Milan Fashion Week HW 2015

Nostalgie auf Italienisch: Die besten Laufsteg-Looks aus Mailand

Von Moritz Lindert
03.03.2015 / 00:00 Uhr

Ein Hauch von Nostalgie weht durch die kleinen Gassen von Mailand und über die Laufstege der Milan Fashion Week, die gerade mit großem Applaus zu Ende ging. Um die Mode voran zu bringen, blicken viele der italienischen Designer zurück und über 60 Modenschauen in sieben Tagen machen die Stadt zum Mekka der schönen Erinnerungen. Alessandro Michele gibt sein gespannt erwartetes Gucci Debüt, Prada rennt wieder allen davon und einstige Modesünden mausern sich zum neuen Trend auf den Runways. Nerd-Chic ist in und nochmal Kind sein zwingend erlaubt - das sind die besten Looks made in Italy.

Es heißt, man solle niemals etwas wegschmeißen, alles kommt irgendwann wieder. Hoffentlicht habt ihr alle noch eine Kiste mit euren alten Spielsachen auf dem Dachboden, denn zahlreiche Designer führen uns mit ihren Entwürfen zurück in die wohl schönste, bunteste und sorgloseste Zeit des Lebens: die eigene Kindheit. Drucke, so verspielt und süß wie ein Kindergeburtstag, knallige Farben aus dem Malkasten und Motivsweater wie aus dem Comicheft - nochmal klein sein, dieser Wunsch geht endlich in Erfüllung. Karl Lagerfeld lässt für Fendi den Latzrock in robustem Leder wieder aufleben und bei MSGM tragen die Jungs Strickpullover, bestickt mit kunstvoll wie kindlichen Roboter-Stickereien.

Nerdy Chic: Alessandro Michele beweist in seiner ersten Kollektion für Gucci ein Herz für gut gekleidete Außenseiter - mit Motivpullover und Ballonmützchen.   Copyright: Catwalkpictures

Giambatista Vallis Ready-to-wear Linie Giamba bricht den mädchenhaften Look geblümter Minikleider auf und kombiniert verruchte Netzstrumpfhosen. Bei Moschino setzt Jeremy Scott gewohnt schrill auf Lonney Toones und Basketballshirts. Auch Dolce und Gabbana denken zurück an glückliche Tage zurück: ihre Schau ist ein Liebesbrief an die größte Heldin der Kindheit, die italienische Mamma. Kindliche Zeichnungen und romantische Rosen verzieren Blusen und Mäntel und zum großen Finale werden die Models von den Allerkleinsten der D&G-Familie unterstützt.

Neil Barrett verschmilzt den eleganten italienischen Kaschmirmantel mit dem Parka eines urbanen Rebellen.   Copyright: Catwalkpictures

Bei all der Nostalgie beweist Alessandro Michele ein Herz für Underdogs. Der neue Chefdesigner bei Gucci feiert seine Laufsteg Premiere mit einer Hommage an die Nerds und Geeks der Siebziger, die Kinder mit Hornbrille, Retro-Pulli undbiederer Spitzenbluse. Durch lässige Silhouetten und Akzente aus Leder und Fell macht Michele den angestaubten Nerd-Chic auch für Gucci-Fans nach der Pubertät straßentauglich, ein geschicktes Spiel aus Ugly und Cool. Und weil dort wo die Nerds sind, auch die Raudis nicht weit sein können, setzen Philipp Plein, Neil Barrett und Just Cavalli auf Rockerbräute und düstere Typen. Mit Lederkluft und Streetball-Klamotten sehen sie aus wie die Art Kids, denen man früher lieber nicht allein auf dem Schulhof begenen wollte. Mit italienischer Grandezza hat das zwar nur noch wenig zu tun, doch ein wenig Rebellentum tut dem Mailänder Schauenplan sichtlich gut.

Miuccia Prada rennt dem Siebziger-Trend mit mädchenhaften Prinzess-Looks aus Neopren davon.   Copyright: Catwalkpictures

Und während andere Labels wie Salvatore Ferragamo und Marco de Vincenzo noch mit erdigem Braun, Rostrot und Senfgelb die Klaviatur der derzeit absolut angesagten Seventies-Mode rauf und runter spielen, ist Miuccia Prada mal wieder allen einen Schritt voraus. Sie hat den von ihr vor einigen Saison lancierten Siebziger-Look längst hinter sich gelassen und zeigt für den nächsten Winter damenhafte Kostüme, Kleider und Babydolls im Stil der späten Fünfziger. Stilikonen wie Jacky Onassis und Audrey Hepburn kommen in Pradas Revival aber in hochmodernem und mehrfach bedrucktem Techno-Neopren und zuckersüßen Pastellfarben daher. Rosé darf dabei nicht fehlen und zeichnet sich auch bei Marni, MSGM und Giamba als neue Trendfarbe für den Herbst ab, ob als Minikleid oder minimalistisch geschnittener Mantel.

Bei Canali wird die klassische Bundfaltenhose aus melierter Wolle zum Grobstrick-Pullover kombiniert.   Copyright: Catwalkpictures

Bei den Männern ist sie kaum vertreten, dafür aber eine andere alte Bekannte: die weit geschnittene Bundfaltenhose, auf die schon unsere Großväter schworen, ist wieder da und sagt der Skinny Jeans den Kampf an.Bei Jil Sander, Canali und Bottega Veneta ist die Herrenhose im nächsten Winter weit geschnitten und aus kuschelweicher Wolle und Kaschmir und wirkt damit luxuriös und modern. Nach dem Schwelgen in schönen Erinnerungen, lassen die zahlreichen Moderedakteure, Einkäufer und Fotografen die Mailänder Modewoche nun hinter sich und richten ihren Blick auf Paris. Die italienischen Designer sind sich aber einig: Früher war doch nicht alles schlechter.

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