BFW Winter 2015

Premium Young Designers Award: Farbkunst, Fossilien und edle Taschen

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
21.01.2015 / 09:30 Uhr

Junge Köpfe braucht das Land: Während große deutsche Labels miese Zahlen schreiben, setzt die Premium Messe in Berlin auf frische Ideen. Wie in jeder Saison verleiht die High-Fashion Trade Show den Premium Young Designers Award an aufstrebende Marken, die mit ihrem Designkonzept zu überzeugen wissen. In der neuen Messehalle 8 wurden die internationalen Gewinner der Herbst/Winter Saison 2015 nun beim lockeren Get-together dem Fachpublikum präsentiert.

Glückliche Gewinner: Julia Rieth und Detlef Stiebich vor der Präsentation ihrer Taschenkollektion, in Verbindung mit den prämierten Womenswear-Entwürfen von Steinrohner.   Copyright: styleranking

Steinrohner, Guillem Rodríguez und Stiebich&Rieth heißen sie und sind seit Montag um eine bedeutende Auszeichnung reicher. Bereits zum 20. Mal wählt die Berliner Modemesse in den Kategorien Womenswear, Menswear und Accessoires die vielversprechendsten Brands aus und Messechefin Anita Tillmann und ihr Team beweisen dabei ein trendsicheres Auge. Vorjahres-Gewinnerin Marina Hoermanseder gehört mit ihren orthopädisch inspirierten Lederkollektionen bereits nach zwei Saisons zu einer der spannendsten Impulsgebern der Berliner Modewoche. Schließlich bietet die Premium ihren Jungdesignern nicht nur eine äußerst prominente Plattform, sondern fördert sie auch in der kommenden Saison tatkräftig mit. Mit der Kollektionspräsentation im Rahmen des ersten Messetages beginnt also auch für die diesjährigen Gewinner eine mitunter aufregende Reise.

Winner Accessoires: Stiebich&Rieth - luxuriöse Ledermonumente

Die grafischen Designs aus hochwertigem Glattleder bei Stiebich&Rieth gewinnen den Accessoire-Award.   Copyright: styleranking

Dabei sind Julia Rieth und Detlef Stiebich eigentlich schon alte Hasen im Designatelier. "Wir arbeiten bereits viele Jahre zusammen und gründeten 2004 unser gemeinsames Designbüro", erzählt die in Hamburg ansässige Accessoire-Schöpferin über sich und ihren ebenso erfahrenen Geschäftspartner. Die ersten gemeinsamen Handtaschen entstanden aus der Laune heraus, nun glänzt das Accessoire-Label Stiebich&Rieth mit vollendeten Modellen aus festem Glattleder. Grafisch, fast monumental wirken die Stücke in gedecktem Bordeaux, Schiefer und Flaschengrün. Dass das vegetabil gegerbte Leder nur mit der Hand vernäht werden kann, ist dabei ebenfalls dem Zufall geschuldet. "Das von uns ausgesuchte Leder lässt sich anders einfach nicht verarbeiten", erklärt Julia Rieth die charakteristischen Steppnähte der gezeigten Shopper, Clutches und Hobo-Bags. Auf der Premium lässt gerade diese Liebe zum handwerklichen Detail die Taschen von Stiebich&Rieth hervor stechen.

Handwerk im Detail: Im Zweinadel-Verfahren werden alle Taschen von Stiebich&Rieth handvernäht.   Copyright: styleranking

Winner Womenswear: Steinrohner - Steinzeit trifft moderne Grafik

Auch die gemeinsame Geschichte des jungen Labels Steinrohner beginnt bereits viel früher. Schon im zweiten Semester ihres Modedesign-Studiums lernen sich Inna Stein und Caroline Rohner kennen, 2013 gründen sie ihre eigene Womenswear-Marke: Steinrohner, ein Kunstwort aus ihrer beider Nachnamen, wäre auch ein sehr treffender Titel für die fossilen Inspirationen, die die Jungdesignerinnen zu ihrer prämierten Kollektion bewegten. "Aus versteinerten Objekten und Felsstrukturen haben wir eigene Prints entwickelt", beschreiben Rohner und Stein ihre Arbeit. Anschließend wurden die zart bedruckten Stoffe mit modernen Lasercut-Techniken in bewegte Formen gelegt. Die sportlich geschnittenen Bomberjacken, Shirts und Hosen gewinnen durch diese aufwändige Drappage zugleich an Tiefe und Leichtigkeit - und werden zusammen mit Techno- und Wollmaterialien preiswürdig.

Inna Stein und Caroline Rohner übertragen mit ihrem Womenswear-Label organische Drucke auf gelaserte Oberflächen.   Copyright: styleranking

Winner Menswear: Guillem Rodríguez - Abstraktion zwischen Mode und Kunst

Für Guillem Rodríguez ist es dagegen nicht die erste Auszeichung, der spanische Modeschöpfer durfte sich bereits mit 23 Jahren über verschiedene Design-Preise seines Heimatlandes freuen. Der Premium Young Designers Award im Bereich Menswear ist für ihn und sein in Barcelona ansässiges Label dennoch ein wichtiger Schritt auf das internationale Modetableau. Mit klaren Formen und starken Gelb- und Blautönen überzeugte der junge Spanier die Premium. Inspiration findet er in abstrakter Malerei. Seine Westen und Mäntel erinnern uns an stoffgewordene Gemälde von Mondrian und Kandinsky und begeben sich damit auf eine spannende Gratwanderung zwischen Mode und Kunst.

Guillem Rodríguez zeigt stolz seine preisgekrönte Menswear-Kollektion aus Barcelona.   Copyright: styleranking

Farbkunst, Fossilien und handvernähte Ledermonumente sind es, die während des 20. Premium Young Designers Awards Hoffnung auf mehr machen. Nach der Messepräsentation in der aktuellen Saison werden die Kollektionen im Winter in den Schaufenstern der Galeries Lafayette auch den Kunden vorgestellt. Dann wird sich zeigen, ob sich aus tollen Designkonzepten eine steile Karriere entwickelt. Zusammen mit der Premium wäre es jedenfalls nicht das erste Mal.

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