BERLIN FASHION WEEK SOMMER 2017

Laurèl phantasiert von feurigen Latinas

Von Gabriela Keller
30.06.2016 / 15:00 Uhr

Fotos von Cosima Scholz

Knöchellange, figurbetonte Häkelkleider, verrutschte Carmen-Ausschnitte, Paisley-Muster auf blütenzarten Tuniken, dazu lange Klimperketten mit
Quasten und Perlen – die Marke Laurèl hat in seiner aktuellen Frühjahrs-/Sommerkollektion die lässige, eigensinnige Eleganz des Boho-Chic auf den Punkt gebracht. „Viva La Vida“, so lautet der Titel der Kollektion, „Es lebe das Leben“, und ebenso sonnig und heiter sahen die Entwürfe auch aus.

Laurèl, ansässig in Aschheim, Landkreis München, zählt zu den großen Crowdpleasern der deutschen Modewelt. Die Marke steht für eine konsensfähige, solide Art von Mode, die zeitgemäß und durchaus reizvoll daherkommt. Ihre Version des Boho-Stils speist sich zwar aus Elementen von Hippie-Kultur und Ethno-Einflüssen, passt in ihrer gehobenen Konventionalität aber trotzdem eher auf eine Strandparty in St. Tropez als auf das Glastonbury Festival.

Als das Licht über dem Laufsteg ausgeht, stellt sich ein Mann hinter das Schlagzeug, das am Eingang aufgebaut ist, ein schlurfender, pochender Rhythmus ertönt. Die Show konnte erst mit einiger Verspätung beginnen. Es dauerte, bis die Fotografen ihre Bilder von den Prominenten, gemacht hatten, die für Laurèl in den Berliner Wedding gekommen waren, von Mariella Ahrens, Cathy Hummels, Heino Ferch und Viktoria Lauterbach. Dann endlich flanierten die Models herein; auf Espandrilles und mit dezent geschminkten Gesichtern und Haaren, die wie für einen Tag am Strand locker im Nacken zusammengebunden waren.

Elisabeth Schweiger, die langjährige Chefdesignerin des Bayrischen Modekonzerns, ist eine Frau, die genau weiß, wie man aktuelle Trends in elegante, hochwertige Mode übersetzt. Ihrer aktuellen Kollektion hat sie lateinamerikanische Lebensfreude zugrunde gelegt und sich von Frauen wie Eva Mendes, Penelope Cruz, Sofia Vergara, Salma Hayek oder Jennifer Lopez inspirieren lassen.

Zu sehen gab es lange, weit wehende Kleider, Halterneck-Oberteile, locker sitzende Schlaghosen aus weichen Stoffen, die zum Teil von quadratischen Laser-Cut-Outs durchlöchert waren, kühl gechillte Shiftdresses, Lagen-Look, Plisseeröcke und sommerliche Hosenanzüge, luftige Blusen zu Bermuda-Shorts oder gerade geschnittene Hosen in Kombination mit knappen Stoffstreifen über dem Busen. Die Stoffe umspielten den Körper eher locker, als zu eng auf den Kurven zu sitzen. Kleider und Carmen-Blusen rutschten wie zufällig über die Schultern und bedienten so die Männerphantasie von der feurigen Latina, die mit gerafften Röcken barfuß auf dem Kopfsteinpflaster des Dorf-Marktplatzes tanzt.

Es gab allerhand Schwarz, dazu viele helle Töne, ein klares Crèmeweiß, da und dort Limonengelb. Hinzu kamen satte maritime Blautöne und ein tolles, kräftiges Korallenrot. Auch geometrische Muster kamen ins Spiel, maritime Längsstreifen und ein eng gesetzter Polka-Dot Print. Quasten, flatternde Bänder und Raffungen sorgten für moderat temperiertes Boho-Flair. Wer große Überraschungen erwartet, ist in einer Laurèl Show fehl am Platz. Das Label liefert hochwertige Konzernmode, routinierte Weiblichkeit, stilsicheren Glamour. Dafür kommt die Präsentation allerdings auch ohne Patzer und Fehltritte aus – alles in allem eine runde, gut ausgewogene Kollektion, die einen gleich in Urlaubslaune vesetzt.

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