PLATFORM FASHION Juli 2015

Perspektiven eines Personal-Shoppers: Fashion-Talk mit Sean St. Lewis

Von styleranking
26.07.2015 / 13:00 Uhr

London, Berlin, Marrakesch oder Bochum – von den bunten Straßen kommen für ihn die kreativen Impulse: Als Personal Shopper, Stylist und Designer kennt Sean St. Lewis aktuelle Trends wie seine Westentasche. Mit Leidenschaft kreiert der gebürtige New Yorker maßgeschneiderte Looks, die Persönlichkeiten in neuem Licht präsentieren. Er selbst beschreibt sich als visuelle Person durch und durch. PLATFORM FASHION sprach mit ihm über seinen scharfen Blick für Mode, über Kreativität und Herausforderungen in seinem Job.

Sean St. Lewis ist ein wahres Multitalent und kennt die Mode wie seine Westentasche.   Copyright: PLATFORM FASHION

Herr St. Lewis, die Modewelt ist seit vielen Jahren Ihr Zuhause. Was ist für Sie so spannend?

Fashion ist meine Passion und fasziniert mich seit jeher. Designer wie Balenciaga oder Halston haben eine ganze Generation von kreativ Schaffenden beeinflusst und einen Lifestyle geprägt. Es geht darum, immer wieder neue Ideen zu reflektieren, den Zeitgeist einzufangen. Spannend ist, wie aus all den Inspirationen Neues kreiert wird.

Sie schreiben einen Blog und waren als Chef- Designer und im Product Management tätig. Ein großes Spektrum. Kunst, Handwerk oder Geschäft – was ist der Motor für Ihr Schaffen?

Menschen begeistern mich. Menschen, die uns durch ihre Perspektive weiterbringen. So ist zum Beispiel Moschino-Designer Jeremy Scott ziemlich crazy. Ob man es liebt oder nicht, ist weniger relevant. In jedem Fall regt es zum Nachdenken an! Das ist in der Mode so, aber auch in Disziplinen wie beispielsweise der Architektur. Man nehme Zaha Hadid mit ihrer Kunstgalerie in Baku. Der Bau inspiriert mich durch klare Linien. So ein Stil ist auf die Mode übertragbar.

Mode ist heute vor allem ein hartes Business. Welchen Stellenwert haben Kreativität und künstlerische Konzepte dabei in Ihren Augen?

Heute ist es wichtiger denn je, dass diese Faktoren präsent sind. Sie sind Ausdruck eines klaren Unternehmensziels, symbolisieren die Vision. Dafür ist Steve Jobs ein gutes Beispiel. Man sieht das aber auch an der Arbeit von Tomas Maier für Bottega Veneta oder Miuccia Prada. Sie bleiben sich treu, egal, was kommt und glauben konsequent an ihr Produkt. Offenheit und Begeisterung machen das Metier glamourös, auch wenn die Arbeit oft hart sein kann.

In Berlin stehen Sie im Fashionhandel als Personal Shopper mit Rat und Tat zur Seite. Wie darf man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Kein Tag ist wie der andere. Das macht die Aufgabe so sehr interessant. Ob Luxus- oder Mittelsegment – ich bin in vielen Shops unterwegs. Ich informiere mich laufend über Marken, Silhouetten, Farben und Schnitte. Dieser Allround-Blick kommt mir auch als Stylist bei der Deutschen Welle zugute.

Personal Shopping wird immer populärer. In welcher Relation stehen da das Schaffen von Kaufanreizen und persönliche Beratung?

Ganz klar, es geht um den Kunden und seinen ganz persönlichen Lifestyle. Nicht jeder Look passt zu jeder Person. Ich schaue hinter die Kulissen eines Menschen. Welchen Beruf übt er zum Beispiel aus? So ist eine Architektin mal auf der Baustelle, mal im Büro. Es gibt aber auch Kunden, die einfach nur auf der Suche nach einem neuen Look sind. Allen gemein ist der Wunsch nach einem Aha-Moment. Dabei helfe ich, indem ich neue Farben, Texturen und Formen vorschlage. Zahlen spielen natürlich eine Rolle. Looks müssen zur Person und zum Portemonnaie passen.

