MBFWB Winter 2017

Mit Dawid Tomaszewski auf Pauschalreise nach Marokko

Von Gabriela Keller
23.01.2017 / 16:00 Uhr

Die Art, wie Dawid Tomaszewski einen auf Spaziergänge führt, macht ihm in Berlin kein anderer Designer nach: Die Shows des jungen, polnischstämmigen Designers führen in fremdartige, schillernde Parallelwelten, in denen man leicht versinken kann. Statt seine eigene Kollektion vorzustellen, brachte er auf der Mercedes-Benz Fashion Week diesmal jedoch eine Capsule-Collection auf den Laufsteg, die er für das polnische Luxuslabel Patrizia Aryton entworfen hat – was es zu sehen gab, war deutlich gradliniger, schlichter, mainstreamiger als was man von ihm gewohnt ist - Dawid Tomaszewski light sozusagen.

Was fehlte: Das phantastische Element, die Spur von irrlichternder Vorstellungskraft, die ganz große Geste, die aus einer guten Show ein atemberaubendes Erlebnis macht. Was es auch diesmal gab: Anspruchsvolle Schnitte, hochwertige Materialien, makellose Eleganz. Dawid Tomaszewski hatte sich, nicht zum ersten Mal, von dem marokkanischen Hippie- und Jetsetter-Pilgerort Marrakesch inspirieren lassen. Das nordafrikanische Flair schwingt in locker fallenden Tuniken mit, die eine Raffung auf Taillenhöhe prägnant in Form bringt, in zart flatternden, hippiesken Kaftankleidern und in einem arabesken Print in Silber-Metallic, der sich über Shiftdresses, Sakkos und schmaler Zigarettenhosen zieht.

Die Models trugen ihre Haare wie achtlos zu tief angesetzten Zöpfengeschlungen, ihre Gesichter waren kaum geschminkt. Passend zu diesem Kaum-da-Styling gab es eine Menge klassischer, schmal geschnittener Hosenanzüge, scharf gegürtet mit großen Schleifen oder schmalen Gürteln, aus Seide oder aus Samt. Überhaupt hatte der „Stoff der Könige“ es Tomaszewski angetan: Samt von oben bis unten – das ist ein Schlüsselelement der Tomaszewski/Aryton-Kolletion: Ob schlichte, lange Kleider oder eben Hosenanzug: Das weiche, schimmernde Material gab den Entwürfen eine edle und zugleich griffige Qualität. Auch Mäntel spielten eine wichtige Rolle in der Kollektion, Trenchcoats aus wollig-wattigem Material, hinten hoch geschlitzt bis zwischen die Schulterblätter; bei den Tunika-Kleidern sorgten knotenähnliche Drapierungen im Lendenwirbelbereich für kleine Oha-Momente.

Dawid Tomaszewski stellt seine luxuriöse Winterkollektion für Patrizia Aryton auf der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin vor.   Copyright: Cosima Scholz/styleranking

Bemerkenswerter als die eher reduzierten Schnitte der Entwürfe aber ist die Kombination der Farben, übereinander drapiert im Lagen-Look: Eine ockrig-orangefarbene Jacke schmiegt sich an einen senfgelben Kurzmantel, ein karmesinroter Längsstreifen zieht seine Spur über eine saphirblaue Hose, eine moosgrüne Jacke schließt an ein granatrotes Shiftdress – Gewürz- und Juwelentöne ergänzen einander; ein irisierendes Farbspiel, das beschwingt und sentimental macht wie eine Sommernacht in der Medina von Marrakesch. Allerdings hat Dawid Tomaszewski seinen Glamour diesmal in die DIN-Normen gut verkäuflicher Konfektionsmode eingepasst: Die Kollektion ist sehr erwachsen, durchaus mit raffinierten Momenten, man könnte auch sagen: officetauglich, das kennt man von ihm sonst nicht. Während mit seinem eigenen Label mit Sternenantrieb auf Kurs zu unnahbar fernen Glamour-Galaxien aufbricht, schickt er seine erlesen betuchten Jetset-Odalisken diesmal auf Luxus-Pauschalreise nach Marrakesch – unter dem Strich ein gelungener Trip auf hohem Niveau, konventionell, aber solide, mit einigen Highlights, die in Erinnerung bleiben.

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