Designer Interview

Marina Hoermanseder: „Die Hundewiese ist meine Therapie"

Von Franziska Gajek
24.09.2017 / 11:00 Uhr

Marina Hoermanseder startet durch. Seit drei Jahren. Non-Stop. Zur Vogue Fashion’s Night Out in Düsseldorf präsentiert sie ihre Kollektion bei Peek & Cloppenburg. Dort, so wie bei FashionID.de wird ihre Kollektion ab sofort erhältlich sein. John Cloppenburg persönlich schaut sich an diesem Abend die Kollektion vor Ort an, ebenso wie die deutsche Vogue-Chefin Christiane Arp. Anlässlich dieses Events sind wir mit Marina zu einem Fototermin verabredet. Das Interview soll später am Telefon stattfinden. Als wir uns irgendwo zwischen ihren reich verzierten Kasper Flower Bags und dem ein oder anderen Gürtel-Print treffen, schlägt Marina vor, das Interview doch lieber gleich zu führen. Ihr Hund Peanut kuschelt solange auf dem Arm von Designer-Kollege Dawid Tomaszewski. Auch er tummelt sich unter den Bewunderern von Marinas Kollektion. Für unser Gespräch nehmen wir dort Platz, wo eigentlich ihre Mode präsentiert werden soll. Um kurz vor elf sitzen wir mit der zutiefst entspannten Designerin auf einer weißen Box. Mitten im überfüllten P & C erzählt uns Marina Hoermanseder von ihren Therapiestunden auf der Hundewiese, ihrer Jurorentätigkeit in einer berühmten Model-Castingshow und sie spricht über Neid in der Fashionbranche.

Marina Hoermanseder stammt gebürtig aus Österreich. Sie lebt und arbeitet mittlerweile in Berlin. Immer mit dabei: Ihr Hund Peanut.   Copyright: styleranking

styleranking: Du hast im Sommer deine Kollektion in Berlin gezeigt. Welche Elemente sind die wichtigsten?

Marina Hoermanseder: Als zentrales Element fungiert die Big Buckle - eine überdimensional große Schnalle. Außerdem finden sich wieder Gürtel und der Strap Skirt in der Kollektion. Für den Sommer 2018 habe ich diese Elemente anders aufgearbeitet, etwa mit bunten Stickereien oder in knalligen Farben.

styleranking: In nur drei Jahren hast du einen Signature Look entwickelt. Bist du von dir selbst inspiriert?

Marina Hoermanseder: Ich arbeite bei der Kollektionserstellung mit einem kleinen Baukastenprinzip. Es müssen ein Strap Skirt und viele Schnallen dabei sein. Das entwickele ich dann weiter. Ich habe mich selbst gefunden und einen eigenen Stil entwickelt.

styleranking: Kannst du in einem solch engen Designrahmen auf Trends reagieren?

Marina Hoermanseder: Total! Ich empfinde meinen Designrahmen nicht als eng. Die wiederkehrenden Elemente kann ich auf jeden Stil, auf jede Farbe anwenden. Wenn das Thema Rock n’Roll lautet, kreiere ich schwarze Taschen mit silbernen Schnallen. Ich brauche Trends, um mich weiterzuentwickeln. Allerdings schaue ich nicht zuerst auf Trends. Im Kollektionsentwicklungsprozess habe ich einen Blick darauf, welche Teile mir noch für den Verkauf fehlen. Die zeige ich teilweise nicht mal bei der Show. Meine Kollektion impliziert immer einen kommerziellen Gedanken.

styleranking: Du nutzt Leder, Gürtel und Schnallen. Sollen diese Fetisch-Anleihen immer Bestandteil deiner Mode bleiben?

Marina Hoermanseder: Vor einem Jahr habe ich gesagt, dass ich niemals Schwarz in meiner Kollektion zeigen werde. Ein paar Monate später schickte ich Schwarz und Lack über den Laufsteg. Ich sage niemals nie. Das macht mich zum Künstler. Ich nehme mir die Freiheit zu tun, worauf ich Bock habe. Wenn ich keine Lust mehr auf Schnallen habe, zeige ich irgendwelche Chiffonkleidchen mit Blumen drauf.

Seit kurzem sind die Designs von Hoermanseder auch bei P & C erhältlich.   Copyright: Andreas Rentz / Getty Images

styleranking: Dein Label existiert seit drei Jahren. Du bist wahnsinnig schnell erfolgreich geworden. Begreifst du, was da gerade passiert?

Marina Hoermanseder: Andere sagen es mir, aber ich selbst checke es nicht. Die Zeit vergeht so schnell. Was ich erlebt habe, reicht für fünf Jahre. Aber nie wieder werde ich so jung und belastbar sein. Deswegen ergreife ich jede Möglichkeit. Wenn etwas cool ist und in meine Ethik passt, mache ich es.

styleranking: Dein Erfolgsgeheimnis in drei Worten?

Marina Hoermanseder: Wiedererkennung, Leader-Ship und Brand-Awareness.

styleranking: Dein Erfolgsgefühl in drei Worten?

Marina Hoermanseder: Stolz, Erfüllung, All-in.

styleranking: Was tust du, um am Boden zu bleiben?

