Paris Fashion Week Spring Summer 2018

L'amour de la mode: Dior und Saint Laurent zelebrieren den Auftakt der Paris Fashion Week

28.09.2017 / 11:02 Uhr

„Why have there been no great women artists?” Die Kreativdirektorin des Hauses Christian Dior Maria Grazia Chiuri eröffnet die Runwayshow des Premierentages der Paris Fashion Week mit einem ohrfeigenden Zitat der französisch-schweizerischen Malerin und Bildhauerin Niki de Saint Phalle. Als Location wählt das Designerlabel einen edelsteinfunkelnden Raum mit naturgeschwungenen Bögen. Das Modepublikum im Musée Rodin wird geradewegs in die Höhle des Feminismus entführt. Ob die Kollektion ihrer politischen Intention auch modisch gerecht wird und das Designerlabel Saint Laurent mit Gründer Yves als einstigem Dior-Lehrling dessen ehemaliges Lehr-Modehaus überbieten kann.

Zum ersten Tag der Paris Fashion Week präsentieren die beiden Designhäuser Christian Dior und Saint Laurent ihre Spring/Summer 2018 Kollektionen.   Copyright: Catwalk Pictures

Inspiriert von Nana-Figuren und abstrakten Comic-Motiven á la de Saint Phalle präsentiert Dior eine wilde, undurchsichtige Kollektion, die kaum Spuren des einst revolutionären Dior New Looks und dessen feminin-eleganten Designs enthält. Bereits die erste Kollektion, die unter Maria Grazia Chiuris Leitung entstand, signalisierte ihre Unterstützung in der modischen Feminismus-Revolution durch das Statement-Shirt: „We Should All Be Feminists“. Bis hierhin ein sinniger Gedanke, die Frauenfiguren mit provokanten Rundungen und abstrakten Figuren zum Designvorbild der Spring/Summer 2018 Kollektion zu deklarieren.

Erfüllen die Designs für sich genommen die Erwartungen an eine Feminismus-Kollektion, ergeben zig verschiedene Keylooks und Stilrichtungen einen inhomogenen Kollektionseindruck. Nach dem Eröffnungslook mit gestreiftem Statement-Shirt folgen Denim-Kreationen im Siebziger Jahre Stil. Taillierte Patchworkjeans mit ausgestelltem Bein, dazu passende Blazer und gleichfarbige Baskenmützen. Colorcode: Jeans-, Dunkelblau, Weiß. Dazu setzen kniehohe Schnürstiefel aus Netz im Mary Poppins-Look Akzente.

Auf das Jeans-Ensemble folgen androgyn geschnittene Rennfahreranzüge aus Leder in Schwarz-Weiß mit dunkelblauen und gelben Farbeyecatchern. Geometrische Muster überziehen die Formel 1-artigen Blazer und Bikerhosen. Ein Hauch des legendären New Looks integriert Chiuri durch transparente Tüllröcke, die Taille und Weiblichkeit betonen. Eine kleine Hommage - sind schließlich eine schmale Taille und schwingende Röcke kennzeichnend für den ursprünglichen Dior-Stil.

Nach einigen Keypieces über und über versehen mit Schachbrettmuster-Print erobern knappe, körperbetonte Corsagenjumpsuits den Runway. Leder, Tüll und Farbe dominieren. Zwischen mädchenhaften Punkerlooks zieren comicartige Werke Niki de Saint Phalles die Designs. Abstrakte Dinosaurier, bunte Medusa-Zeichnungen, Spinnen und Herzen ergänzen die Kollektionsstücke. Zum Gran Finale schickt das Modehaus bunte Corsagen mit kurzem Bein über und über mit edelsteinartigen Bestickungen und farblich abgestimmten, taillierten Tüllröcken über den Runway. Das Modediktat Diors verwandelt sich in einen Regenbogen des Feminismus.

Saint Laurent: Gothic Indianer treffen auf barocke Vamps.

1953 Assistent bei Dior, 1957 bereits Chef-Designer. Nicht nur die Modemetropole Paris verbindet Yves Saint Laurent mit dem Modehaus Christian Dior. Vielmehr verwurzelt eine historische Verbundenheit beide Labels miteinander. Saint Laurent revolutioniert bis 1960 mehrfach die weibliche Eleganz des New Looks, unter Anderem durch die Ligne Trapèze. Die Befreiung der Frau aus engen Korsagen und Taillenzwang. Als dem Hause Dior Saint Laurents Kreationen zu avantgardistisch werden, erschaffen sie selbst durch dessen Kündigung ihren größten Konkurrenten. Unter seinem eigenen Namen kreiert der Designer nicht weniger skandalöse Meilensteine der Mode: Schöpfer des Nude-Looks, des Mondrian-Kleids, des Schiwago-Looks, des Le Smoking für die Frau.

Anthony Vaccarello, aktueller Kreativdirektor des Hauses Saint Laurent, präsentiert auf einem Runway unmittelbar unter dem Eiffelturm eine Hommage an den Schöpfer des Modeimperiums YSL. Glamourös, düster, einzigartig: Die Kulisse des nachtblauen Abendhimmels vor dem hell glitzernden und orange glühenden Pariser Wahrzeichens nimmt die Stimmung der Kollektion auf. Die Spring/Summer 2018 Kollektionspräsentation eröffnen weite Boho-Blusen und taillierte, schwarze Ledershorts. Gedeckte Farben wie Creme, Olive, Beige und Schwarz setzen die Schnitte der Kollektionsstücke in den Fokus. Blusen zieren Volants, gesmokte Turtlenecks, barocke Rüschenkragen oder bauchnabeltiefe V-Ausschnitte. Dazu kniehohe, pompöse Boots mit federbesetztem Schaft. Gothic Indianer treffen auf barocke Vamps.

Der Eröffnungslook der Show: Ein gestochen scharfer Blazer mit Rüschenbluse und lässigen Shorts.   Copyright: Catwalk Pictures

Elegante florale Prints mit gold glänzenden Details oder bunte Bestickungen aus Perlen und Pailletten ergänzen die legeren Designs. Eine weitere Hommage an Yves Saint Laurents revolutionäre Modeschöpfungen bilden die zahlreichen Variationen der Spitzenbluse. Die cremefarbenen, transparenten Kreationen kombiniert Vaccarello zu taillierten Shorts aus schwarzem Glattleder.

Mit dem finalen Schlag seiner Kollektion überrascht der Kreativdirektor das Publikum und präsentiert Haute Couture statt Pret-a-Porter Designs. Kurze Kleider zieren dekonstruierte, überdimensionale Bauch-, Schulter- oder Armpartien. Dominante Blazerrevers, plusternde Federärmel und voluminöse Lederdrappierungen zollen dem Genie des Yves Saint Laurent Tribut. Wo das Modehaus Christian Dior den Feminismus als Parole auf ein T-Shirt drucken muss, gelingt Saint Laurent die Verkörperung der Emanzipation durch die Kollektionsdesigns selbst. Ganz im Sinne Yves Saint Laurents Lebensgefährten Pierre Bergé: „Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben, Yves Saint Laurent die Macht.“

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