Berlin Fashion Week Winter 2017

Ivanman – Auf ins Lila-Laune-Land

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
19.01.2017 / 16:33 Uhr

Berlin. Bunte Pfeile verlaufen kreuz und quer über raues, wollweißes Material, daneben gestrichelte Linien, Zentimeterangaben. Der in Berlinansässige Designer Ivan Mandzukic hat den Fertigungs-Prozess seiner Entwürfe keck abgebildet – und damit die Trennung vom Unfertigen und dem Fertigen in Frage gestellt. Das aufgenähte Schnittmuster zieht sich durch die gesamte Kollektion, die Manzukics Label Ivanman jetzt im me Collectors Room vorgestellt hat; es ist auf Anzügen, Pullovern, Jacken und Hemden zu sehen, ein hintersinniges Motiv, das die praktische Arbeit hinter der Kollektion sichtbar macht und damit zum Design selbst umdeutet.

Ivan Mandzukic, der junge, serbischstämmige Designer, gehört längst zum Tafelsilber der Berliner Mercedes-Benz Fashion-Week. Mit seinen konzeptuellen, gradlinigen und sehr eigensinnigen Designs zählt er zu den Lieblingen der Kritiker – wo andere Männermode-Labels ihre kreativen Freiräume bedächtig ausloten, um nicht den Kontakt zum Alltag zu verlieren, steht Ivanman für einen wagemutigeren Ansatz. Auch vor verrückten Ideen scheut er nicht zurück, sondern setzt sie konsequent um. Zum Beispiel die Farbe Flieder – bislang vor allem eine Nuance für Rentnerinnen. Aber an erwachsenen Männern? Und dann noch im Winter? Ivan Mandzukic liebt es zu irritieren; um modische Stereotype schert er sich
kein Stück. Der Designer ist in Lila-Laune und hat große Teile seiner Kollektion in pastelligen Violett-Tönen gehalten.

In Mitten der dicht gedrängten Besucher-Menge schreiten die Models im grellen Licht der Scheinwerfer heran; dazu knallt der Neue-Deutsche-Welle-Gassenhauer „Ich möchte ein Eisbär sein“ aus den Boxen. Zu sehen gibt es schmale Hosen, kastenförmige Sakkos, viel Schwarz, kuschelige Pullis, zusammengenäht aus rauem Nesselstoff in Offwhite und lila Strick mit Zopfmuster – wer nun denkt, dass das unmännlich klingt, hat die sehr moderne, immer mehrdeutige Maskulinität von Ivanman nicht verstanden. Bei dem Berliner Label hat das Männlichkeit immer etwas Zartes, Zerbrechliches an sich. Jacken, die sich weit von den Schultern lösen und statuesk in den Raum ragen, übergroße, wattierte Mäntel mit riesigen Revers und Taschenklappen, körperferne Trenchcoats, die den Körper umgeben wie eine schützende Hülle – hier wirken die Entwürfe anschmiegsam, dort verfremden sie den Körper. Eine kluge und anspruchsvolle Kollektion, die lange nachwirkt.

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