Braucht es nicht seine Zeit, hinter die Kulissen eines Menschen zu sehen?

Es ist nicht immer einfach – meine Devise: schauen und sprechen! Wie ein Puzzle ergibt sich ein Profil. Das ist natürlich immer unterschiedlich. Wichtig ist aber das Ziel, das den Weg definiert. Das kann der Look für eine Hochzeit sein, einen Galaabend oder ein Vorstellungsgespräch. Oder aber neue Ausdrucksformen nach einer Lebenskrise. Eine facettenreiche Arbeit wie das Leben selbst. Und immer spannend.

Anekdoten aus Ihrem Arbeitsalltag gibt es bestimmt eine ganze Menge. Eine, die Sie nie vergessen werden?

Es gab mal eine Frau, die hat meinen Service als Geschenk bekommen. Sie hatte ein Jahr vorher einen schweren Unfall und war sehr krank. Mit ihr zusammen haben wir einen neuen Look gefunden. Ihr Lächeln am Ende war eine große Freude und ein großer Erfolg für mich.

Der Stylist berät Kunden großer Modehäuser.   Copyright: PLATFORM FASHION

„Ein Kleidungsstück soll ein bis zwei Leben haben.“

Für namhafte Größen wie Toni Gard oder P&C haben Sie auch designt. Gibt es Parallelen zu Ihren aktuellen Aufgaben?

Gutes Design, das Gespür, am Puls der Zeit zu sein und Stil. Meinen persönlichen versuche ich zu erhalten, unabhängig davon, welche Trends auf den Markt kommen. Ich stehe auf klassische, einfache Silhouetten. In jeder Saison lassen sich neue Highlights in die Garderobe integrieren. Meine These: Ein Kleidungsstück soll ein bis zwei Leben haben. Lässt sich die Bluse mit Lieblingsrock, Hose und Jeans kombinieren, war es ein gutes Investment.

Ihr absolutes Trendteil für die nächste Saison?

Pink, Fuchsia, Rosatöne und sehr mutige Drucke sind im Herbst/Winter angesagt. Auch Mäntel mit Applikationen, Brokat und kräftige, außergewöhnliche Farben dürfen sein.

Wie ehrlich ist die Branche? Da ist ein Kundenwunsch, der überhaupt nicht passt...

Besonders trendige Mode muss nicht Jedermanns Ding sein. Aber es macht Spaß zu sehen, dass sie stimuliert und inspiriert. Ich arbeite mit Herz und Seele und gebe einen Überblick über Trends. Ein Wunsch ist da, um so gut es geht erfüllt zu werden. Da gibt es manchmal echte Überraschungen, weil auf den ersten Blick ungewöhnliche Looks mehr Individualität geben. Wichtig ist, wie man einen Trend trägt! Und dass das Outfit glaubwürdig und stiltreu bleibt.

Kritik ist erlaubt. Was würden Sie an der Branche verändern wollen?

Ich wünsche mir mehr Offenheit und unterschiedliche Typen. Wir können nicht alle wie Joan Small oder Cara Delevingne sein. Aber trotzdem können wir einen unglaublichen Stil haben. Ich bin ein großer Verehrer der New-York-Times-Journalistin Suzy Menkes. Sie trägt nicht Größe 34, hat aber eine wahnsinnige Aura. Dann gibt es noch die neue Kampagne von Kate Spade mit Iris Apfel – eine fabelhafte reifere Frau mit Stil... und ja, Ausdruckskraft.

styleranking ist Content-Partner von PLATFORM FASHION. Unsere Crew berichtet von den Modetagen und hält euch über die Events und Schauen auf dem Laufenden. Außerdem findet im Rahmen der PLATFORM FASHION auch wieder ein FashionBloggerCafé statt, zum ersten Mal als Breakfast-Special, bei dem ausgesuchte Blogger die Möglichkeit haben zwei Modedesigner kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen.

Follow us