MERCEDES-BENZ FASHION WEEK BERLIN SOMMER 2017

Odeur: Apokalyptische Sportbekleidung

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
30.06.2016 / 10:00 Uhr

Der nächste Sommer wird kalt, dunkel und ein bisschen ungemütlich: Was das schwedische Label Odeur auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin zeigt, lässt die Ahnung aufkommen, dass uns harte Zeiten bevorstehen: In der aktuellen Frühjahr-/Sommerkollektion des Design-Duos Petter Hollström und Gorjan Lauseger überwiegt monochromes Schwarz, auch Weiß und Grau brechen ab und an durch, scheinen die Düsternis aber eher zu betonen als zu erhellen.

Das Label Odeur steht für formelle Strenge, für einen kantigen, rohen Unisex-Stil, bei dem es keine großen Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. „Re-New“ ist der Titel der Kollektion. Das Design-Duo hat sich dabei eine weiße Leinwand vorgestellt, auf der nur noch ein paar Striche zu sind, Reste dessen, was vorher dort war. Es soll um die Leere gehen, die zwischen dem Ende des Alten und dem Beginn des Neuen steht. Herausgekommen ist eine Art sperrige Streetwear, die aussieht, als eigne sie sich bestens für die Zombie-Apokalypse.

Die Überlebenden auf dem Laufsteg haben sich in kastenförmige Jacken und Kurzmäntel gehüllt. Die festen, griffigen Stoffe scheinen wie gemacht, um feindseligen Umständen zu trotzen. Funktionale Elemente, Tunnelzügen, Metall-Reißverschlüssen und spitzen Krägen fügen den Entwürfen etwas Abwehrbereites hinzu. Als Gegengewicht kommen hauchzarte Elemente ins Spiel, die Verwundbarkeit ausstrahlen: Eine transparente Boxershorts, die über einer blickdichten Radlerhose weht, ein cremeweißes Bündchen, dass oben aus einer schwarzen Bermuda hervorlugt, eine Hotpants, die durch eine durchsichtige Tunika scheint, eine Hose, bei der schleierzarter Stoff an ein glänzendes schwarzes Material anschließt.

Odeur Frühjahr/Sommer 2017 auf der Mercedes-Benz Fashion Week.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking.

Die Models stapften zu lautem Techno-Getöse heran, auf ihren Gesichtern sind so etwas wie weiße Tribals gemalt. Grelles Scheinwerferlicht formt Lichtkreise ins Dunkel. Ein Flügel steht in der Mitte des Laufstegs, eine Sängerin singt daneben mit rauer Stimme traurige Lieder. Wirkung entfaltet vor allem der zurückgenommene Layering-Look der Entwürfe, das Zusammentreffen von zarten und harten Elementen, von matten und glatten Strukturen. Hinzu kommen subtil gesetzte Details, seitliche Schlitze an den Jacken, die Klappen auf den aufgesetzten Taschen.

„The sated day is never first. The best day is a day of thirst“, mit diesem Vers der schwedischen Dichterin Karin Boye überschreiben Petter Hollström und Gorjan Lauseger ihre Kollektion. Herausgekommen ist eine melancholische Studie von Licht und Schatten, ein grüblerischer, dunkler Moment.

Follow us