Designer Interview

Porsche Design x Puma: Die Kreativdirektoren über Influencer-Inspo und den Athleisure Trend

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
01.03.2019 / 16:56 Uhr

Porsche Design steht für Luxus, hochpreisige Innovationen und zeitlose Eleganz. Puma hingegen greift aktuelle Trends auf und platziert bunte, laute Designs im Markt für Sportswear. Passt das zusammen? Die beiden Brands sagen ja.

Gemeinsam lancieren Puma und Porsche Design ihre erste gemeinsame High End Sportswear-Kollektion. Gefeiert wird mit Magic Fox, Konstantin und Dee Jaxon auf einer großen Influencer Party im Kühlhaus Berlin. Haben diese Gäste und ihre Arbeit als Influencer Einfluss auf das Design der neuen Kollaboration? Wir haben Torsten Hochstetter, Global Creative Director bei Puma und Roland Heiler, Leiter der Porsche Design Studios gefragt.

Redakteurin Franzi trifft Torsten Hochstetter, Global Creative Director bei Puma und Roland Heiler, Leiter der Porsche Design Studios, in Berlin zum Interview.   Copyright: styleranking

styleranking: Werden die Designs der Porsche Design X Puma Kollektion von Automodellen inspiriert?

Roland Heiler: Es finden sich versteckt einige Porsche Elemente. Die Performance-Teile haben wir mit orangenen Pop-Streifen im Muster versehen. Wer diesen Print genauer studiert, erkennt die Silhouette der Porsche Autos darin.

styleranking: Wie konnten Ihre Brands voneinander profitieren?

Roland Heiler: Wir gewinnen durch zwei Benefits: Die jüngere Zielgruppe und das Joyfull Element. Das beschreibt die spielerische, farbige Herangehensweise an die Designs. Da ist Porsche etwas formeller und dogmatischer aufgestellt. Die Lebendigkeit tut uns gut. Die Mind Sets der beiden Unternehmen ähneln sich allerdings sehr.

Torsten Hochstetter: Wir konnten unseren Blick für zeitloses Design schärfen. Porsche Designs beherrscht das Industrial Design und kann die hohe Qualität jedes einzelnen Teils gewährleisten. Zudem fokussiert sich Porsche Design auf zeitlose, unabhängige Kollektionen. Da haben wir uns im Design-Prozess in der Mitte getroffen.

Die Kollektion richtet sich nur an Männer und Shirts, Jacken und Schuhe.   Copyright: Puma X Porsche Design

styleranking: An welchen Mann richtet sich die Kollektion?

Torsten Hochstetter: Wir haben die Designs für einen Mann entworfen, der den ganzen Tag gut angezogen sein möchte. Die Kollektion offeriert die Option, in der Stadt, im Büro und beim Sport gut auszusehen. Wir haben Aktivteile entworfen, die sich dem sportiven Bereich zuordnen lassen. Andere Elemente funktionieren im Lifestyle.

Roland Heiler: Der Träger präsentiert sich als Performer. Es verlangt viel von sich, aber auch von den Dingen, die ihn umgeben. Er erwartet Qualität und Performance und führt einen aktiven Lifestyle.

styleranking: Spielen Influencer eine Rolle bei der Definition des Zielkunden?

Torsten Hochstetter: Wir müssen unseren Konsumenten in all seinen Facetten verstehen. Ein wesentlicher Teil seines Lifestyles besteht aus Social Media. Das spielt natürlich eine Rolle für uns. Eine größere Bedeutung nehmen aber der Anspruch an Style und Qualität ein. Social Media spielt für das Produktdesign eine Nebenrolle. Instagram definiert nicht unser Designs.

Das Kampagnenmodel heißt Gilles Souteyrand.   Copyright: Puma X Porsche Design

styleranking: Schauen Sie sich Influencer zur Inspiration an?