Marina Hoermanseder: Ich gehe regelmäßig auf die Hundewiese. Da treffe ich andere Hundebesitzer. Mich kennt da niemand, alle kennen nur den Hund. Und ausschließlich darüber wird geredet: Hundekrankheiten, wann der Hund das letzte Mal Gassi gegangen ist und zu welcher Rasse er gehört. Niemand würde dort jemals über die Fashionweek oder Mode reden. Die Hundewiese ist meine Therapie.

styleranking: Während wir hier sitzen, schleichen junge Mädchen um deine Taschen und sagen, dass sie unbedingt mal so eine besitzen möchten. Wie fühlt sich das an?

Marina Hoermanseder: Krass! Diese Mädchen kennen mich und meinen Namen nicht, sind keine Fans, die mein Leben auf Social Media verfolgen. Diese Mädchen sind vom Produkt überzeugt. Sie finden das Design geil und sind dabei vollkommen unvoreingenommen. Das erfüllt mich mit Stolz. Dass meine Mutter meine Kollektionen rauf und runter trägt, ist irgendwie klar. Dass jemand das Produkt und nicht in erster Linie die Marke kauft, fühlt sich großartig an!

styleranking: Caro Daur, Rihanna, Gigi Hadid- sämtliche Promis tragen deine Mode. Gab es einen Star bei dem du dachtest: Wenn die es trägt, habe ich es geschafft!

Marina Hoermanseder: Ich unterscheide zwischen Popstars und Style-Influencern. Wenn Lady Gaga oder Rihanna meine Sachen tragen, dann ist das eine wahnsinnige Kompetenzzuschreibung. Wenn Gigi Hadid meine Designs trägt, ist das ein Vertriebsfaktor. Sie hat vor kurzem eine unserer Hosen getragen. Einen Tag später war das Modell überall ausverkauft.

styleranking: Ich merke, du bist auch Geschäftsfrau.

Marina Hoermanseder: In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Die Designerin und die Betriebswirtin. Im Nachhinein bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich gezwungen haben, Wirtschaft zu studieren.

Vor ihrem Modedesign Studium an der ESMOD Berlin studierte Marina Betriebswirtschaftslehre in Wien und London.   Copyright: styleranking

styleranking: Wo sich Erfolg einstellt, gibt es auch Neider. Spielt Neid in deinem Leben eine Rolle?

Marina Hoermanseder: Neid ist ein Gefühl, mit dem ich nicht erzogen wurde. Es ist mir fremd. Vielleicht verhalte ich mich naiv, aber ich glaube nicht, dass jemand auf mich neidisch ist. Eher zeigt sich, dass meine Berufskollegen sehr viel Anerkennung für mein Handwerk haben. Die ignorieren die ein oder andere Bluse, die sich gut verkauft, aber zollen zum Beispiel den Ledercorsagen großen Respekt.

styleranking: Den Österreichern wird gern mal unterstellt, neidisch auf Deutschland zu sein. Wie nimmst du die kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Ländern wahr?

Marina Hoermanseder: Österreich ist meine Heimat. Berlin ist die Stadt in der ich lebe. Beide Länder bezeichnen mich mittlerweile als die Ihrige. Ich bin da ganz flexibel und stelle mich für beide Länder als Einheimische bereit. Natürlich haben beide Welten ihre Vorteile. Ich liebe Berlin, weil dort die Supermärkte bis Mitternacht aufhaben. Das macht ein Unternehmertum in jungen Jahren viel einfacher. Ich liebe Wien dafür, dass man sich am Samstagnachmittag etwas Schönes anzieht und in die Stadt geht.

styleranking: Was unterscheidet Österreich und Deutschland in Sachen Mode?

Marina Hoermanseder: Berlin und Düsseldorf sind Modehauptstädte. Aber Wien auch. Dort waren beim letzten P & C-Event richtig coole Socken unterwegs. Die Crowd in Wien ist natürlich kleiner, steht dem Style in Berlin aber in Nichts nach.

styleranking: Für dein Heimatland wirst du Jurorin bei „Austria‘s Next Topmodel“. Wie hast du dich auf das Jury-Amt vorbereitet?

Marina Hoermanseder: Wenn ich mich vorbereite, ist das kein gutes Zeichen. Ich darf nicht überlegen, welche Rolle ich einnehme. Die haben mich ausgewählt, weil ich mich authentisch gebe. Nichts anderes zeige ich dort. Mein Erfolg wird nicht unwesentlich von mir selbst und meiner Wirkung in der Öffentlichkeit beeinflusst. Ich könnte von jedem die Freundin sein - das schätzen meine Fans. Zudem bin ich von Natur aus sehr eloquent und nicht kamerascheu. So richtig vorbereitet habe ich mich also nur auf meine Outfits. Jeden Tag zwei verschiedene – das erfordert Planung. Außerdem mache ich gerade eine Style-Wandlung durch. Rote Lippen und einen strengen Dutt kennt man sonst nicht von mir. Aber ich freue mich, neue Seiten von mir kennen zu lernen. Ich wirke dadurch weiblicher und verkörpere eine starke Frau.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Marina.

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