BFW Sommer 2018

Grandioses Fashion Week Finale: Marina Hoermanseders russische Matrjoschkas

11.07.2017 / 16:57 Uhr

Hochwasseralarm in der leicht abgerissenen Baustellenkulisse: Die Rahmenbedingungen für die Modenschau der Designerin Marina Hoermanseder im Hof des Berliner Humboldt Forums bilden eine Herausforderung. Die Modeprominenz aus Tokio Hotel-Frontmann Bill Kaulitz und Bloggern wie Riccardo Simonetti und Farina Opoku rafft spontan ihre Röcke oder krempelt die Hosenbeine hoch. Danach trippelt sie teils barfuß zu den aufgereihten Sitzbänken. Den Regenschirm in der einen und das Abendtäschchen in der anderen Hand. Das zentimeterhoch stehende Wasser stellt vor allem für die Models eine echte Herausforderung dar. Auf sündhaft hohen Overknees, Stiefeletten mit extraweitem Schaft und luftigen Riemchensandaletten meistern sie jedoch ganz professionell, wenn auch mit leicht schwankenden Schritten, ihre Runden.

Die Österreicherin Hoermanseder enttäuscht ihre Fangemeinde auch in der Sommerausgabe der Berlin Fashion Week nicht. Bekannt für ihre Vorliebe für Ledergürtel in allen Variationen und irgendwo zwischen Fetisch und Orthopädie angesiedelten Korsageninterpretationen, perfektioniert sie diese beiden Key Visuals. Ihre Frühjahrs-/Sommerkollektion 2018 inszeniert sie mit deutlich russischem Einschlag. Schmale bis extrabreite Ledergürtel mit XXL-Schnalle in bunten Bonbonfarben in knappen Minirock-Varianten, dazu bedruckte Volantkleider oder seidige Blusen. Großzügig eingesetzt umschließen applizierte Gürtelelemente zusätzlich den oberen Brust- oder Wadenbereich und sind sogar zweckentfremdet als Stumpfband zu erkennen. Typische Wiedererkennungsmerkmale der Designerin.

Marina Hoermanseder brilliert mit Stilelementen aus New Yorker Streetstyles, russischen Matrjoschkas sowie ihren Signature-Schnallen und -Korsagen.   Copyright: Andreas Rentz/Getty Images

Ein zweites großes Thema der Kollektion sind Korsagen - mutig in Jeansoptik über einem langen Rollkragenkleid in Goldlamé getragen oder in glänzender Lackoptik zu lässigen Bermudashorts kombiniert. Ganz im Zeichen der russischen Matrjoschka stehend, zieht ein Komplettkostüm der bekannten Holzpuppe ein wahres Blitzlichtgewitter auf sich. Hübsch anzusehen, im Alltag tragbar allerdings nicht. Nordöstliche Folkloreelemente wie bunte Blümchendrucke und gebundene Kopftücher attribuieren sich zu sommerlichen Volantkleidchen und lässigen Denim-Elementen, angesiedelt im New Yorker Streetstyle der 90er Jahre.

Auffällig und cool, aber auch etwas für den Alltag? Marina Hoermanseder schickt ihre Models als russische Matrjoschka auf den nassen Catwalk.   Copyright: Stefan Kraul

Die gelernte Betriebswirtschaftlerin, die zusätzlich an der ESMOD Berlin Modedesign studierte, trotzt dem apokalyptischen Regenwetter mit gewagten, Epochen überschreitenden Entwürfen. Einmal mehr zeigen sie Hoermanseders ausgefeilte Handwerkskunst und die Liebe zum Leder, dieses Mal kunstvoll bemalt und besprayt. Ein tosender Applaus beschließt nicht nur diese fulminante Schau, sondern auch das Ende der Berlin Fashion Week Sommer 2018.

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