Roland Heiler: Ich folge vielen Influencern aus Bereichen von Autosport bis Fashion. Darunter finden sich immer wieder Persönlichkeiten, bei denen ich zwei mal hinschaue. Unbewusst beeinflusst das bestimmt den Design-Prozess, zum Beispiel wenn es um die Farbpalette geht. Aber Designer werden von Influencern nicht zu etwas völlig neuem inspiriert. Es erscheint mir eher umgekehrt.

styleranking: Gilt diese Aussage auch für Puma? Ihr zeigt schließlich viele Social Media Stars, wie Cara Delevingne oder Selena Gomez auf eurem Instagram Account.

Torsten Hochstetter: Wir schauen uns in erster Linie an, was die Influencer inhaltlich bieten. Wir verfolgen sehr genau, welche neuen Ideen die Stars entwickeln, wie sie sich vielleicht auf dem Gebiet der Fotografie oder in Ausstellungen verwirklichen. Diese inhaltliche Komponente dient uns als Inspiration. Wir organisieren zudem Speaker-Veranstaltungen für unser Design Team, zu denen wir Leute aus Architektur, Film oder Fotografie einladen, um uns inspirieren zu lassen. Wir halten unsere Augen immer offen. Social Media funktioniert dabei als Tool. Der Inhalt zählt.

styleranking: Empfinden Sie die omnipräsente Inspiration durch Instagram, Pinterest und Co. als Fluch oder Segen für ihre Arbeit?

Roland Heiler: Wenn wir uns diese Dinge anschauen, müssen wir die Inhalte filtern. Eine stabile Marke mit einer stabilen DNA wird in jeder Kollektion ihrer Charakteristika abfragen. Wir prüfen in einer evolutionären Form, ob wir uns selbst treu bleiben und den Kern der Marke erhalten. Deshalb agieren wir weitestgehend immun gegen diese Flut von Inspiration.

styleranking: An welchem VIP würden Sie die Designs gerne sehen?

Roland Heiler: Schauspieler Ryan Gosling würde toll zur Marke passen. Ihn kann ich mir in jedem einzelnen Kleidungsstück vorstellen.

Torsten Hochstetter: Ich freue mich immer, wenn Athleten von unseren Kollektionen inspiriert werden. Davie Selke von Herta kam auf mich zu und sagte: “Hey, die Styles sehen einfach sensationell aus”. Sportler zu begeistern bedeutet, dass wir dem Kern der Marke treu bleiben und gleichzeitig durch innovative und stylische Arbeit neue Leute für die Marke gewinnen.

Launch der Kollektion ist der 1.März 2019.   Copyright: Puma X Porsche Design

styleranking: Das Thema Athleisure Wear beeinflusst die Mode maßgeblich. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?

Torsten Hochstetter: Alle wissen, dass Sport gesund ist. Sport verhilft uns zu einem längeren und gesünderen Leben. Spaß gibt’s obendrauf. Speziell für Frauen geht’s nicht ums Gewinnen, sondern darum, Spaß zu haben und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Außerdem beinhaltet dieses ganze Athleisure-Thema auch eine sexy Komponente. All das prägt unsere Gesellschaft gerade.

styleranking: Sportkleidung sitzt auch bequem. Mag es unsere Gesellschaft vielleicht einfach gemütlich?

Roland Heiler: Ich glaube, dass wir diesen Aspekt bedenken müssen. Wir sind gesellschaftlich freier geworden und unterliegen weniger Konventionen oder formellen Vorschriften. Das empfinde ich als großartige Entwicklung. Vor 15 Jahren wäre kein Moderator ohne Anzug im TV aufgetreten. Heute findet sich jede erdenkliche Kombination in den repräsentativen Sendungen. Das gilt auch für große Firmen. Wenn sie vor zehn Jahren den CEO eines DAX Unternehmens gesehen haben, hatte der zu 100 Prozent eine Krawatte zu seinem maßgeschneiderten Anzug an. Heute trägt er ein offenes Hemd mit Sneaker. Die Mode hat sich liberalisiert.

styleranking: Vielen Dank für das Interview.

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