MBFWB Winter 2015

Kaviar Gauche: Von weißen Bräuten und schwarzen Schwänen

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
22.01.2015 / 16:00 Uhr

Kaviar Gauche ist wieder da. Nachdem Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl vergangene Saison der Berlin Fashion Week den Rücken kehrten, um mit ihren edlen Roben Paris zu erobern, ist das gerühmte deutsche Prêt-à-porter-Label endlich wieder zurück in der Hauptstadt. "Der Glamour kehrt zurück", titelte die Fachpresse im Vorfeld der Show, ein Ruf, dem die beiden Designerinnen auf besondere Weise gerecht werden. Mit ihrer Bridal Couture zeigen sie Glamour, der leise, verspielt und sehr filigran ist.

Karussells aus übergroßen silbernen Blüten erfüllen den Lichthof des Palazzo Italia, eine Installation des Architekten Amir Abadi. Licht tanzt durch den Saal, als sich die meterhohen Kunstwerke zu drehen beginnen und Tschaikowskis Schwanensee erklingt. Zurückhaltend schweben die ersten Schwanenprinzessinnen in transparent gelayerter Seide und Spitzenapplikationen herein.

Die Silhouette der Kollektion ist schlicht und bleibt in allen Roben der Bridal Couture konstant: schmal betonte Schultern, Taille und Hüfte, mit einem tief angesetzten fließenden Rock. In Weiß, Nudetönen und Akzenten in Schwarz und Gold wird der Schnitt immer wieder neu adaptiert und durch meisterliche Liebe zum Detail veredelt.

Lieblingslook unseres Redakteurs: Die schmale Silhouette der Show wird aufgebrochen und durch feminine Blütenapplikationen ergänzt.   Copyright: Kaviar Gauche

Filigrane Blütensstrukturen verzieren Bustiers in O- und V-Formen, ranken sich an Schultern und Rückenausschnitten empor und verlieren sich auf den fließenden Falten einer zarten Seidenschleppe. Ton in Ton, aber auch kontrastreich mit schwarzer Spitze auf pfirsichfarbenem Tüll, erfährt jede Robe ihre Aufwertung. Gesäumte und kunstvoll zerschlissene Spitze, goldene Brokatmuster, dezente Federapplikationen und volumiger Tüll - Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl beherrschen den Detailreichtum der Haute Couture bis zur Perfektion, brechen ihn auf, machen ihn romantisch und subtil. Ein Umstand, der uns darüber hinweg sehen lässt, dass die beiden Designerinnen mit Kaviar Gauche Bridal Couture im Grunde jede Saison dasselbe zeigen.

Model Luisa Hartema in einem nudefarbenen Kleid mit filigranen Spitzenapplikationen.   Copyright: Kaviar Gauche

Trotzdem kann man den talentierten Modeschöpferinnen aber keine Vorhersehbarkeit unterstellen. Spannend ist in der aktuellen Kollektion vor allem ihr Umgang mit Haut und Stoff. Hauchdünne Seide und Blumenranken bedecken die Models oft nur spärlich, trotzdem wirken die Looks nicht zu sexy oder nackt, sondern unendlich feminin - ein verspieltes Verhüllen und Enthüllen.

Bitterer Wehrmutstropfen für die Berlin Fashion Week: Fischer-Roehler und Kühl zeigen ihre Entwürfe zukünftig abwechselnd in Berlin und Paris und werden im nächsten Juli erneut nicht auf den deutschen Runways zu sehen sein. Kaviar Gauche ist wieder weg. Und mit ihnen auch ein Stück Romantik und Glamour.

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