MBFW Winter 2016

Paris Achtundachtzig: Augustin Teboul zeigen modischen Freigeist auf Französisch

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
25.01.2016 / 13:00 Uhr

Alles Neu bei Augustin Teboul. Könnte man zumindest denken. Statt einer monochromen Präsentation gab es in dieser Saison eine Runway-Show mit knalligen Farbeinflüssen von den jungen Designerinnen Annelie Augustin und Odély Teboul. Seit der Gründung des deutsch-französischen Labels im Jahr 2011 arbeiteten Augustin und Teboul akribisch, ihr Designlabel mit einer unverwechselbaren Ästhetik zu verbinden. Dass das keinesfalls kreativen Stillstand bedeuten muss, bewiesen die Modeschöpferinnen nun in Berlin.

Wie in jeder vorherigen Kollektion von Augustin Teboul ist auch in dieser Saison Schwarz die farbliche Basis, auf der sich alle Looks der Modenschau aufbauen. Schwarz, als enges Minidress, in gelayertem und plissiertem Tüll, als Mantel in gestanztem Leder und Teddyfell. Die Nichtfarbe zieht sich wie Spinnweben über die blasse Haut der Models, verhüllt als Häkelkapuze ihr Gesicht und reicht bis hinunter zu den derben Doc Martens. Zum Gesang der französischen Sängerin Fishbach laufen sie durch die Reihen, das Haar zur einseitigen Punk-Tolle gesteckt, die nackten Beine mit Netzstrumpfhosen spärlich bedeckt. Diese Mädchen sind auf dem Weg in den Club oder kommen von dort, die Nacht gehört ihnen und der Geist von Rebellion und Aufrührertum steht ihnen ins Gesicht. Sie sehen so cool und lässig aus, dass man am Liebsten von seinem Platz aufspringen und mitmachen, die Faust in die Luft stoßen und "Vive la R´volution" rufen will. Aber dann lässt man es doch, weil man diesen Frauen lieber nicht in die Quere kommt, wenn sie ihre Tüllröcke raffend auf derben Sohlen durch die Nacht ziehen - aus Angst, sie könnten alles mitreißen, was sich ihnen in den Weg stellt.

Asymmetrische Tüllraffungen und Häkelornamentik bei Augustin Teboul HW16.   Copyright: Stefan Kraul

Da passt es mehr als gut, dass sich in die immerschwarzen Entwürfe von Augustin Teboul nun auch die knalligen Farben einer Partynacht mischen. Schemenhaft, so als wären sie mehr zufällig an den schwarzen Looks der Partygängerinnen hängen gebleiben. Stickereien und gehäkelte Lochmuster in Pink, Orange, Burgunder, Grün und Türkis wachsen an Kleidern und Jacken empor, durchwachsen die filigranen schwarzen Strukturen. Schultern und Corsagen werden mit Nieten verziert und fransige Mohair-Applikationen kommen dazu. Es entsteht ein Farbbild aus Glitter und Konfetti, bunt und ungeordnet, wie man es sonst vielleicht nach einer durchtanzten Nacht auf dem Discoboden sieht.

Lederjacke zum Netzkleid auf dem Laufsteg von Augutstin Teboul.   Copyright: Stefan Kraul

In alledem bleiben Augustin und Teboul sind selbst weiterhin treu und zeigen typische Signature Looks und beständige Themen wie Victoriana, Beadwork und Asymmetrie, aufgebrochen durch wilde, flackerhafte Farbstimmungen und Eighties-Punk-Referenzen. Der durchdringende Pop von Fishbach tut sein Übriges und transportiert diese Kollektion direkt auf die nächtlichen Straßen von Paris - französischer Freigeist zu Kleidern verstrickt.

Follow us