MBFWB Winter 2016

Lena Hoscheks britische Gratwanderung zwischen sexy und brav

Von Katrin Völkner
19.01.2016 / 18:30 Uhr

Tea Time, Countryside und ein Hauch von Punk – auf dem Catwalk bei Lena Hoschek geht es very british zu. Nach einem Ausflug in die französische Provence und einer Ode ans New York der Nachkriegszeit, schickt die Designerin das Fashion-Publikum dieses Mal auf eine Reise nach Großbritannien. Auch wenn nicht alle ihrer neuen Modekreationen für Herbst/Winter 2016/17 der feinen englischen Art entsprechen...

Lena Hoschek scheint sicher gehen zu wollen, dass auch niemand ihre Inspirationsquelle, das Großbritannien der 60er-Jahre, übersieht. Kaum ein britischer Klassiker, den sie ausgelassen hätte. Kaum ein typisches Stilelement, das nicht zum Einsatz käme. Zopfstrickpullover, Plisseeröcke und taillierte Blazer. Ein Blumenkleid nach dem anderen schwingt über den Catwalk. Es dominieren figurbetonte, aber hochgeschlossene Cuts. In Form von Schluppenblusen sowie ausgestellten, knielangen und häufig in Plisseefalten gelegten Röcken. Da sind Wollmäntel, die Miss Marple-Filme wie "16 Uhr 50 ab Paddington" in Erinnerung rufen, und selbst die gute alte Barbour-Wachsjacke lässt Hoschek in veränderter Blazerform wieder aufleben. Alles in natürlichen Tönen wie Cognac, Rostrot und Waldgrün gehalten. Dazu Reiterstiefel, Loafers, Kniestrümpfe von Burlington und Haare, die zu Locken gestylt im Takt der Musik wippen.

Figurbetont und dennoch brav: Hochgeschlossene Cuts dominieren den Catwalk.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Es scheint, als wolle Lena Hoschek uns auf ein Gestüt in Südengland und zur anschließenden Teeparty entführen. Als wolle sie uns mit ihrer umfangreichen Kollektion vor Augen führen, wieviele Spielarten der britische Stil kennt. Insbesondere, wenn ihm eine retrolastige Interpretation widerfährt. Hätte sie sich als Location einen Gutshof im Grünen ausgeguckt, hätte man wahrscheinlich glatt vergessen, dass wir uns auf der Mercedes-Benz Fashion Week befinden. Beinahe schon hätte man Lena Hoscheks Entwürfe, die sich in ihrem enormen Umfang in Schnitten und Mustern immer wieder selbst kopieren, nach dieser Modewoche als sehr tragbar bezeichnen können. Vor allem aber auch als eben sehr brav.

Ganz schön brav und very british - die neue Kollektion von Lena Hoschek sorgt für Uneinigkeit im Publikum.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Beinahe – dieses kleine Wörtchen rettet die Catwalk-Präsentation und das Publikum vor langweiliger Belanglosigkeit. Denn die Kollektion ist dank einiger Keypieces, bei denen die Fotografen am Ende des Catwalks wie wild auf ihre Auslöser klicken, alles andere als brav. Diese Stücke bringen zum einen eine geballte Portion Sex-Appeal mit ein. Man achte auf das hautenge Kleid aus grüner Spitze. Andererseits holt uns eine Prise Ironie ins Jetzt. Sie verleiht den Kleidungsstücken einen hohen Tragbarkeitsfaktor. Hosenträger zu Pencilskirts, gold schillernde Blütenprints, funky gemusterte Röcke und ein knallenges, gestreiftes Nadelstreifenkostüm. Ein Strickpullover erinnert mit seinen vielen goldenen Pins an die Punk-Ära. Eine Kollektion, aus der sich jeder das rauspicken kann, was er vom englischen Stil mag. Egal ob Countrygirl, Landadel oder britisches Fräulein mit Punk-Allüre – von brav bis gewagt müssen wir auf nichts verzichten. Typisch Lena Hoschek eben.

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