MBFWB Sommer 2018

Newcomer & Independent Labels: Alle Trends vom ersten Tag der Show&Order-Messe

Von Maria Panagiotidou
04.07.2017 / 19:38 Uhr

Elektronische Klänge ertönen aus den riesigen Industriehallen des ehemaligen Heizkraftwerks Mitte. Die Händler und Austeller stehen in den Startlöchern. Bereit dazu, ihre modische Ware an den Mann und an die Frau zu bringen. Leises Getuschel, konzentrierte Verhandlungsgespräche mit potenziellen Partnern aus China und der ganzen Welt, shoppingwütige Frauen im Kaufrausch und leises Gelächter füllen das aufwendig gestaltete Areal. Der Startschuss ist gegeben: Die Show and Order ist eröffnet.

Im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week findet vom 04.07-06.07.2017 im Kraftwerk bei Berlin Mitte die Messeveranstaltung Show and Order statt, bei der die Messeveranstalter unbekannten, aber auch etablierten Brands die Möglichkeit bieten, Womanswear, aber auch Schmuck und Accessoires einem breiten Publikum zu präsentieren.

Hippie-Wave: Die angesagte Frau von morgen liebt den Boho-Chic und träumt von exotischen Welten.   Copyright: styleranking

Betritt man die Ausstellungshallen der Messe erschlägt einen augenblicklich die Auswahl an knallbunten Kleidern, Blusen, Hosen, Halstüchern, Accessoires und vielem mehr. Getreu dem Motto "More is more" gibt sich der Großteil der Brands total lässig, jung und too cool for you. Der Boho-Look feiert zwar seit einigen Saisons sein Bestehen, in der Form hat man ihn jedoch lange nicht gesehen. Ausgelassen und ekstasisch feiert der Trend in die kommende Spring/Summer-Saison rein. Pink, Gelb, Blau, Orange und Lila knallen spielerisch aufeinander. Dazwischen geraten Pailletten, Strass und Steine. Doch damit ist nicht genug. Der neumodische Hippie-Wahnsinn - frisch aus Ibiza importiert - geht weiter. Und zwar auf Schuhen, Schmuck, Taschen und sogar Homeaccessoires. Der kommende Sommer ist ambivalent. Er bewegt sich zwischen mädchenhaft, verträumt und romatisch, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Es ist vor allem das Spiel mit dem Exotischen, das so reizvoll wirkt. Die Fashionista von morgen bleibt dennoch Cut-Outs und Off-Shouldern treu, trägt dazu verspielte Boots in Metallic-Optik oder Slipper mit Schleifchen und Strass.

Boho-Deluxe: Der Schmuck ist groß, auffällig und erstrahlt in Gold.   Copyright: styleranking

Unter dem Farb- und Musterzirkus fallen die modischen Teile der sympathischen Modedesignerin Juliet Dunn aus London auf. Ihr gelingt der Mix aus Bohèmian Chic, Luxus- und Wild-Girl. Die junge Modemacherin designt luxuriöse Resort- und Bademode für den ultimativen Sommer. Seit 2002 verfolgt sie die Visionen "Ost trifft West" und "Bohemian trifft Fashion" und setzt dabei auf Hochwertigkeit. Ihre handgefertigten Kaftane, Kleider, Blusen und Overalls tragen nicht umsonst Starletts wie Olivia Palermo, Beyoncé und Kate Hudson. Fragt man sie, an welchen Typ Frau sie ihre Mode adressiert, grinst sie nur breit und antwortet: "Meine Kleidung kann jede Frau jeden Alters tragen."

Modedesignerin Juliet Dunn im Einsatz: Auf der Show and Order präsentiert sie ihren Stand und überzeugt mit femininen Silhouetten und verspielten Details.   Copyright: styleranking

In Sachen Schmuck hat das Label "Hoffnungsträger. Made in Hamburg" die Nase weit vorne. Inspiriert durch die asiatischen Regionen Tibet und Nepal fertigt das junge Schmucklabel per Hand Ringe, Armbänder und Ketten an. Dabei fallen besonders die Buddha- und Elefantenanhänger in echtem Silber auf. Das Mantra für Mitgefühl "Om Mani Padme Hung" zieht sich wie ein roter Faden durch die Kollektion und steht für Frieden, Glück und Liebe.

