gefühlt. Vielleicht hat der Krieg meine uniformelle Sprache beeinflusst, aber ansonsten denke ich eher nicht. Obwohl ich den Krieg selbst miterlebt habe, wie durch die Bombardierung der Amerikaner.

styleranking: Beeinflusst dich diese Erfahrung als Designer?

Ivan: Designtechnisch nicht. Vielleicht kommt mein Sinn für Zusammenhalt daher: Vor Kurzem saßen Kilian Kerner, Marina Hoermanseder, Timm Süßbrich von Barre Noire und ich gemeinsam beim Abendessen. Obwohl man denken würde, dass wir alle von unserer Designsprache überhaupt nicht zusammenpassen, bin ich trotzdem dafür, dass man zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt.

Chefredakteur Daniel trifft Designer Ivan Mandžukic vor seiner Show zum Interview.

styleranking: Können wir uns das dann als große Designer-Clique vorstellen von namenhaften Berliner Designern?

Ivan: Auf jeden Fall! Mit Timm von Barre Noire pflege ich eine richtige Freundschaft. Er ist sehr ehrlich und hilfsbereit. Obwohl auch oft nur so getan wird, als ob. Die Berliner Szene wertet sich selbst ständig ab: Scheiße, nicht Paris oder London. Dabei schauen die Kreativen aus anderen Ländern wie beispielsweise Kroatien zu uns auf. Aber nur wir zusammen können etwas erreichen und Berlin auf ein Level wie Paris heben.

styleranking: Wie stark beeinflussen dich Trends?

Ivan: Mit aktuellen Trends beschäftige ich mich nicht so sehr. Ich schaue mir die Farbentwicklungen zwar an, setze sie aber auf meine Weise um. Ich habe immer ein Keyelement in der Kollektion und achte von Anfang an darauf, dass es sich mit kommerziellen Sachen gut kombinieren lässt. Deshalb setze ich auch auf einen ausgewogenen Mix aus klassischer Mode und Sportswear.

styleranking: Das Spiel mit den Geschlechtergrenzen rückt immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Frauen tragen immer wieder Männerkleidung auf und Themen wie Transsexualität beschäftigen die Gesellschaft und Medien. Glaubst du, dass es irgendwann auch in der Herrenmode so sein könnte, dass Männer Elemente der Frauenmode tragen oder aufgreifen?

Ivan: Bei unserem Modelcasting für die Schau fanden sich extrem viele Männer mit sehr femininer Ader wieder. Nicht Frau, aber irgendwie Halbfrau. Bei Frauen ergibt es schon eher einen coolen Look, wenn männliche Elemente aufgegriffen werden. Aber bei Männern finde ich zu weiblich noch sehr schwierig. Auch wenn ich mich von Frauenmode inspirieren lasse, sollte man es nur mit einzelnen Akzenten umsetzen.

styleranking: In der Mode herrscht derzeit der Freigeist - alles ist erlaubt. Wie beurteilst du die Entwicklung der Branche?

Ivan: Authentizität spielt eine große Rolle und die Individualität des eigenen Looks steht auch weiterhin im Vordergrund. Tragbarkeit ist und bleibt das Wichtigste. Für mich ist der Designer deshalb auch der neue Stylist. Auch ich definiere mich eher als Stylist, der seine eigene Mode designt.

styleranking: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit der neuen Kollektion.

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