MBFWB Winter 2015

Rebekka Ruetz: Wildlinge auf dem Laufsteg

20.01.2015 / 17:16 Uhr

Schwarzes Leder, kantige Formen, starke Schulterpartien – bei Rebekka Ruétz kommen die Elfen und Feen ungewohnt maskulin daher: „Fairytale“ hat die junge Österreicherin ihre aktuelle Herbst-/Winterkollektion genannt, die inzwischen zur Standardbesetzung im Berliner Fashion-Week-Zelt zählt. Mit geraden Linien und viel falschem Pelz und Kunstleder hat die Tirolerin eine ausdrucksstarke und eigenwillige Kollektion geschaffen, bei der allerdings so manches Detail märchenhaft daneben ging.

Eines spricht definitiv für die junge Designerin, und dies gerade in einer so schnelllebigen und gefallsüchtigen Branche: Rebekka Ruetz zieht ihr Ding voll durch. Was sie präsentiert, fällt aus dem Rahmen – im Guten wie im Schlechten. Diesmal umfasst ihre Kollektion vor allem weite, schwarze Marlene-Hosen aus steifem Material, bodenlange Maxiröcke, flauschige Strickpullover, schmale Shiftdresses und strenge, schnörkellose Trenchcoats. Fast alles in dieser Kollektion ist eher lässig, markant und leicht oversized geschnitten. Dabei hat sich die Designerin auf eine gedeckte Farbpalette beschränkt, viel Schwarz, dazu vor allem Stein- und Erdtöne, Nachtblau, Rauchgrau, Beige und Kupfer-Metallig. Besonders schön sind die kaleidoskophaft strukturierten Stoffdrucke gelungen, die sich auf die Naturfotografien der Künstlerin Dagmara Weinberg stützen.

Die Models stapften zu hymnischen Rock-Rhythmen heran, mit wilden Lockenmähnen und einem reichlich überdrehten, orange-goldenen Dragqueen Make-up. Und so schwankte die Kollektion unschlüssig zwischen zwei Polen, zwischen kraftvoller Extravaganz und Fantasy Film – The Game of Thrones grüßt aus dem Off. Mit den Mänteln, die verbrämt waren mit einem Überschuss aus Webpelz, zusammengeschnitten als Patchwork aus großen Kunstleder-Versatzstücken, riesigen Fellkrägen und vliesähnlichem Futter wirkte die Präsentation zeitweise, als habe eine Bande von Wildlingen den Laufsteg gestürmt. Auch an anderer Stelle verlor die Kollektion gerade in der Seltsamkeit der Details den Fokus – zum Beispiel sind viele Kleider und Mäntel über und über mit langen silbernen Ketten behängt, die von kunstledernen Schulterklappen und Gürteln baumeln. So etwas wäre selbst in den Sieben Königreichen nirgends okay, außer vielleicht auf den Eiseninseln.

Bei den Details setzt Rebekka Ruetz auf jede Menge silberne Ketten.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Es gibt Rebekka Ruetz‘ Märchen erfreuliche und weniger erfreuliche Kapitel - in jedem Fall hat die junge Österreicherin ihre eigene Handschrift gefunden. Wenn sie doch nur ihr unseliges Faible für Fantasykitsch loswerden könnte. Ob die Geschichte gut oder böse ausgehen wird, lässt sich daher noch nicht mit Sicherheit sagen.

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