Das Schmucklabel "Hoffnungsträger. Made in Hamburg" setzt auf coole Boho-Accessoires, die besonders ansprechend für junge, hippe Frauen sind.   Copyright: styleranking

Inmitten des überladenen und knallbunten Mode-Orkans wirkt das Modelabel Befouta Berlin wie die Ruhe vor dem Sturm, der Fels in der Brandung. Die sympathische Designerin Odile Gbaguidi stellt sich und ihr Label vor, wirkt gelassen, cool, authentisch. Die Namensgebung ihres Labels erklärt sie wie folgt: "Fouta" stehe für Handtücher und Kleidungsstücke aus dem südlichen und östlichen Mittelmeerraum, einem Stoff den sie unheimlich liebe. "Be" stehe für das englische Verb "to be". Gbaguidi kreiiert Kaftane und Tuniken aus Biobaumwolle. Ihre Kleidungsstücke sind clean geschnitten und kommen in ruhigen Tönen wie Beige, Grau oder Blau daher. An Mustern und Farbexplosionen geizt sie ganz bewusst. "We are ageless" raunt die Designerin. Ihr geht es darum Mode zu designen, von der ihre Kundinnen auch langfristig etwas haben.

Handgefertigte Kaftane und Tuniken aus Biobaumwolle: Befouta Berlin setzt auf nachhaltige Mode.   Copyright: styleranking

Gegen den Strom scheint auch das griechische Modelabel "Gaffer&Fluf" zu schwimmen. Minimalismus trifft auf romantischen Country-Chic: So in etwa beschreibt Katerina Vamvaka ihre Kollektion. Der jungen Fashiondesignerin geht es um das Yin und Yang in der Mode. Unter anderem auch um das Zusammenspiel von männlichen und weiblichen Komponenten. Auf ihre eigene Art und Weise interpretiert sie den Boho Look. Indem Vamvaka Volants und verspielte Drapierungen in den Looks integriert, erinnert sie daran, dass das androgyne Label auch verspielt sein kann. 2008 gründete sie das Label und produziert ihre Kollektionen in Griechenland.

Kontrastprogramm: Katerina Vamvaka setzt mit ihrem Label "Gaffer&Fluf" auf starke Kontraste.   Copyright: styleranking

Das unbemerkte Highlight der Messe ist und bleibt dennoch die Ausstellung "Opening Reception Hommage to Gianni Versace". Diesen Sommer jährt sich der Todestag des Italienischen Modezars zum 20ten Mal. Die Premium Group präsentiert auf dem Areal des Kraftwerks Berlin ca. 120 Versace Kleidungsstücke, die aus der privaten Sammlung von Alexandre Stefani stammen. „Mit dieser deutschlandweit exklusiven Ausstellung können wir ein Stück Modegeschichte zeigen und daran erinnern, dass Versace durch seine einzigartigen Designs die Mode wie kaum ein Zweiter beeinflusst hat“, sagt Anita Tillmann, Managing Partner der Premium Group. Damit behält sie Recht. Der Modedesigner Versace hat wie kein anderer die 90er Jahre geprägt und der Frau ein neues Bewusstsein für ihre Weiblichkeit verschafft.

Im Rahmen der Show&Order Messe ehrt die Premium Designer-Legende Gianni Versace mit einer Ausstellung.   Copyright: styleranking

Abgesehen vom reichen Kontrastprogramm, dass auf der Show&Order Messe herrschte, wird eines schnell deutlich. Der Großteil aller Designer setzt in der Zukunft auf Nachhaltigkeit. Sei es in der Beschaffung der Stoffe oder der Produktion der Klamotten und Accessoires. Green und Sustainable Fashion rückt in naher Zukunft in all unser Blickfeld und wird nicht mehr wegzudenken sein. Schön zu wissen, dass somit der erste Schritt getan ist.

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