Designer-Interview

Philipp Plein: "Die BFW besitzt international keine Relevanz!"

Julia Schichler
Von Julia Schichler
03.06.2016 / 15:32 Uhr

Ein Knall, der Vorhang fällt, silberner Konfettiregen mitten auf der Königsallee - Deutschlands berühmter Shoppingmeile. Hunderte Gäste applaudieren, neugierige Passanten zücken das Smartphone, schießen Pics vom Spektakel und sich selbst im silbernen Regen aus Konfetti. Modedesigner Philipp Plein lädt zum Re-Opening seines unübersehbaren Stores auf der Düsseldorfer Prachtmeile. Alles beeindruckt genau so, wie man es von dem extrovertierten Designer erwartet: Laut, bunt, extravagant. Philipp Plein selbst eröffnet die Veranstaltung, bedankt sich bei seinen Kunden und feiert sein eigenes Erfolgslabel. Dann stürmt die Menge die Location. Unter ihnen deutsche Promis wie Jana Ina Zarrella oder Sila Sahin. Alle wollen als erste in die neue Filiale, wirkt diese schließlich seit dem Umbau einladender und offener. Als sich der Trubel etwas legt, sprechen wir mit dem Münchener über den Erfolg seiner Marke, die Situation auf dem Luxusmarkt und die Rolle Deutschlands im Modebusiness. Er erzählt von Zahlen, Märkten, Konzepten und Wettbewerb - heute reden wir eher mit dem Geschäftsmann Philipp Plein als mit dem Modedesigner.

styleranking: Was ist neu im Düsseldorfer Store? Warum war es Zeit für ein Re-Opening?

Philipp Plein: Düsseldorf war einer unserer ersten von mittlerweile über 80 Stores weltweit. In den letzten fünf Jahren haben wir viel dazu gelernt und jetzt setzen wir unsere Ideen um: Bessere Auslage der Ware, mehr Präsentationssfläche, die Umstellung auf das neue Philipp Plein Interiorkonzept. Das Ganze inszenieren wir mit neuen Materialien und Inventar. Der Retail direkt am Kunden ist die Königsklasse, wir nennen es die Champions League des Verkaufs. Deswegen wollen wir einfach noch besseren Service für unsere Kunden.

styleranking: Die Fashion Week Saison beginnt jetzt. Warum zeigen Sie in Mailand und nicht in Berlin, wie man es von einem deutschen Designer erwarten würde?

Philipp Plein: Berlin gilt nicht als relevant in der Mode, zumindest nicht international. Die Fashion Week wird als nationales Event von den Deutschen gehypt. Auf internationaler Ebene besitzt Berlin keine Bedeutung. Das liegt nicht an Berlin, sondern an der Frequenz der Besucher und an der Presse. Oder haben Sie schon einmal U.S. Vogue-Chefin Anna Wintour bei der Berliner Fashion Week gesehen? Die Marken sind nur von nationaler Bedeutung. Dadurch fehlt die Zugkraft, um internationales Publikum nach Berlin zu bringen. Die wenigen wichtigen Gäste, die kommen, werden in die Front Row eingeladen und dafür bezahlt. Anschließend wird das Ganze in der deutschen Presse zelebriert. Wenn wir über Modestandorte sprechen, reden wir vor allem über Paris und Mailand. Irgendwann folgen dann New York und London, das war es auch schon. Die Mode konzentriert sich auf vier Städte. Die Entscheidung für Mailand ist eine reine Business Entscheidung. Auch wegen der Strahlkraft der Marken, die dort zeigen: In Mailand Armani, Prada, Dolce & Gabbana, Gucci, in Paris sind es Marken wie Louis Vuitton, Chanel, Saint Laurent oder Balenciaga.

"Unser Produkt hat eine eigene Identität!" Philipp Plein im Interview mit Redakteurin Julia beim Re-Opening auf der Düsseldorfer Königsallee.   Copyright: styleranking

styleranking: Ihre Kollektionen vermitteln das Gefühl, Philipp Plein kreiert seine eigenen Trends. Orientieren Sie sich trotzdem auch am Markt?

