BERLIN FASHION WEEK SOMMER 2017

Rebekka Ruétz: Über das „Rock“ in Barock

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
30.06.2016 / 11:15 Uhr

Fotos von Cosima Scholz

Wenn barocke Märchenprinzessinnen mit goldenem Glam-Rock Make-up über den Laufsteg schreiten, ist Rebekka Ruétz sicher nicht weit. Die österreichische Designerin liebt präzise und ausgeschmückte Inspirationen für jede ihrer Kollektionen. Ob Mittelalter-Mystik, exotische Frida Kahlo Looks oder Marie Antoinette Attitüde – Ruétz erschafft komplexe Welten. Im Sommer entführt sie uns ins Tirol des 18. Jahrhunderts – und schlägt von dort einen Bogen zum Rock’n’Roll.

Weiblichkeit und Verspieltheit schreibt Rebekka Ruétz in der kommenden Saison besonders groß. Sie zeigt Rüschenkleider, über Reifröcken drapiert, Röcke mit Volants und Shiftdresses mit romantisch ausgestellten Ärmeln. Blasse Peach- und Grautöne verbinden sich mit dunklem Grün und Blau, von Schwarz und goldenen Borten hart konturiert. Statische Silhouetten aus Tonnenröcken und geknoteten Tops reihen sich im Defilée mit weiten und fließenden Formen ein.

In den Looks finden sich aber auch immer wieder kernige Elemente. Lederblenden an Jacken und Sommermänteln, grafisch geschnittene Tops, asymmetrische Schnittführungen, Glam-Rock Accessoires. Ruétz legt ihre Kollektion im Spannungsfeld dieser beiden Einflüsse an, mischt verspielte Rokoko-Romantik mit schrillen oder bohemen Details. Zeitgenössische Gemälde des 17. und 18 Jahrhunderts aus dem Schloss Ambras in Innsbruck verwandelt sie in plakative Digitaldrucke, mit denen sie Kleider und Jacken überzieht. Andere Prints imitieren französische Seiden und Jacquards mit floralen Ornamenten. Vom ausladenden Reifrock bis zur geschnürten Stiefeletten orientiert sie sich eng an den Moden und Silhouetten des Barock und Rokoko.

Wenn Ruétz diese Referenzen mit Ethnomustern und grafischen Faltungen kombiniert, wenn sie das historisch korrekte Bild mit modernen und ungewohnten Details bricht, gelingt der Look. Manchmal aber scheint die Designerin zu stark von ihrer Inspiration dominiert. Vielleicht ist das der Grund, warum es auch nach zahlreichen Berliner Saisons (Ruétz zeigt in der Hauptstadt seit 2011) dennoch schwer fällt, die Identität ihres Labels zu benennen. Manchmal sind die Bilder, die Ruetz heraufbeschwört so stark, dass ihre eigene Signatur dahinter verschwindet.

Da tut es der Kollektion gut, wenn Ruétz zuckerschock-süße Blumendrucke mit abstrakten Street-Art-Mustern vermengt. Mädchenhafte Geschichtsbuch-Romantik, die auf irisierende Pailettenstoffe, goldene Statement-Gürtel und knallige Digitaldrucke treffen, das ist ein Cocktail der knallt. Dann fügen sich auch Klöppelspitze und Leder-Cut-Outs zusammen wie Champagner und Horsd’œuvre. Dann wird Marie Antoinette plötzlich ein Glam-Rock-Groupie. Zum Finale singen The Subways ihren Hit Rock’n’Roll Queen! Das passt, denn bei Hofe hätten sie an diesen Outfits sicher ihre Freude.

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