MBFWB Winter 2015

Pearly Wong: Ein düsterer Rückblick auf die 90er

20.01.2015 / 12:27 Uhr

Schnallen, Nieten, schwarzes Leder – was die malaysische Designerin Pearly Wong auf der Berliner Fashion Week präsentierte, sah ein bisschen aus, als hätte Lady Gaga gemeinsam mit den Jungs von Tokio Hotel einen asiatischen Low-Budget Science Fiction Film ausgestattet. Die junge Designerin hat ihre aktuelle Herbst-/Winterkollektion fast ausschließlich in schwarz-weiß gehalten und damit eine harte, kalte Ästhetik geschaffen, in der es um die Themen Futurismus und Funktionalität geht.

Zu industriellen Pling-Schrammel-Rums-Geräuschen schlichen die Models herein, mit Haaren, die aussahen, als wären sie gerade aus der Dusche gestiegen und gewaltigen Buffalo Plateau-Schuhen an den Füßen, wie man sie noch von 90er-Jahre-Technopartys kennt. Auch sonst sind in den Arbeiten der Malaysierin allerhand Zitate des Jahrzehnts von Golfkrieg und Rinderwahnsinn zu sehen: Bauchfreie Oberteile, voluminöse Formen, transparente Netz-Einsätze – die 90er sind definitiv zurück, wenn auch sehr viel finsterer, als man sie in Erinnerung hat.

Die Models trugen schräg verlaufende Miniröcke, oberschenkelhohe Lederstulpen an den Beinen, x-förmig drapierte Shiftkleider, Lackleder-Anzüge und Jacken, besetzt mit etlichen Halterungen, Taschen und Schlaufen. Die technoiden, apokalyptisch angehauchten Arbeiten wirkten in der Schnittführung vertrackt und komplex; so als hätten die Models die Teile nicht angezogen, sondern sich darin verheddert. Neben der Grundfarbe schwarz gab es allenfalls ein paar Abstecher in Richtung Anthrazitgrau und Eierschalweiß.

Welcome to the 90s: Die neue Kollektion von Pearly Wong.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Zu Nieten, Haltegurten, Haken und Ösen kommen riesige Reißverschlüsse, asymmetrische Säume und lammellenähnlich übereinander geschichteter Layerings. Bemerkenswert waren vor allem das Zusammenspiel der verschiedenen Materialien, glatter, glänzender Stoffe, schimmernder Hightech-Synthetik und eines krausen, rauer Stoffes, aus dem Pearly Wong weite Kleider und Pullover gefertigt hat. Mit ihrem strengen Gestus inszenierte die Malaysierin eine dunkle Studie, die nur so strotzte vor klugen Einfällen. Sicher – vieles davon gehört bei Designern, die experimentell arbeiten willen, zu den Standards – der Materialmix, die funktionalen Elemente, die Einflüsse irgendwo zwischen SM-Keller, Motorradwerkstadt, 90er-Jahre und Apokalypse. Trotzdem war das, was Pearly Wong in Berlin zeigte, eine überzeugende, stimmige Show, die man sich gern anschaute.

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