MBFWB Winter 2016

Matrix Fiction und Freie Liebe: Die farblose Zukunftsmode von Odeur

Lara Schwitalla
Von Lara Schwitalla
20.01.2016 / 09:40 Uhr

Grellblaues Licht taucht den unberührten, weißen Catwalk in eine mystische Atmosphäre. Apokalyptische Industrial-Sounds wummern in den Ohren. Dunkle Silhouetten eines Pulks aus langen Mänteln, markanten Konturen und androgynen Figuren schreiten zielstrebig am Publikum vorbei, bleiben ruckartig stehen. Das Spotlight sticht in die Dunkelheit, die Runwayshow beginnt. Die kreativen Köpfe hinter Odeur wissen ganz offensichtlich, wie man mit wenig Mitteln ein Maximum an Wirkung erzeugt – und zwar nicht nur, was das Intro ihrer Show angeht.

Die Eröffnungslooks Herbst/Winter 2016/17-Kollektion von Designerlabel Odeur rufen Erinnerungen an den Filmklassiker Matrix hervor. Simple aber markante Schnitte, bodenlange Shirts, Mäntel und Röcke, all das in ausdrucksstarkem Schwarz gehalten. Die ersten Looks verdeutlichen, dass der klassische Odeur-Träger gerne durch schlichte aber ausdrucksstarke Outfits provoziert.

Die ersten Looks auf dem Runway erinnern an lässige Zukunftsmode mit Matrix-Flair.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Auf die ersten All-Black-Everything-Looks folgen Outfits mit weißen und blauen Farbhighlights. Mal schaut hier ein helles Oversized-Shirt unter einem übergroßen, kantigen Pullover hervor. Mal schmückt eine riesengroße, geometrische Applikation in Blau den Rücken einer Bomberjacke. Hierbei highlighten sowohl auf Shirts gedruckte als auch in den Stoff gewebte Geoprints die unterschiedlichen Looks. Insgesamt umhüllt die Kollektion ein Flair aus lässigem Modebewusstsein und eleganter Coolness. Dabei lockern All-over-white-Looks, zahlreiche Outfits mit transparenten Stoffeinsätzen sowie weich fallende, dezent schimmernde Stücke aus Seide die dunkle Zukunftsatmosphäre gekonnt auf.

Die Chefdesigner Petter Hollström and Gorjan Lauseger von Odeur meistern ganz offensichtlich die Herausforderung, eine Vielfalt an unterschiedlichen Stilrichtungen in ihren Looks zu vereinen. Dennoch bleibt jedes Outfit in sich, aber auch die Kollektion als Ganzes stimmig.

Be who you are: Odeur punktet beim Publikum nicht nur mit coolem Design, sondern auch mit einer Message zum Nachdenken!   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Damit noch nicht genug: Die beiden Designer der Kollektion haben sich nicht nur zum Ziel gesetzt, unique und dennoch tragbare High Fashion zu kreieren. Die Message hinter der Kollektion selbst richtet sich sowohl an seine Träger als auch an die Gesellschaft im Allgemeinen: Be who you are! Sowohl Same-Sex Modelpärchen als auch Mann und Frau gemischt erobern während Show immer wieder den Catwalk Händchen haltend und laufen im Gleichschritt ebenso selbstverständlich wie selbstbewusst am Publikum vorbei. Gesellschaftskritik in der so häufig als oberflächlich betitelten Modewelt wünsche ich mir für die Zukunft mindestens genauso sehr wie noch mehr Chic-Coolness made by Odeur.

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