MBFW Sommer 2018

Rebekka Ruétz entführt uns in das Modeland der unbegrenzten Möglichkeiten

Bettina-Isabelle Müller
Von Bettina-Isabelle Müller
07.07.2017 / 11:03 Uhr

Fotos von Cosima Scholz

Wie war das noch gleich mit besagter Pralinenschachtel, deren Inhalt man vorher nur schwer erahnen kann? Genau so verhält es sich bei den Kollektionen der Tiroler Designerin Rebekka Ruétz. Der spannungsgeladene Zuschauer weiß nie so ganz genau, was ihn erwarten wird. Zeichnet sich die Modeschöpferin doch durch eigenwillige Materialmixe und künstlerisch-kreative Entwürfe aus. Im Fokus steht durchgängig eine selbstbewusste Frau, stilisiert zur modernen Großstadtamazone mit immer anders gesetztem Interpretationsspektrum. Zudem verfügen die Entwürfe über beruhigend-ausgleichende Effekte. Überzeugt von der positiven Heilwirkung traditioneller Chinesischer Medizin, bringt Ruétz auf der Innenseite der Kleidung Chakren-Drucke an, die wichtige Energiezentren stimulieren sollen.

Von rockigem Sound begleitet präsentieren sich die ersten Models. Bunt gebatikte, weite Männerhemden, Trägerkleider mit rüschig eingesäumten Cut-Outs und geräumige Sweatshirts mit maritim gestreiften Kragen. Dazu gesellen sich Ärmelbündchen und Säume als braver Kontrast zum wilden Batik-Look. Die gestreiften Bündchen greift die Modedesignerin als wiederkehrendes Element immer wieder auf. Genauso wie fingerlose Bikerhandschuhe oder armlange, geschnürte Varianten mit rockig-schwarzer bis bunt colorierter Note. Auch ein Blick in die Gesichter der Models lohnt sich. Sie tragen getönte Brillen und ein surreal anmutendes Augen Make-up mit lang gezogenem Cat-Eyes in schimmernden Metallictönen.

Was nun folgt, sind wagemutige Kreationen, bei denen manch einer denken mag: Kann man etwa? Oh ja, Rebekka Ruétz kann! Und zwar mischt sie munter unterschiedlichste Materialien und Schnitte, Formen und Farben mit-, über- und untereinander. So ist an eine schwarze Lederkorsage ein weiter Collegejackenärmel genäht. Der andere Arm steckt in einem bunt gemusterten und gelayerte, kurzen Ärmel. Von der Taille herab hängt eine asymmetrische Rock in Rock-Variante. Da bieten die bunten, mit einer Vielzahl an geometrischen Prints überfluteten und sackartig herunterhängenden Trägerkleider schon fast eine Beruhigung. Aber zu wirklicher innerer Harmonie findet man kaum.

Wilder Mix: Rebekka Ruétz besitzt eindeutig Modemut.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Wilde Asymmetrien, kreative One Shoulder-Interpretationen, mutige Materialmixe wie taffes Leder oder zarte Spitze zu gemütlichem Sweaterstoff und transparent gelayerte Symbiosen – hier verschwimmen die Grenzen zwischen machbar und unmöglich. Ein wenig zusammenhangslos schummeln sich auch aus Sweatshirts hervorragende Saurierprints in 3-D-Optik dazwischen. Und scheinbar komplett verirrt haben sich erstaunlich aufgeräumt wirkende dezent blau-weiß gestreifte Ensembles wie ein gerade geschnittenes Minikleid mit üppig über eine Schulter ragenden Volants.

Das schöpferische Werk von Rebekka Ruétz hinterlässt leichte Verwirrung und Erschöpfung, aber ein kreatives Potenzial, das gängige modische Grenzen und Gesetzmäßigkeiten ganz unbefangen auf den Kopf stellt, ist ihr keinesfalls abzusprechen. Keine Looks für brave Mädchen, aber gut geeignet für alle, die gern ein nonkonformistisches Statement setzen möchten.

Follow us