Berlin Fashion Week Fall/Winter 2018/2019

Perret Schaad setzen auf klare Designs und eine geheimnisvolle Inszenierung

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
19.01.2018 / 18:15 Uhr

Das hochherrschaftliche Kronprinzenpalais beherbergt auch in diesem Jahr zahlreiche Designs deutscher Modemacher. Auf der Prachtstraße Unter den Linden bildet das Palais den Mittelpunkt des Berliner Salons. In dessen Rahmen finden nicht nur die Gruppenausstellung, sondern auch zahlreiche Schauen statt. Odeeh, Marina Hoermanseder oder William Fan begeistern in externen Locations. Das Label Perret Schaad nutzt das eindrucksvolle Ambiente des Kronprinzenpalais selbst. Hier stellt das Designer-Duo seine Herbst/Winter 2018/2019 Kollektion in einer ausbalancierten Mischung aus Show und Präsentation vor. Eine Inszenierung, die von mehr erzählt, als nur der Mode in ihrem Zentrum.

Das große Rätsel vor der Show

Zu Beginn vieler Schauen zeichnet sich in Berlin das gleiche Bild. Die Türen der Location öffnen sich und zahlreiche VIPs, Journalisten, Fotografen und Kunden strömen hinein, eine Platzkarte in der Hand und den richtigen Platz suchend. Es dauert bis alle sitzen. Perret Schaad lösen dieses Szenario auf. In überschaubaren Gruppen werden die Gäste die imposante Treppe des Kronprinzenpalais hinauf in den zweiten Stock geführt. Dort öffnet sich im Abstand einiger Minuten eine geheimnisvolle Tür. Eine Menschentraube verlässt den Raum, eine neue erhält die Erlaubnis, ihn zu betreten. Was sich hinter der Tür verbirgt, bleibt bis zuletzt ein Rätsel.

Des Rätsels Lösung: Ein Raum mit hohen Decken und poliertem Parkett. Vor Kopf eine Tischreihe, auf der gegenüberliegenden Seite ein DJ-Pult. Nicht alle Zuschauer finden einen Sitzplatz, was ausnahmsweise einmal niemanden zu stören scheint. Als die Models den Raum betreten, legt sich eine bedächtige Stimmung über den Raum. Sie platzieren sich hinter der Tischreihe und beschreiben in Haltung und Anordnung ein uraltes Bild.

Die Models versammeln sich bei der Inszenierung hinter der Tischreihe und treten einzeln nach vorne.   Copyright: Andreas Rentz/Getty Images

Weniger Muster, mehr Effekt

Die Designerinnen Johanna Perret und Tutia Schaad inszenieren die berühmte Abendmahlszene, in deren Zentrum kein Messias, sondern die Mode steht. Designs, klar und geradlinig, schmücken in einem abgestimmten Farbschema ihre Trägerinnen, die einzelnd vor den Tisch treten und die Entwürfe für einige Sekunden von Nahem erfahrbar machen. Die Mode von Perret Schaad besticht durch die harmonischen Schnitte, die sich nah am skandinavischen Design bewegen. Eher körperumfließend als körpernah, leben die Looks von hochwertigen Materialien und schlichten Farbwelten. Muster gibt es bei Perret Schaad nicht zu sehen.

Dafür arbeiten die beiden Designerinnen mit aufwändigen Details wie einer übergroßen Schluppe an einer tief violetten Seidenbluse kombiniert zu einer grob gebürsteten grauen Marlene-Hose und silbernen Pumps. Im Zentrum der modischen Installation steht ein Look aus einem reinweißen, schmal geschnittenen Midikleid und einem rückwärtig drapierten bodenlangen Schal in zartem Blau.

Perret Schaad inszenieren schlichte und clean Looks, die durch Schnitttechnik überzeugen.   Copyright: Andreas Rentz/Getty Images

Perret Schaad setzen so gekonnt schlichte Materialien und anspruchsvolle Schnitte ein, dass ein harmonisches Gesamtkunstwerk entsteht. Das lässt weder provokante Details, mehr Haut noch wilde Muster vermissen. Perret Schaad überzeugen mit modischem Handwerk und einer Präsentation mit Intellekt. Geschickt setzt sich beim Betrachter langsam das Bild Leonardo da Vincis vom letzten Abendmahl zusammen und wird mit dem Blick auf das weiße Kleid im Zentrum der Kollektion geschlossen. Aus einem Raum mit einigen Tischen machen Perret Schaad eine Show mit Tiefgang. Genau so sollte eine adäquate Alternative zu üblichen Runway Shows aussehen.

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