MBFWB Winter 2015

Laurèl: Die Kollektion passend zur Großen Koalition

20.01.2015 / 12:37 Uhr

Die Berliner Fashion Week hat viel von ihrem Glamour eingebüßt; zuletzt machte die Modewoche eher mit prominenten Absagen Schlagzeilen als mit spektakulären Shows. Zu den Blockbustern, die noch in Berlin zeigen, gehört das Label Laurèl aus Aschheim bei München: So war die Laurèl-Show die einzige am Montag, bei der keine Plätze leer stehen blieben, und bei der die Fotografen ein paar Prominente vor die Linse bekamen, darunter Franziska Knuppe, Anna Loos und Jana Pallaske.

Große Überraschungen und spektakuläre Momente gab es auf dem Laufsteg freilich nicht zu sehen: Die aktuelle Herbst-/Winterkollektion von Chefdesignerin Elisabeth Schwaiger ist genau das, was man von sich unter dem Namen Laurèl vorstellt: Konsensfähige Mode für das Massenpublikum, eine Kollektion passend zur Großen Koalition sozusagen, tragbare, gut verarbeitete Entwürfe, die ohne Spannungen und Konflikte auskommt, bestens geeignet für Büro, After-Work-Party und den Samstags-Spaziergang mit dem Liebsten durch die Innenstadt, Konzernmode eben. Eine Kollektion, die man praktisch schon vor sich sieht, wie sie bei Kaufhäusern wie Breuninger an der Stange hängt.

Laurèl ließ sich für seine neue Herbst/Winterkollektion von Bon Girls beeinflussen.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

„Never Say Never Again“, so heißt der Titel der Kollektion, die Laurèl im Fashion-Week-Zelt vorgestellt hat. Denn Elisabeth Schwaiger hat sich diesmal vom Stil der Bond-Girls inspirieren lassen, und damit das auch wirklich jeder begreift, flanierten die wallemähnigen Models in hohen Lacklederstiefeln zu Shirley Basseys Klassiker „Diamonds Are Forever“ herein.

Zu sehen gab es jede Menge Kunstpelzmäntel, Etuikleider mit Spitzenbesatz, tiefe Dekolletés, Animalprints, Reißverschluss-gesäumte Cut-outs, Pencilskirts, und locker schwingende Kurzmäntel, viel Leo-Print, dazu leuchtende Akzente in Kobaltblau und Zitronengelb. Was man Laurèl zu Gute halten muss: Das Label liefert verlässliche, solide Qualität, es gibt keine Patzer, und dafür allerhand Stücke, die man gleich haben möchte, flirrend schön vor allem ein feuerrotes, leger-elegantes Shiftdress und eine Reihe messerscharf kalkulierter Kostüme. Elisabeth Schwaiger hat ihre Bond-Girls in Entwürfe gekleidet, die sich sanft an den Stil der 60er Jahre anlehnen; Röcke mit A-Linien-Form, knappe Courrège-Kleider, Silber-Metallic und geometrische Strukturen – der Ära von Mary Quant zieht sich wie ein Leitmotiv durch die Kollektion.

Alles in allem aber sind die Laurèl-Bondgirls eher brave Geschöpfe, die sich an die Regeln des guten Geschmacks halten: Die Kollektion ist solide, verlässlich und trifft den richtigen Ton. So kann man sagen, ist Deutschland: nicht Berliner Szene, sondern der Bundesdurchschnitt, Passau, Erfurt, Recklinghausen, Merkel-Deutschland. Keine großen Visionen, keine mutigen Innovationen. Aber alles läuft reibungslos.

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