Abschied von Karl Lagerfeld

Modedesigner Karl Lagerfeld stirbt in Paris

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
19.02.2019 / 13:45 Uhr

Karl Lagerfeld ist tot. Der Chanel-Designer verstarb heute in Paris. Nach zahlreichen Berichten unabhängiger französischer Zeitungen bestätigt Chanel soeben selbst den Tod des Designers. Der 85-Jährige gebürtige Hamburger arbeitete seit 1983 für das französische Couture-Haus Chanel und befreite es erfolgreich von seinem angestaubten Image.

Bei der letzten Haute Couture Show im Januar 2019 war Lagerfeld nicht wie üblich am Ende der Show vor sein Publikum getreten. Spekulationen über seinen Gesundheitszustand hatten sich bereits zu diesem Zeitpunkt entsponnen. Nun sei Lagerfeld an den Folgen einer Krebserkrankung verstorben, wie verschiedene Medienportale berichten.

Seine Nachfolge steht bereits fest und heißt Virginie Viard, wie Chanel bestätigt. Sie gilt als enge Vertraute von Lagerfeld und verantwortete bis heute die Creation Studios von Chanel. Viard wird auch die kreative Leitung der Marke Karl Lagerfeld übernehmen.

2008 kooperiert Lagerfeld mit der Firma Steiff. Die limitierten Teddys im Lagerfeld-Look werden heute teuer gehandelt.   Copyright: MARGARETE STEIFF GmbH / KARL LAGERFELD © 2008

Lagerfeld und Chanel: Ein Nachruf

Frage jemanden auf der Straße nach einem berühmten Modedesigner. Die Antwort wird lauten: Karl Lagerfeld. Frage jemanden auf der Straße nach einem berühmten Modelabel. Die Antwort wird lauten: Chanel.

Kein Modeschöpfer, kein Modehaus erlangte in den vergangenen 30 Jahren eine derartige Popularität wie Lagerfeld und sein Chanel. Auch Menschen, die sich nicht im Dunstkreis teurer Couture-Entwürfe und gefeierter Modenschauen bewegen, wissen um die Bedeutung dieser beiden modischen Institutionen.

Der heutige Tag markiert einen tiefen Einschnitt in der bewegenden Beziehung von Lagerfeld und Chanel. Mit 85 Jahren stirbt der gebürtige Hamburger in Paris. Das Ausmaß der Lücke, die er hinterlässt, ist kaum abzuschätzen. Nicht für Chanel, nicht für seine treuen Kunden, nicht für Modebegeisterte auf der ganzen Welt, die in ihm eine Gallionsfigur für Stil und Erfolg sahen. Karl Lagerfeld wird fehlen.

Lagerfeld wird 1933 in Hamburg geboren. “Hamburg ist das Tor zur Welt. Aber eben nur das Tor”, soll seine Mutter einmal zu ihm gesagt haben. Den Jungen mit textiler Leidenschaft zieht es nach Paris. Dort absolviert er eine Lehre bei Balmain. Es folgt eine beispiellose Karriere.

Lagerfeld wird Chefdesigner bei Chloé und übernimmt 1983 schließlich die kreative Leitung der leicht angestaubten Maison Chanel. Sein Markenzeichen schon damals: Zopf, dunkle Sonnenbrille und ein leicht skeptischer Zug um den Mund. Seine kreative Extravaganz ist zu sehen und vor allem zu hören. Legendäre Zitate wie "Eine Frau ohne Stil hat auch in einem Kleid mit Stil keinen Stil" prägen das Bild eines Genies mit spitzer Zunge, der bald nur noch Kaiser Karl gerufen wird.

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It is with deep sadness that the House of CHANEL announces the passing of Karl Lagerfeld, the Creative Director for the CHANEL Fashion House since 1983. An extraordinary creative individual, Karl Lagerfeld reinvented the brand’s codes created by Gabrielle Chanel: the CHANEL jacket and suit, the little black dress, the precious tweeds, the two-tone shoes, the quilted handbags, the pearls and costume jewelry. Regarding Gabrielle Chanel, he said, “My job is not to do what she did, but what she would have done. The good thing about Chanel is it is an idea you can adapt to many things.” A prolific creative mind with endless imagination, Karl Lagerfeld explored many artistic horizons, including photography and short films. The House of CHANEL benefited from his talent for all the branding campaigns related to Fashion since 1987. Finally, one cannot refer to Karl Lagerfeld without mentioning his innate sense of repartee and self-mockery. Alain Wertheimer, CEO of CHANEL, said: “Thanks to his creative genius, generosity and exceptional intuition, Karl Lagerfeld was ahead of his time, which widely contributed to the House of CHANEL’s success throughout the world. Today, not only have I lost a friend, but we have all lost an extraordinary creative mind to whom I gave carte blanche in the early 1980s to reinvent the brand.” Bruno Pavlovsky, President of Fashion at CHANEL, said: “Fashion show after fashion show, collection after collection, Karl Lagerfeld left his mark on the legend of Gabrielle Chanel and the history of the House of CHANEL. He steadfastly promoted the talent and expertise of CHANEL’s ateliers and Métiers d’Art, allowing this exceptional know-how to shine throughout the world. The greatest tribute we can pay today is to continue to follow the path he traced by – to quote Karl – ‘continuing to embrace the present and invent the future’.” Virginie Viard, Director of CHANEL’s Fashion Creation Studio and Karl Lagerfeld’s closest collaborator for more than 30 years, has been entrusted by Alain Wertheimer with the creative work for the collections, so that the legacy of Gabrielle Chanel and Karl Lagerfeld can live on.

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Die Inszenierungen seiner Chanel-Kollektionen übertreffen sich jedes Mal aufs Neue. Mal installiert er einen vollständig bestückten Supermarkt, mal einen Eisberg oder den Nachbau des Eiffelturms im Grand Palais Paris. Das Wörtchen Limit scheint in Lagerfelds Wortschatz nicht zu existieren.

Seine Mode orientiert sich stets am Vermächtnis von Gabrielle Chanel. Mit sicherem Gespür greift er ikonische Elemente der Chanel-DNA auf und verwandelt sie Saison für Saison in ein Feuerwerk aus Schnitttechnik, Farbgebung und Handwerkskunst. Jedes Design nimmt er persönlich ab und verleiht ihm hingebungsvoll den letzten Schliff.

All die Entwürfe, Anekdoten und Erinnerungen an dieses unnahbare Genie werden bleiben. Vor allem aber hinterlässt Lagerfeld eine unmissverständliche Haltung zur Mode. Ihr obliegt nichts Oberflächliches, nichts Unnützes, nichts Lächerliches. Wir brauchen die Schönheit in dieser Welt, weil sie uns berührt. So wie Karl es als unverbesserlicher Ästhet 85 Jahre lang getan hat.

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