Der Star Fotograf im Interview

Fotograf Paul Ripke: "Ich hätte Bock mit Helene Fischer zu arbeiten"

Von Franziska Gajek
17.07.2019 / 15:47 Uhr

Paul Ripke gehört zu jenen Menschen, mit denen man gern befreundet wäre. Das dachten sich auch Musiker Marteria, Schauspieler Elyas M'Barek und Moderator Joko Winderscheidt. Von Marteria trägt Paul den Namen auf dem Rücken tätowiert, mit Joko produziert er den Podcast Alle Wege führen nach Ruhm. Eigentlich arbeitet Paul als Fotograf - mit noch mehr coolen Typen. Er fotografiert die deutsche Fußballnationalmannschaft während der WM in Brasilien und geht mit den Toten Hosen auf Tour. Jetzt lanciert er mit About You eine eigene Fashion Collection. Unser Favorit aus der PARI Kollektion: Ein Frotteekleid für Männer mit Katzenprint, genannt Toncho. Ironie beherrscht Paul.

Wir treffen Paul Ripke zum Launch seiner Kollektion auf der Dachterrasse des E-Werks mitten in Berlin. Paul trägt Birkenstocks und einen leuchtend grünen Pullover mit Katzenprint. Steht ihm irgendwie. Er bietet uns einen Platz an der Bierzeltgarnitur an, die mit tropisch anmutender Deko aufgehübscht wurde. Dort erfahren wir, was Paul von der Fashion Branche hält und wieso er im Podcast besser über seine Abstürze sprechen kann, als auf Instagram.

Redakteurin Franzi trifft Paul Ripke zum Interview in Berlin.   Copyright: styleranking

styleranking: Du hast in einem Interview gesagt, dass du nach der Maximierung der Ereignisdichte strebst. Kommt das hier deinem Wunsch nahe?

Paul Ripke: Momentan gibt's keinen Grund zu meckern. Gestern stand ich auf einem Laufsteg, danach war ich auf einem Event, heute feiere ich den Launch meiner Marke. Ein Ereignis folgt dem nächsten. Das macht mich sehr glücklich.

styleranking: Wird dir schnell langweilig?

Paul Ripke: Unfassbar schnell. Vor allem, wenn sich Ereignisse wiederholen, fühle ich mich gelangweilt. Deswegen fällt es mir schwer, Dinge durchzuziehen. Im Wiederholen bin ich richtig schlecht. Ich verspüre ständig den Drang, Neues auszuprobieren.

Squad Goals: Pauls Freunde Palina Rojinski und Elyas M'Barek gratulieren Paul zu seiner Kollektion für About You.   Copyright: Woody Woodsn

styleranking: Mit der Mode Branche betrittst du ein neues Metier. Was hälst du von dieser Welt?

Paul Ripke: Ich denke, der Begriff Mode drückt in meinem Falle zu viel aus. Ich habe einfach Klamotten gelauncht, die ich selbst gern anziehen möchte. Begriffe wie Kreator oder Designer sind zu weit gefasst. Entsprechend besorgt war ich, dass sich die Leute in der Branche von mir verarscht fühlen. Aber man sieht der Kollektion das Augenzwinkern an. Ich verarsche mich mit der Kollektion ein bisschen selbst und bin wahnsinnig froh, so positiv in die Modebranche aufgenommen zu werden. An meinem zweiten Tag in der Fashion Branche fühle ich viel Dankbarkeit. Ich musste bis jetzt wenig Kritik verkraften. Vielmehr kommen die Leute auf mich zu und erzählen, wie geil sie die Kollektion finden. Ich freue mich auf den Moment, jemand Fremden in meinen Styles zu sehen. Darauf wäre ich richtig stolz.

styleranking: Was in der Mode wirkt befremdlich auf dich?

Paul Ripke: Ich finde die Berufsbilder ziemlich spannend. Models müssen in ihrem Beruf ähnlich lange warten wie Fotografen. Ich schätze, dass mir mein Beruf ermöglicht, in andere Berufsfelder einzutauchen. Vor zehn Jahren konntest du ohne Lehre kein Fotograf werden. Heute kann ich als Fotograf anscheinend Klamotten machen (lacht). Ich dachte mir: Ich finde eine Katze gut und ich mag kurze Hosen. Das funktioniert anscheinend. Dann braucht es Menschen, die diese Ideen umsetzen. Ich sehe in der Mode-Branche viele Menschen, die sehr hart arbeiten. Hinter den Projekten steckt beeindruckende Detailliebe und jede Menge Fleiß. Befremdliches oder die klassischen Situationen, von denen ich gehört habe, sind mir nicht widerfahren. Ich wurde noch nicht angeschrien (lacht).

