Interview

Michael Michalsky: "Instagram ist elektronischer Hedonismus"

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
28.07.2017 / 11:02 Uhr

Mode ist Wandel. Berlin ist mein Leben. Social Media ist die Zukunft. Ich bin Michael. Das ist Michalsky in vier Sätzen. Kurz vor der Michalsky-Show im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin hat der Designer viel zu sagen. Wir treffen ihn zum Interview, hoch oben über den Dächern von Berlin. Im Hintergrund ragt die Skyline des Potsdamer Platzes empor und Michael Michalsky sitzt entspannt auf einem überdimensional großen Sofa. Unten in der Show-Location stellt das Team hektisch Zelte auf. Die Mitarbeiter tragen Equipment umher und sprechen Anweisungen in Head-Sets. Michalsky läutet bei der Berliner Modewoche mit seiner Electric Hedonism Show traditionell die Schlussglocke. Dafür braucht’s jedes Mal aufs Neue einen Höhepunkt.

styleranking-Redakteurin Franziska mit Michael Michalsky.   Copyright: styleranking

styleranking: Sind Sie aufgeregt?

Michael Michalsky: Nein, jetzt noch nicht. Erst in der letzten Stunde, weil ich dann kaum noch etwas beeinflussen kann. Ich bin ja ein Control-Freak. Und wenn der Tanker einmal Fahrt aufgenommen hat, kann man ihn nicht mehr anhalten.

styleranking: Gibt es ein Ritual, mit dem sie sich vor der Show einstimmen?

Michael Michalsky: Nö, einfach Musik an und los.

styleranking: Und am Morgen danach?

Michael Michalsky: Erstmal ausschlafen. Zur StyleNite gehört die legendäre StyleNite-Party, die inzwischen eine Institution ist. Diese Abende werden sehr lang. Außerdem habe ich die Woche vorher nonstop gearbeitet und daher eh ein Schlafdefizit.

styleranking: Wann lesen Sie die ersten Kritiken?

Michael Michalsky: Nicht direkt nach der Show. Ich bekomme ja ein Feedback von Gästen und Journalisten. Frühestens am Montag beschäftige ich mich mit der Presse.

styleranking: Gibt es eine Kritik aus den vergangenen Jahren, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Michael Michalsky: Ja, ich habe mich sehr gefreut, dass vogue.com im Januar 2016 einen tollen Artikel geschrieben hat und auch verstanden hat, worum es bei der Kollektion ging. Damals habe ich die Atelier Michalsky Show mit 3D Figuren inszeniert.

styleranking: Was könnten die Kritiker schlimmstenfalls zur Show für Frühjahr/Sommer 2018 sagen?

Michael Michalsky: Eigentlich nichts. Aber Mode ist subjektiv, da steckt man nicht drin. Es gibt keinen objektiven Bewertungsmaßstab für Mode, den man anlegen kann und wenn alles drin ist, war es eine einzigartig tolle Kollektion.

styleranking: Woher kommt die Inspiration?

Michael Michalsky: Ich reflektiere immer, wie Leute auf der Straße aussehen. Dazu kommen Jugendkultur und Musik. Ich setzte die Atelier Michalsky Kollektion in einen Kontext mit Popkultur. Ansonsten ist Social Media eine Inspiration. Instagram bedeutet elektronischen Hedonismus. Deshalb heißt die Kollektion auch so. Hedonismus ist eine alte griechische Philosophie. Wir sollen unser Leben lustvoll leben und nach dem Genuss ausrichten, um Leid zu vermeiden. Mit weniger Leid wäre diese Welt ein schönerer Platz.

Bis zur Show sind es noch ein paar Stunden. Michael Michalsky erzählt aber schon mal, was uns bei der Präsentation von Eletronic Hedonism alles erwartet.   Copyright: styleranking

styleranking: Sie haben als Germany’s next Topmodel-Juror miterlebt, wie Kandidatinnen zu Social Media Stars geworden sind. Wie erklären sie sich dieses Phänomen?

Michael Michalsky: Die erfolgreichsten Supermodels der Erde heißen heute Gigi Hadid oder Kendall Jenner. Die haben 35 oder sogar 82,2 Millionen Follower. Die Models wissen, dass Follower eine Währung sind. Kendall oder Gigi sind nicht einmal klassische Models. Sie kommen aus dem Entertainment-Bereich, sehen fantastisch aus und setzten sich als Digital Natives von diesen ganzen anderen Fashion Models ab. Das fasziniert mich. Ein Model ist heute mehr, als nur jemand der Kleider vorführt. Ein Model muss schauspielern. Ein Model ist vielleicht ein Werbegesicht. Ein Model agiert als Markenbotschafter und ein Model kann auch eine Meinung besitzen und damit zum Influencer avancieren. So wie Steffi Giesinger, die begeistert fast drei Millionen Follower mittlerweile.

styleranking: In den Reihen der Fashion Shows sitzen immer mehr Social Media Stars und Influencer neben klassischen Journalisten. Welche Gäste sind wichtiger?

Michael Michalsky: Grundsätzlich sind für mich alle Gäste gleich wichtig. Bei den Influencern gibt es genauso Qualitätsunterschiede, wie in den Printmedien. Aber das ist der Zahn der Zeit. Ich agiere sehr zukunftsorientiert. Mir ist es gleich, wenn die sich die Plätze streitig machen.

styleranking: Gibt es eine Lieblingsband oder einen Lieblingsmusiker?

Michael Michalsky: Naja, ich bin und werde immer ein absoluter Madonna Fan sein. Die Pet Shop Boys habe ich auch gerade erst wieder live gesehen. Das sind Idole aus meiner Jugend, den 80er Jahren. Außerdem bin ich großer Depeche Mode-Anhänger. Zur Electronic Hedonism-Show tritt SKOTT auf, eine ganz tolle Frau aus Schweden. Sie spielt elektronische Folk-Pop Musik und blickt auf auch eine ganz geile Geschichte zurück. SKOTT ist in einer Hippie-Kommune im Wald aufgewachsen und hat mit vierzehn Jahren das erste Mal eine Stadt gesehen und Popmusik gehört.

styleranking: Was hat sich in ihren Jahren als Modedesigner verändert?

Michael Michalsky: Mode hat sich in den letzten zehn, zwanzig Jahren radikal verändert. Ich arbeite am 25. September 25 Jahre nonstop als Designer und als ich anfing wurde nur in klassischen Printmedien über Mode berichtet. Später kam auf einmal das Fernsehen dazu, weil Mode zu Entertainment wurde. Und dann setzte die Demokratisierung in der Mode ein. Früher war Design mit einem hohen Preis verbunden. Heute gibt es die vertikalen Anbieter, die permanent neue Sachen auf den Markt bringen und es den Menschen ermöglichen, ihre eigene individuelle Sichtweise der Mode für wenig Geld auszuleben. Früher sind wir in eine Boutique gegangen, heute bestellen wir bei Onlineshops. Früher gab es bestimmte Sachen nur in bestimmten Teilen der Erde, heute gibt es alles überall. Das macht Modedesign gleichzeitig noch wichtiger und anspruchsvoller. Wir müssen viel in die Zukunft schauen.

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