Designer Interview

Perret Schaad: „Wir wollen jetzt was Neues entdecken”

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
29.05.2018 / 18:05 Uhr

Am 30. Mai öffnen sich die Türen des Studio Perret Schaad zum letzten Mal. Danach bleiben sie verschlossen. Die Designerinnen Johanna Perret und Tutia Schaad beenden ihre gemeinsame Karriere. Eine Meldung, die die deutsche Modewelt erschüttert. Mit effektvoll schlichten Designs überzeugen die beiden Designerinnen Saison für Saison auf der Berlin Fashion Week. 17 Kollektionen bringen Johanna und Tutia gemeinsam auf den Laufsteg.

Wir stellen den Designerinnen einige letzte Fragen.

styleranking: Wie habt ihr den Moment empfunden, als die Mitteilung vom Ende eurer Zusammenarbeit das Mail-Postfach verlassen hat?

Tutia: In diesem Moment wurde alles sehr konkret. Alle wussten plötzlich, dass wir aufhören. Das war aufregend.

styleranking: Hat sich die Entscheidung in diesem Moment richtig angefühlt?

Tutia: Wir haben so lange auf diesen Moment hingearbeitet. Aber trotzdem waren wir traurig, weil alles real wurde.

styleranking: Wie habt ihr beschlossen, eure gemeinsame Karriere zu beenden?

Johanna: Genauso wie wir beschlossen haben, gemeinsam ein Label in die Welt zu rufen. Wir saßen beim Frühstück.

styleranking: Gab es diesen einen Moment, der das Ende besiegelt hat oder redet ihr eher von einem schleichenden Prozess?

Tutia: Wir haben schon immer unser Business reflektiert. Es gab keinen Moment, in dem wir eine spontane Entscheidung getroffen haben.

Johanna Perret und Tutia Schaad geben im April 2018 bekannt, dass sich ihre Wege trennen. Das Label Perret Schaad ist damit erstmal Geschichte.   Copyright: Stuart C Wilson / Getty Images

styleranking: Warum endet Perret Schaad?

Tutia: Seit längerem ging es darum, wie wir und unser Label sich entwickelt. Für uns war es nun an der Zeit voran zu gehen. Wir wollen jetzt was Neues entdecken.

Johanna: Ich glaube auch, dass die Entscheidung für die Presse und unsere Kunden eine viel größere Überraschung war, als für uns selbst.

styleranking: Wie sind die Reaktionen ausgefallen?

Johanna: Die Reaktionen reichten von Entsetzen über Bedauern bis hin zu Trauer. Einige wollten es einfach nicht wahrhaben und haben versucht, uns davon zu überzeugen, weiterzumachen.

Tutia: Manche Kunden wussten nicht, wo sie sich in Zukunft einkleiden sollen. Viele Kundinnen haben für sich entdeckt, dass unsere Mode ihren Kleiderschrank mit der Natürlichkeit der Look stilistisch bereichert. Vor allem Kundinnen, die uns erst seit einer oder zwei Saisons kaufen, haben uns geschrieben. Sie sind sehr enttäuscht.

„Wir fanden es cool, diese männliche Szene mit Frauen nachzustellen"

styleranking: Warum war jetzt der richtige Moment, diesen Schritt zu gehen?

Johanna: Wir mussten entscheiden, ob wir die nächste Saison noch produzieren oder nicht. An diesem Punkt haben wir die Entscheidung getroffen, keine weitere Kollektion mehr zu designen. Die Fall/Winter 17/18 Kollektion war unsere letzte Präsentation.

styleranking: Diese Präsentation war eine Zusammenstellung von Kollektionsteilen. Haben die Leute geahnt, dass eine Veränderung ansteht?

Johanna: Tatsächlich nicht. Das liegt aber sicher daran, dass wie dieses Konzept schon in einigen Saisons vorher umgesetzt haben und es deshalb nicht besonders aufgefallen ist.

styleranking: Die Inszenierung hat die Abendmahls-Szenerie aufgegriffen. Habt ihr damit einen Hinweis geben wollen?

