MBFWB Spring Summer 2018

Dawid Tomaszewski: Viele Treppen bis in den Modehimmel

Von Franziska Gajek
06.07.2017 / 12:53 Uhr

Kein großer Laufsteg, keine Flutlichtbeleuchtung, kein Tamtam, keine stampfenden Beats. Nur Mode, ganz dicht am Himmel über Berlin. Designer Dawid Tomaszewski zeigt vor imposanter Kulisse seine Entwürfe für die Saison Frühjahr/Sommer 2018. In intimer Atmosphäre finden sich geladene Gäste, die so dicht an die Entwürfe herantreten können, wie nur selten. Mode zum Anfassen.

Die Schlange in Berlin Mitte ist lang. Und bunt. Auffallend stylish sehen die Blogger, Redakteure und Gäste von Designer David Tomaszewski mit ihren großen Statementohrringe, opulenten Carmenkrägen, bunt verzierten Blousonjacken aus. Und ungeduldig sind sie. Die Türen wollen einfach nicht aufgehen. Wer hier teaserndes Möchtegerngehabe zum auf die Folter spannen und Kalkül erwartet, liegt falsch. Der banale Grund: Ein kaputter Aufzug. Warum das wichtig ist? Weil Tomaszewski für die Präsentation seiner Kollektion einen Platz ganz nah an den Wolken wählt.

Zu viele Stockwerke kämpfen sich feine Damen keuchend hoch. Bis oben endlich eine Dachterrasse mit phänomenaler Aussicht über die deutsche Hauptstadt für die Mühen entschädigt. Der Berliner Dom, der Fernsehturm, Baukräne und Hochhäuser. Sie alle bilden eine atemberaubende Kulisse für Tomaszewskis neue Mode. Eine Kollektion, die dieser Location in jedem Punkt gerecht wird. Anmutig und grazil schreiten die Models über die schmale Terrasse, die Mode und Publikum nur durch ein schlichtes Seil voneinander trennen. Nicht einmal drei Reihen Menschen passen hintereinander auf die das Gebäude halbseitig umfassende Terrasse mit weißer Balustrade. Während die einen drinnen plaudern, zücken die anderen draußen Handys und Kameras und halten sie direkt vor die Nase der Models.

Das muss ein Designer erst einmal schaffen: Das Augenmerk des Betrachters auf die Mode zu richten, trotz nackter Tatsachen.   Copyright: Heidi Rondak

Aus dem Innenraum dringt schwere, beinahe epische Klassik nach draußen. Ansonsten wird die Show nur vom Klicken der Fotoapparate musikalisch untermalt. Von einer Show kann bei Tomaszewski allerdings nicht wirklich die Rede sein. Es wirkt eher wie ein kleines, privates Defillee. Die Models bauen in ihren langsamen Walk immer wieder Pausen ein, positionieren sich vor den Kameras. Drehen sich langsam, sodass jeder Faltenwurf, jede Paillette ihre verdiente Aufmerksamkeit erhält. Die Designs von Tomaszewski bestechen vor allem durch ihre Hochwertigkeit und die feine Materialauswahl. Ein bodenlanges senfgelbes Samtkleid, beidseitig gefärbte Flip-Pailletten, verarbeitet in einem langen Rock, ein taubenblauer Hosenanzug aus Satin – die Verbindung von Farben, Materialität und Styling strahlt die perfekte, nahbare Eleganz aus. Wiederkehrende, effektvolle Desins brechen die Kollektion auf. Sie verleihen ihr einen jugendlichen Hauch. Zahlreiche der Frühjahr/Sommer-Looks entblößen die Brüste der Models, die lediglich von reich verzierten Nippel Pats bedeckt werden. Doch von Anzüglichkeiten keine Spur. Die Nacktheit wirkt im harmonischen Styling der Models beinahe beiläufig und integriert sich ästhetisch in das Gesamtbild der Präsentation. Dawid Tomaszewski hat eine in sich völlig stimmige Kollektion geschaffen. Er zeigt Entwürfe, die kleidsam, elegant und ganz cotoure sind.

Schlichtweg Designs, die Lust auf Mode bereiten und den langen Treppenaufstieg zu einem der lohnenswertesten Klettereinheiten dieser Fashion Week machen. Denn wo sonst kommt man dem Modehimmel mal so nah.

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