Interview

Folkdays-Gründerin Lisa Jaspers: "Shoppen soll keine Gewissensentscheidung mehr sein"

06.05.2015 / 15:57 Uhr

Fairtrade und Nachhaltigkeit - was nach angestaubtem Öko-Image klingt, ist endlich salonfähig. Das junge Berliner Label Folkdays zeigt eindrucksvoll, wie stilsicher und trendy fair gehandelte Mode sein kann. Mit seinen handgemachten Produkten aus Fashion und Interior positioniert sich das junge Label gegen den Massenkonsum und steht für Qualität und Authentizität. Wir haben mit Gründerin Lisa Jaspers über die Schnelllebigkeit der Modeindustrie, ihre Idee und Vision gesprochen.

styleranking: Lisa, du hast Folkdays 2013 gegründet. Was hat dich dazu bewegt?

Lisa: Nach meinem Studium habe ich einige Jahre in der Entwicklungsökonomie gearbeitet und bin viel gereist, auch in den ärmsten Regionen. Dort habe ich so viele Menschen gesehen, die ganz spezielle Fähigkeiten besitzen und mit besonderen Materialien arbeiten. Ich wollte, dass man sie nicht mit Mitleid ansieht, sondern unterstützt. Bisher bedienen Labels mit stylishen, hochwertigen Produkten, die zu guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden, noch einen Nischenmarkt. Das möchte ich ändern und habe 2013 Folkdays gegründet.

styleranking: Woher kommt der Name Folkdays?

Lisa: Ich finde den Begriff Folk im Englischen sehr schön, er inspiriert mich. Folk ist für mich etwas Ursprüngliches, Ruhiges, etwas mit tiefen Wurzeln und ein kulturelles Gut. Ich musste dieses Wort deshalb in den Namen einbauen. Auf Days sind wir gekommen, weil es Teil unserer Arbeit ist, die Geschichten von unseren Reisen zu erzählen.

Lisa Jaspers hat das Accessoires- und Interiorlabel Folkdays 2013 gegründet.   Copyright: Folkdays

styleranking: Fair gehandelte Mode bekommt leider oft ein Öko-Image aufgedrückt...

Lisa: Ich frage mich oft, warum das heute noch so ist. Ich kenne viele Leute, die nicht mehr zu H&M oder Zara gehen möchten. Sie finden aber einfach keine wirklich coole Alternative, die ihren Ansprüchen gerecht wird. Genau das ist mein Ziel: Fair gehandelte und nachhaltige Kleidung jünger, cooler und hipper machen.

styleranking: Welche Rolle spielen aktuelle Trends für euch?

Lisa: Wir möchten Dinge finden, die zeitlos sind, wie zum Beispiel ein Kimono. Was wir nicht wollen, sind Trendteile, die in einem halben Jahr nicht mehr tragbar sind, weil etwa die Farbe out ist. Das ist mit unserem hohen Qualitätsanspruch nicht vereinbar. Unsere Sachen sollen lange und gerne getragen werden. Wir orientieren uns auch nicht kurzfristig an irgendwelchen Designern. Oft haben wir jedoch Glück, dass unsere Sachen aktuelle Trends treffen. Für unsere vorangegangene Kollektion haben wir einige Ponchos aus Peru und Bolivien mitgebracht. Plötzlich hingen überall Ponchos in den Läden. Da waren wir sehr überrascht.

styleranking: Wie können wir uns die Zusammenarbeit mit den Lieferanten in der ganzen Welt vorstellen? Wie findet ihr die kleinen Manufakturen?

Lisa: Durch meinen vorherigen Job kenne ich viele Menschen auf der ganzen Welt, die mich auf Neues aufmerksam machen. Ansonsten orientiere ich mich an internationale Fair-Handels-Netzwerke. Bevor ich reise, recherchiere ich lange. Viele Leute finde ich aber auch durch Zufall vor Ort, weil mir andere davon erzählen.

styleranking: Klingt, als wärst du viel unterwegs. Ist das Reisen ein fester Bestandteil deiner Arbeit?

