MBFWB Winter 2015

Paper London: Abendkleider mit Micky Maus-Ohren

21.01.2015 / 16:11 Uhr

Mit einer kühl kalkulierten, experimentierfreudigen Kollektion hat das Label Paper London einen kleinen großen Moment zwischen Puritanismus und Popkultur geschaffen. Hinter dem Namen steckt ein junges Duo, Chefdesignerin Kelly Townsend und Geschäftsführerin Phillipa Thackery – die aktuellen Preisträgerinnen des British Fashion Council Award gelten in ihrer Heimat als vielversprechende Newcomerinnen, die man unbedingt im Auge behalten sollte. Nun haben sie ihre Herbst/Winterkollektion auf der Berliner Fashion Week gezeigt, präsentiert von Elle und Mercedes-Benz.

Jede Saison bieten das Modemagazin und der Autobauer einem internationalen Nachwuchstalent eine Bühne, um seine Arbeit zu zeigen. Diese Show, die längst zum Standardprogramm gehört, zählt in schöner Regelmäßigkeit zu den Glanzpunkten der Berliner Fashion Week. Diesmal freilich fiel die Präsentation weniger bombastisch und überwältigend aus als bei den vergangenen Malen: Der Stil von Paper London ist von einer distanzierten Sachlichkeit geprägt, die man erst mal eine Weile auf sich wirken lassen muss.

Zu sehen gab es lange, gerippte Pullover mit Rollkragen in Kombination zu transparenten Dreiviertelhosen, Jeansoveralls mit hochgekrempelten Beinen, Bermudashorts, asymmetrische Oberteile, Hosenröcke und Schlauchkleider. Kelly Townsend hat sich bei den Entwürfen an Architektur und Möbeldesign des 20. Jahrhunderts orientiert; in den geschwungenen Linien der Kleider spiegelt sich zum Beispiel der Schwung von Eames-Chairs wieder. Die körperfernen, skulpturalen Schnitte der Eggshape-Mäntel fügten sich in die leicht abstrahierte Ästhetik des Labels.

Paper London schaffte mit seiner Kollektion eine gelungene Abwechslung zu den Berliner Designern.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Farblich beschränkt sich die Kollektion auf wenige, gedeckte Töne, Indigoblau, Beige, Schwarz, Weiß, dazu ein paar Kontrapunkte in hellem Mintgrün und leuchtendem Rostrot. Viele der Arbeiten waren von einer fast puritanischen Strenge geprägt, die da und dort etwas freudlos ausfiel. Im Laufe der Show aber erreichte das britische Label mit geometrischen Mustern und quietschsauberen Schnitten eine intellektuelle Tiefenschärfe, die man sonst auf dem Berliner Laufsteg nicht gewohnt ist.

Popkulturelle Einflüsse schufen dabei subtil-humorvolle Momente, etwa schwarze, sehr elegante Abendkleider, deren Dekolletés mit zwei runden Wölbungen bestückt waren, die verhalten aber unverkennbar an Mickeymouse-Ohren erinnerten. Die intellektuell anpruchsvolle Ästhetik von Paper London ist nichts, was einen auf den ersten Blick umhaut. Aber je länger man Kelly Townsends feinsinnigen Stoffexperimenten zuschaut, umso mehr kann man sich darin verlieren.

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