Berlin Fashion Week Winter 2017

Lana Mueller: Glamazonen im Gothic-Keller

Von Gabriela Keller
19.01.2017 / 16:42 Uhr

Mit Kleidern aus luftig wehenden Volants, gegürtet mit Korsagen, die Rüstungen ähneln, marschiert eine Armee von Walküren heran; das Berliner Label Lana Mueller treibt in seiner aktuellen Herbst-/Winterkollektion „Warrior“ ein dunkles Spiel mit dem Kontrast von Hart und Zart: Luftige Spitze liegt wie hingehaucht an robusten Lederbustiers, kompakte, skulpturale Formen halten flatternde Stoffbahnen im Zaum – das Design-Duo, zu dem neben der namensgebenden Lana Mueller auch Gelena Roizen angehört, hat während der Mercedes-Benz Fashion Week eine sehenswerte Kollektion vorgelegt, die Schauer-Romantik, feminine Eleganz, Disco-Glamour, historische Bezüge und Fetisch-Anspielungen vereint.

Lana Mueller zeigte ihre Kollektion im Soho House, einem ziemlich repräsentativen Hotel im Membersclub, das in einem denkmalgeschützten Bauhaus-Klotz an der Torstraße untergebracht ist. Die Gäste saßen auf flaschengrünen Samtsesseln, ringsum viel dunkles Holz, Kristallkronleuchter und Rohbeton – so sonnt es sich in seinem eigenen Glanz, das coole Berlin, dass zwar nicht mehr wirklich arm, aber immer noch sehr sexy ist. Lana Mueller hat ihr Label 2015 gegründet und ist auf der Fashion Week zum zweiten Mal dabei. Ihre aktuelle Kollektion ist von mythologischen Kämpferinnen und starken Frauen wie Jeanne d’Arc inspiriert, steht in der Pressemitteilung. Solche Leitmotive können derbe daneben gehen; Kollektionen, die auf derartigen Stereotypen beruhen, sehen oft aus wie die eine Liverollenspiel-Ausstattung. Lana Mueller und Gelena Roizen aber schlagen sich wacker.

Die Models erscheinen in schimmernde Stoffe gepanzert, geharnischt in Strass-verkrustete Bustiers, sie haben sich geschnürte Korsagen umgeschnallt und Schutzkleider aus goldener Spitze angelegt. Allzu martialisch sieht das zum Glück nicht aus, auch die mittelalterlichen Bezüge bleiben dezent; im Vordergrund steht stattdessen die Wechselwirkung von maskulinen Elementen und weiblicher Sinnlichkeit: Blüten aus zartem Gewebe, die sich auf nudefarbener Seide entfalten, fragile, transparente Kleider mit stark betonten Schultern, dazu Spitze und Glitzersteine über den Brüsten, Trompetenärmel aus gegerbter Tierhaut, bodenlange Meerjungfrauenkleider – der Pomp und das Gepränge stehen Lana Muellers grazilen Glamazonen ganz prima.

Die Kombination aus transparenter Spitze und gerafftem Satin zieht die Blicke der Zuschauer auf sich.   Copyright: Photo: Indigital.tv

Nur da und dort sorgen stilistische Fehlkalkulationen für irritierende Zwischentöne, ein langer schwarzer Mantel ruft Erinnerungen an 90er-Jahre-Depeche-Mode-Konzerte wach, und ein paar der drall geschnürten Leder-Fummel würden besser in einen Gothic-Keller als auf einen Laufsteg passen. Auch ist festzustellen, dass die Erotik bei Lana Müller ziemlich eindeutig daherkommt: viel nackte Haut, klaffende Ausschnitte bis zum Bauchnabel, klassische Sanduhr-Silhouetten, Schleppen, Glitzer. Auf der Website des Design-Duos steht, dass Sylvie Meis und Frauke Ludowig zum Kundenkreis zählen – das kann man sich gut vorstellen. Trotzdem muss man sagen, dass die Show alles in allem viel Spaß gemacht hat: Was
Lana Mueller zu bieten hat, ist eine Kollektion wie ein Champagnerrausch: Glamourös, sexy und ein klein bisschen over the top.

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