Johanna: Unser Team hat die Räumlichkeiten im Kronprinzenpalais gesehen und gesagt, dass dieser Saal sehr an Leonardo Da Vincis Gemälde vom letzten Abendmahl erinnert. Daraus hat sich die Idee entwickelt, die Kollektion auf diese Weise zu inszenieren. Wir fanden es cool, diese männliche Szene mit Frauen nachzustellen. Aber zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht klar, dass es die letzte Präsentation sein wird.

Zahlreiche Prominente tragen die Mode von Perret Schaad. Darunter findet sich auch Schauspielerin Hannah Herzsprung.   Copyright: Victor Boyko / Getty Images

styleranking: Welche sind die schönsten Momente, an die ihr euch gemeinsam zurückerinnert?

Tutia: Ich denke sehr gern an die Anfangszeit unseres Labels zurück, als wir noch nicht so etabliert waren. Zu Beginn waren wir so jung und naiv. Ich reflektiere auch gern die Castings und die Stunden im Atelier, als wir die Kollektionen entworfen haben.

Johanna: Ich denke viel an die Shows und die Finals. An den Moment, in dem man die komplette Kollektion Backstage auf einem Bildschirm sieht. Wir haben immer an sehr ungewöhnlichen Orten gezeigt, wie der Nationalgalerie oder im Krankenhaus.

styleranking: Was war der rote Faden in euren Kollektionen?

Tutia: Viele Kunden haben in unseren Entwürfen erkannt, dass schlichte Mode etwas besonderes braucht.

styleranking: Habt ihr Angst vor einer Zukunft ohne Erfolg?

Tutia: Nö, gar nicht. Mit Angst kommt man nicht voran. Wir haben ja auch nicht aufgehört, weil das Label ein Misserfolg war, sondern weil wir uns einfach entwickeln möchten.

Johanna: Es wird aber bestimmt anders sein in Zukunft.

„Als bekannt wurde, dass wir aufhören, haben uns tagtäglich Leute besucht"

styleranking: Werdet ihr der Mode treu bleiben?

Johanna: Ja, ich denke schon. Wir haben aber noch nichts konkretes geplant. In der Vergangenheit haben wir beide Kooperationen mit angrenzenden Branchen umgesetzt. Zum Beispiel im Produktdesign bei Schuhen oder Brillen. Außerdem haben wir Hotel Uniformen entworfen oder für Theaterstücke designt. Das sind ja alles kreative Projekte, die sich nah an der Mode bewegen.

styleranking: Wie soll es jetzt weiter gehen?

Tutia: Das wissen wir noch nicht. Wir sind aktuell sehr mit der Abwicklung von Perret Schaad beschäftigt. Bis zum Schluss misten wir Sachen aus. Als bekannt wurde, dass wir aufhören, haben uns tagtäglich Leute besucht. Alle haben versucht, noch Kollektionsteile von uns zu kaufen. Einige waren sogar jeden Tag da und haben geshoppt.

Johanna: Das haben wir während Perret Schaad immer gern gemacht. Mit privaten Kunden oder Schauspielerin haben wir Shopping Events umgesetzt und das führen wir gerade noch fort. Es fühlt sich wunderschön an, dass die Leute auch in Zukunft unsere Designs tragen werden.

Perret Schaad stehen mit ihrem Label für Avantgarde und schliches Design. Die beiden lernen sich im Design-Studium an der Kunsthochschule Berlin Weißensee kennen.   Copyright: Andreas Rentz / Getty Images

styleranking: Werden sich eure Wege in Zukunft noch einmal kreuzen?

Johanna: Wir wohnen sehr nah beieinander, deswegen laufen wir uns ständig über den Weg.

Tutia: Wir bleiben offen für alles.

styleranking: Welche letzten Worte möchtet ihr an eure Fans und Kunden richten?

Johanna: Oh, das klingt, als wären wir für immer weg.

Tutia: Vergangene Woche hat sich ein kleiner Fanclub von uns getroffen, mit Kundinnen, die unsere Mode lieben. Das finden wir toll. Wer also noch mitmachen möchte...

Follow us