Unser absoluter Lieblingslooks aus der PARI Kollektion: der Troncho.

styleranking: Du hast gefeierte Bildbände publiziert, bespielst aber auch Instagram intensiv. Welche Rolle spielen die sozialen Medien in deinem Beruf?

Paul Ripke: Ich finde Instagram total geil. Jeder stellt dort seine Fotos ein, ob professionell geblitzt, authentische Schnappschüsse oder einfach Handyfotos. Je besser Smartphone-Bilder werden, desto näher befinden wir uns am Geschehen. Die Veränderung der Sache durch Technik schafft zwar Qualität, aber auch Distanz. Instagram lebt davon, ein Gefühl des Dabei-Seins zu vermitteln. Das empfinde ich als absolut positiv.

styleranking: Gehört Nahbarkeit zu deiner Arbeitsphilosophie?

Paul Ripke: Ich will Geschichten erzählen und transportieren, was ich erlebe. Meine Devise lautet: Je näher, desto authentischer. Ich möchte Menschen mitnehmen und die Distanz verringern. Das schätzen die Leute an meiner Arbeit als Fotograf. Bei einem emotionalen Sport wie Fußball lassen sich nahbare Momente besonders gut einfangen.
Mit meinen Fotos von der Nationalmannschaft haben sich die Spieler bei ihren Fans bedankt. Ich achte bei meiner Auswahl später auf diesen Aspekt.

Paul lädt in Berlin zum Grillen ein und hält Wort. Er brät eigenhändig Burger für seine Gäste.   Copyright: Woody Woodsn

styleranking: Fühlst du dich von Millionen Amateur-Fotografen auf Instagram unter Druck gesetzt?

Paul Ripke: Im Gegenteil: Ich finde es super! Am Ende zählt das Produkt. Wenn jemand meine Arbeit für weniger Geld von einem anderen Fotografen bekommt, finde ich das völlig in Ordnung. So blöd es klingt: Manche Nachwuchsfotografen oder Amateure können es besser.

styleranking: Du veröffentlichst mit Joko Winterscheidt einen Podcast und arbeitest damit ausnahmsweise nicht visuell. Was gibt dir dieses Medium?

Paul Ripke: Podcasts fühlen sich unglaublich authentisch an. Wenn ich spreche, gelingt mir Authentizität am besten. In meinem Podcast erzähle ich vom Scheitern. Ich kann dort berichten, dass ich besoffen war oder einen Fehler begangen habe. Auf Instagram lässt sich das schwer umsetzen. Bei einem Podcast rede ich den Menschen ins Ohr und kann über einen längeren Zeitraum Inhalte aufarbeiten. Ich finde es mega geil, die Zuhörer beim Sport oder auf dem Weg zur Arbeit zu begleiten. Im persönlichen Gespräch kann ich Nähe zu den Menschen herstellen und das liegt mir am Herzen. Ich bin 38 Jahre alt und möchte jungen Menschen Angst nehmen und ihnen Mut machen. Sie sollen Regeln brechen und Neues ausprobieren. Dafür eignet sich der Podcast perfekt. Dort kann ich erzählen, dass es keinen goldenen Schuss bei mir gab und dass ich mir jedes Mal Mühe geben muss.

styleranking: Denkst du, jungen Leuten fehlt Mut?

Paul Ripke: Das kann ich schwer beurteilen. Trotzdem beobachte ich viele junge Menschen, denen ich wünsche: Seid mutiger in eurem Job. Mit meinem Podcast möchte ich Menschen erreichen, die aus Angst ihre Träume unerfüllt lassen. Ich erzähle dort von eigenen Erfahrungen und davon, dass ich einfach losgelegt habe. Natürlich liefen Dinge schief, aber ich habe weiter gemacht.

styleranking: Warum sehen wir keine Geschichten vom Scheitern auf Instagram?

Paul Ripke: Social Media muss nicht vollumfänglich sein. Authentizität bedeutet: Echt in der Art und Weise. Die Sprache, die du auf Social Media sprichst, sollte authentisch sein. Das bedeutet nicht, dass du alle Sprachen sprechen musst. Ich finde, dass Instagram ausschließlich positiv bleiben sollte. Negative Gedanken gehören dort nicht hin.

styleranking: Wenn dir das nächste mal langweilig wird, auf welches neue Projekt hättest du Lust?

Paul Ripke: Ich hätte Bock mit Helene Fischer zu arbeiten, weil ich sie total cool finde. Ansonsten würde ich gern international arbeiten. Ich lebe zwar in den USA, arbeite aber wenig dort. Vielleicht kommt dort mal einer mit einer coolen Idee um die Ecke. Ansonsten schmiede ich nur kurzfristige Pläne. Ich weiß, was ich in zwei Monaten mache. Was in sechs passiert - keine Ahnung!

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Paul.

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