Philipp Plein: Wir haben mit unseren Produkten großen Erfolg – im stationären Handel sowie online. Wir generieren mittlerweile einen Umsatz von über 200 Millionen Euro im Wholesale, mit Retail liegen wir bei knapp 350 Millionen Euro. Mit einer solchen Größe sichern wir uns eine gute Position im Markt. Unser Produkt verfügt über eine starke DNA, eine ganz eigene Identität. Unser Design ist laut, macht Spaß und genau das ist der Trend. Die Leute haben immer vom Minimalismus gesprochen – aber wo ist er? Gucci zeigt Nieten und Strass, auch Valentino setzt darauf. Die Labels haben entdeckt, dass Leute, die Mode konsumieren, auch Spaß haben wollen. Kunden möchten Geld ausgeben, Mode genießen und zelebrieren. Mode ist eine große Party!

styleranking: Also werden Sie weiterhin auf Nieten, Kristalle und Totenköpfen setzen?

Philipp Plein: Wir haben noch nie unsere Richtung geändert, das ist die DNA der Marke. Wenn Ferrari Sportwagen baut, werden sie auch in Zukunft Sportwagen bauen und nicht plötzlich anfangen, Kleinwagen auf den Markt zu werfen.

styleranking: Wie empfinden Sie es, wenn Ihre Marke als Bling-Bling-Mode bezeichnet wird? Halten Sie den Ausdruck für eine Beleidigung?

Philipp Plein: Balmain, Miu Miu, Cavalli, Versace, auch Gucci und Valentino verfolgen doch das gleiche Ziel: Die Umsätze dieser Marken zeigen, dass die Labels mit starken Produkten und Aussagen Erfolg feiern. Die Mode von Jil Sander gilt eigentlich als vorbei. Auch wenn heute natürlich viele Trends gleichzeitig bestehen können.

styleranking: Funktioniert dieses Konzept in Amerika besser als in Deutschland?

Philipp Plein: Deutschland ist ein sehr wichtiger Markt für uns. Online setzen wir über 6 Millionen Euro nur in der Bundesrepublik um. Die Filialen in Berlin und Düsseldorf steuern große Umsatzteile bei. Philipp Plein genießt auch in den deutschsprachigen Regionen ein sehr starkes Standing.

styleranking: Die Financial Times hat Sie in einem Porträt zuletzt als „Anti-Helden“ der Modebranche bezeichnet – was halten Sie von diesem Image?

Philipp Plein: Natürlich sind wir der Anti-Held, das ist der richtige Ausdruck! Wir gehen nicht mit dem Strom, sind keine Mitläufer. Wir haben uns einen eigenen Markt und unseren Erfolg erkämpft, ohne mit der Industrie zu gehen. Immer gegen den Strom, da liegt der Grund für unseren Erfolg. In den letzten Jahren konnten sich sehr wenige Marken im Luxussegment neu etablieren. Der Markt ist gesättigt, das Marktumfeld sehr schwer. Da bleibt kein Platz für Neues. Die einzige Möglichkeit: Sich selbst eine Nische schaffen und einen eigenen Markt kreieren. Und das ist es, was wir tun und immer getan haben.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch!

Philipp Plein kommt 1978 in München zur Welt. Nach seinem Abitur am bekannten Eliteinternat Schloss Salem, studiert er Jura in Erlangen. Schon während des Studiums experimentiert der Münchner mit dem Design von Möbeln. Er verziert Schreibtische und Kommoden mit luxuriösem Leder. Der Erfolg bewegt ihn dazu, sich ganz auf das Design zu konzentrieren. Schließlich fertigt er aus Materialresten aus dem Möbeldesign Damenhandtaschen, es folgen kristallbesetzte Bundeswehrparka. Und dann geht alles ganz schnell: Im Januar 2004 launcht er die erste Streetwear Linie. Totenköpfe, Swarovski-Kristalle und Nieten werden zum Markenzeichen des heute 38-Jährigen. Das Label Philipp Plein expandiert rasant. Im Wholesale ausgewählter Handelspartner liegt momentan der Schwerpunkt des Unternehmens. Die Anzahl der eigenen Retail-Stores, zurzeit über 80 weltweit, möchte Philipp Plein in den nächsten Jahren stark ausbauen.

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