MBFW Winter 2016

Perret Schaad: Urbane Weiblichkeit zwischen Natur und Kultur

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
25.01.2016 / 12:00 Uhr

Es muss ein eigentümlicher Anblick gewesen sein, als sich am Donnerstag die üblich-verdächtig aussehenden Gäste einer Berliner Modenschau unter die Kunden des Hellweg Baumarktes an der Yorckstraße mischten. Hardware trifft Software, Handtaschen und Hakendübel scheinen auf den ersten Blick ein mehr als ungleiches Paar. Doch das Design-Duo Perret Schaad liebt diese Gegensätze, die unscheinbaren Alltagsorte als Kulisse ihrer Mode. Das übersteigert Profane im Design, es ist ihr Leitbild. Mit ihrer Runway Show in der Holzabteilung des örtlichen Baumarktes schaffen es Johanna Perret und Tutia Schaad nun erneut, eine Brücke zu schlagen. In ihrer Kollektion für Herbst 2016 vermitteln die jungen Designerinnen zwischen Laufsteg-Mode und Baustellen-Ambiente, zwischen High-End und Work-in-progress.

Asymmetrische Obi-Gürtel über gerade geschnittenen Blusen und Kleidern prägen die Silhouette der Show, dazu werden lässige Bomberschnitte und weite Hosenformen kombiniert. Metallische Highlights in Gold und Silber bilden den Übergang zwischen rauchigen Blau- und Grautönen, warmem Khaki und Burgundy und einer zarten Pastellpalette in Rosé, Flieder und Mint. Ein Karomuster sorgt für derbe Anklänge im Défilé, wird auf semitransparenten Blusen und Slit-Röcken aber betont weiblich umgesetzt. Die einzelnen Stücke wie auch die gesamten Looks sind - typisch Perret Schaad - auffallend simpel, leben aber durch ihre Materialvielfalt und die Hochwertigkeit, mit der sie verarbeitet sind.

Klare Schnitte, metallische Details: Perret Schaad Herbst/Winter 2016.   Copyright: Arne Eberle press+sales

Immer wieder taucht in der Kollektion das Symbol des Eichenblattes auf. Als Brosche und Ohrring aus Filz oder mit Perlenstickerei verziert, schmückt es Hemdblusen, Gürtel und Jacken. Ein Sinnbild für Ursprünglichkeit und Natürlichkeit auf dem Untergrund einer grafischen und sehr Menschgemachten Kollektion. Das Organische trifft auf das Konzeptuelle, die natürliche Form auf den klaren, puristischen Schnitt bei Perret Schaad. Damit greifen die Designerinnen einen weit bedeutenderen Kontrast auf, als nur High Fashion und Baumarkt-Flair zusammen zu bringen. Ihre Entwürfe wandeln im Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur. Die sanften Farben eines Abendhimmels finden in der Kollektion mit der grauen Kühle einer Metropole zusammen, die edlen Materialien wie Seidencrêpe und Angora werden in geraden, strukturierten Schnittformen gebannt.

Urbane und funktionale Kleidungsstücke mischen sich mit elegant-femininen Formen.   Copyright: Arne Eberle press+sales

So fügt sich schließlich alles zusammen, was zuerst unvereinbar schien. Die Holzabteilung eines Kreuzberger Baumarkts als Kulisse für eine klare, symbiotische Weiblichkeit. Im Hintergrund reihen sich die Holzplanken, organisches Material in starre und verbaubare Formen gesägt. Davor drehen die Looks von Perret Schaad ihre Runden. In diesem Setting ist noch alles möglich, alles ist in der Schwebe. Aus diesem Holz kann noch alles entstehen, es ist nur der Anfang eines ganz eigenen Projekts. Und genau so ist es mit der Mode von Perret Schaad. Ihre Kollektion ist kein modisches Diktum, sondern eine Eröffnung von unendlichen Möglichkeiten, eine Zwischenform. Johanna Perret und Tutia Schaad wenden sich damit direkt an ihre Kundin und fragen einladend: Aus welchem Holz bist du geschnitzt?

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