lavera Showfloor Januar 2015

Lauren Victoria Craig: die düsteren Engel von Berlin

Lisa Thiele
Von Lisa Thiele
23.01.2015 / 15:13 Uhr

Die Geschichte der New Yorker Designerin Lauren Victoria Craig klingt wie eines dieser typischen Berlinmärchen. Eine Jungdesignerin aus New York kommt nach Berlin um auf den kreativen Hype um die Hauptstadt aufzuspringen. Und man stelle es sich vor; wie zahllose andere Kreative findet sie hier keinen bezahlten Job. Aus der Not eine Tugend machen, dass ist der Schlachtruf, der von Prenzlauer Berg bis Neukölln mehr als nur ein hipper inspirierender Pinterestpost ist. Arm ist sexy und so... Und dann kommt in Berlin dank dieser großen Schnauze noch ein gehöriger Sarkasmus dazu. Und von ebenjenem getrieben, gründete Lauren Victoria Craig ihr Label 2012. Sie kaufte nicht ganz im Ernst Stoffe auf dem Markt am Maybachufer. Wer ihn nicht kennt, das ist das Herz Kreuzköllns, dort wo Latte Macchiato Mütter auf Architekturstudenten und durchgeknallte Feierhipster am Sonntag treffen. Bei den türkischen Händlern auf dem Markt bekommen man alles, was man so braucht.

Und um den Reigen der hippen Stationen in Berlin komplett zu machen, verkaufte Lauren Victoria Craig ihre selbstgeschneiderten Shirts sehr erfolgreich auf dem Flohmarkt am Mauerpark (auch so ein Knotenpunkt der zugezogenen Berlinhippness). Mit dem dort verdienten Geld konnte sie ihr Label in Berlin groß aufziehen und inzwischen sind ihre Entwürfe auch in diversen Boutiquen nachgefragt. Die Designs von LVC by Lauren Victoria Craig sind derzeit im LNFA Concept Store im Bikini Berlin (brandneuer Hippnesspoint in Westberlin) zu erwerben.

Kein Wunder, dass die Designs in Berlin weggehen wie warme Schrippen. Sie treffen den Düstergeschmack der Technometropole. Wer nicht gerade im Glitzer-Zirkus-Look der frühen 2000er hängengeblieben ist und damit noch in den Clubs der Stadt um Einlass bittet, der trägt schon längste den Adams-Family-Look. Und Lauren Victoria Craig schickt den Berghainlook auf den Laufsteg. Eine Armee aus düsteren Engeln auf Plateauschuhen. Glänzendes Schwarz, mattes Schwarz, gerafftes Schwarz und metallisches Schwarz. Dazu ein dunkles Weinrot, Fake Fur, Lack und Leder. Lauren Victoria Craig steigt herab in die düsteren Kammern der Powermode. Der Look ist heftig und nicht gefällig. Keine sexy-Hexy-Models, sondern das Styling wie nach 4 Nächten Schwitzen in den Clubs der Metropole. Die Schnitte der Kollektion auf Grundlage der geometrischen Grundformen. Kristalline Strukturen, Dreieckige Schnittmuster, Einsätze in rechteckiger oder runder Form. Weite Capes zum Wenden mit kreisrunder Saumführung.

LVC by Lauren Victoria Craig zeigt uns das düstere Berlin   Copyright: vierfotografen/lavera Showfloor

Ganz neu ist das zwar alles nicht, aber LVC steht für eine deutliche ästhetische Linie. Eine Innovation ist ein Jumpsuit, der von vorn noch anmutet wie ein enger Pulli mit einer Pluderhose - erst am Rücken wird klar, dass es sich um eine Einheit handelt. Auch den Typus der tussigen Fellbommelmütze interpretierte Lauren Victoria Craig mit Witz und der Prise Sarkasmus neu - die überdimensionierte dunkelrote Bommel aus Fell frisst die Mütze auf.

Lauren Victoria Craig hat ihr Berlin gefunden und zeigt eine Kollektion, die auf der Hypewelle mitschwimmt. Das ist alles nicht neu, aber die düstere Seite versprüht doch immer wieder einen gewissen Reiz.

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