Lisa: Zu Beginn habe ich viele Reisen unternommen, um ein Netzwerk aufzubauen. Das waren vier große Reisen nach Kambodscha, Marokko, Bolivien, Peru sowie in andere Entwicklungsländern. Und das in gerade einmal einandhalb Jahren. Momentan konzentrieren wir uns aber darauf, die Arbeit mit dem bestehenden Netzwerk zu vertiefen. Von einer langfristigen Zusammenarbeit profitieren wir und unsere Lieferanten.

​Der Seiden-Kimono aus der neuen Spring/Summer-Kollektion gehört zu Lisas Lieblingsteilen.   Copyright: Folkdays

styleranking: Hast du ein Folkdays-Lieblingsstück?

Lisa: Ich liebe unseren schwarzen Seidenkimono - gerade jetzt im Sommer trage ich ihn total gerne. Der Kimono funktioniert zu Kleid, Rock aber auch zur Jeans und macht alles stylisher. Und wir haben ein ganz schlichtes Oberteil in Naturfarbe aus veganer Seide, ein superschönes Projekt. Ich trage mittlerweile nur noch Folkdays. Es ist ein tolles Gefühl, sich vor dem Kleiderschrank für das eigene Label entscheiden zu können. Das macht Spaß!

styleranking: Eure Homepage ist eine Kombination aus Online-Shop und Blog. Was ist euch dabei wichtig?

Lisa: Menschen, die unsere Sachen kaufen, sollen auch die Geschichte dahinter kennenlernen. Mit unseren Produkten erhalten die Käufer deshalb immer einen Flyer mit allen Hintergrundinformationen. Sie erfahren so genau, von wem und wo ihr Teil produziert wurde. Mittlerweile nutzen wir unseren Blog auch, um das Thema Nachhaltigkeit weiter zu verbreiten. Urban Sustainable Living ist das große Thema.

Der Folkdays-Schmuck ist handgeschmiedet und stammt aus Manufakturen in Ländern wir Peru oder Bangladesh.   Copyright: Folkdays

styleranking: Fast-Fashion ist ein heiß diskutiertes Thema. Was wünschst du dir von den großen Unternehmen?

Lisa: Die großen Ketten reden sich meiner Meinung nach gerne raus. Dann heißt es, dass sie von Zulieferern kaufen und deswegen keine Kontrolle über die Produktionsbedingungen erlangen. Mir kann niemand erzählen, dass es nicht möglich wäre, erschwingliche Mode herzustellen, die zu fairen Bedingungen produziert wird. Dafür müssen keine Menschen ausgebeutet und keine Müllberge angehäuft werden. Die Labels müssen keine acht Kollektionen im Jahr rausbringen, die von allen zwar gekauft, aber auch schnell wieder weggeworfen werden. Im Lebensmittelbereich hat es das Label „Bio" schon geschafft, ein Stück weit vom Nischenprodukt zum Mainstream zu werden. Es wäre schön, wenn das auch in der Mode klappt, denn Nachhaltigkeit und Masse gehen zusammen. Man muss nur die richtigen Prioritäten setzen.

styleranking: Du bist also optimistisch, dass sich die Modewelt ändert?

Lisa: Ich hoffe, dass unsere Kinder es in Zukunft absurd finden, dass wir so günstige Kleidung kaufen und die Umwelt belasten. Wenn man zurückschaut, gibt es viele Bewegungen, die bahnbrechend waren und nur Zeit gebraucht haben. Natürlich ist es auch eine gesellschaftliche Frage, da sich nicht jeder nachhaltige Mode leisten kann. Aber eine Greenpeace-Studie zeigt, dass einem Großteil der Jugendlichen bewusst ist, unter welchen Bedingungen ihre Kleider hergestellt werden. Auch wenn sie ihren Konsum noch nicht danach ausrichten, fängt es doch beim Bewusstsein an. Jetzt sind die großen Modeketten gefragt, genau da anzusetzen und etwas zu bewegen. Einkaufen soll wieder eine Spaßentscheidung und keine Gewissensentscheidung sein.

styleranking: Vielen Dank für deine Antworten Lisa!

Mehr Informationen zu Folkdays und die aktuellen Kollektionen findet ihr unter: www.folkdays.de.

Follow us